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Nebenbei

  • SPD: Es geht noch tiefer

    Drei Monate nach der Bundestagswahl hat Deutschland noch keine neue Regierung. Das liegt an der SPD. Sie deutete den Denkzettel, den die Wähler ihr und ihren Koalitionspartnern CDU und CSU verpasst hatten, zur Abwahl der großen Koalition um – ein folgenreicher Fehler.Er verführte die SPD dazu, die Kooperation mit der Union zu beenden. CDU und CSU sahen sich gezwungen, die Jamaika-Koalition zu prüfen. Sie scheiterte am Unwillen der FDP. Schon steht die SPD dumm da. Sie muss nun doch mit der Union reden. Den Weg zu Ergebnissen zieht die SPD in die Länge. Der Grund: Die Partei hat den Vorstand an die Kette gelegt. Er muss Kooperationspläne in die Partei rückkoppeln. Sie ist zerrissen. Sie braucht Zeit. Die Führungskräfte in den SPD-Bezirken sind derzeit an der Basis unterwegs. Die einen, um die Mitglieder zu bestärken, die große Koalition abzulehnen. Die anderen, um die Genossen zu beknien, ihre Aversionen gegen die große Koalition zurückzustellen. Hopphopp geht das nicht. Anders als SPD-Chef Schulz fällt es dem normalen SPD-Mitglied schwer, seine Positionen von heute auf morgen zu ändern. Dieses Verhalten ist problematisch: Je länger die SPD eine neue Regierung blockiert, desto größer wird das Risiko, die Wähler gegen sich aufzubringen. Wie bewegt man SPD-Mitglieder, ihre Aversion gegen die große Koalition aufzugeben? Man führt ihnen vor Augen, dass alle anderen Varianten bis hin zur KoKo für die SPD nachteiliger sind. – Vor der Wahl versicherte sie, sie wolle regieren. Am Wahlabend pfiff sie auf ihr Wort und das Wählervotum. Nun düpiert sie die Wähler erneut: Sie ordnet deren Votum dem ihrer Mitglieder unter. Sie behalten sich vor, das Wählervotum zu akzeptieren oder zurückzuweisen. Die SPD sollte vorerst keine Neuwahl riskieren. Die Wähler könnten es ihr heimzahlen. Die 20,5 Prozent der jüngsten Wahl sind nicht die Talsohle. Es geht noch tiefer. – Ulrich Horn

Scheindebatte über Zuwanderung

Hofreiter will die Leute für dumm verkaufen

Dienstag, 29. März 2016

Politik

Die administrativen Probleme mit der Zuwanderung sind ein Skandal, die schleppende Lösung ebenso. Auch die Art und Weise, wie Politiker über die Probleme und ihre Lösung diskutieren, ist dazu angetan, die Bürger vor den Kopf zu stoßen. Der jüngsten Versuch, die Leute für dumm zu verkaufen, unternimmt der Grünen-Fraktionschef Hofreiter.

Hilflose Menschen

Der Verwaltungsapparat, der die Zuwanderung regeln soll, erwies sich schon zu ruhigen Zeiten als unbrauchbar. Er war auf Abwehr von Zuwanderern getrimmt, hatte zu wenig Personal, arbeitete mit untauglicher technischer Ausstattung, die horizontal und vertikal nicht kompatibel war und auch mit anderen Verwaltungssträngen, die bei der Zuwanderung und Integration eine Rolle spielen sollten, nicht vernetzt war.

Die rechtlichen Bedingungen für die Arbeit der Zuwanderungsverwaltung erwiesen sich als zu kompliziert. Sie trugen dazu bei, Verfahren in die Länge zu ziehen, Integration behindern und Sicherheitsfragen zu vernachlässigen.

Das Ergebnis: Schon zu normalen Zeiten stauten sich in der Zuwanderungsverwaltung viele Tausend unbearbeitete und unerledigte Vorgänge, hinter denen – nebenbei gesagt – oft hilflose, verzweifelte Menschen stehen.

Schlecht organisierter Staat

Dieses Verwaltungsdesaster haben Bundes- und Landesregierung und die Abgeordneten des Bundestages und der Landtage angerichtet. Das ganze Ausmaß ihres Versagens trat hervor, als in den vergangenen Monaten die Mafia die Zuwanderung dramatisch ankurbelte, ohne dass ihr jemand in den Arm fiel.

Hunderttausende Steuerzahler mussten, um Chaos zu verhindern und sich vor ihm zu schützen, dem schlecht organisierten Staat und der überforderten Politik helfen, mit der Zuwanderung klarzukommen. Man mag sich gar nicht ausdenken, wie es bei der Zuwanderung ohne diese Hilfsbereiten abgegangen wäre.

Nachdem nun selbst der dümmste Deutsche die Defizite bemerkt hat, die über Jahrzehnte Politiker bei der Zuwanderung verursacht haben, sollte man meinen, die Politiker würden sich mit aller Kraft daran machen, diese Defizite zu beseitigen. Warum diese Selbstverständlichkeit wohl ein frommer Wunsch bleibt, zeigt sich am jüngsten Schlenker der Zuwanderungsdebatte.

Scheindebatte angezettelt

Innenminister de Maizière (CDU) will Flüchtlingen den dauerhaften Aufenthalt verwehren, wenn sie die Teilnahme an Deutschkursen verweigern und Arbeitsangebote ausschlagen. Wie reagiert der Grünen-Fraktionschef Hofreiter? Er fordert, der Innenminister solle gefälligst die Integrationsangebote verbessern, ehe er nach schärferen Sanktionen rufe.

Hofreiter will uns weismachen, de Maizière plane, Leute zu bestrafen, die gar kein Angebot bekommen. Dabei steht außer Frage: Um Sanktionen zu verhängen, muss ein Angebot erfolgen und ausgeschlagen werden. Wer kein Angebot erhält, kann auch keines ausschlagen und deshalb auch nicht sanktioniert werden.

Hofreiter will die Wähler der Grünen und den Rest der Bevölkerung für dumm verkaufen. Der DGB tut es ihm gleich. Kein Wunder, dass so viele Leute von der Politik die Nase voll haben oder die AfD wählen. Scheindebatten, wie sie der DGB und Hofreiter anzetteln, machen die Radikalen stark.

Leute erst nehmen

Die Grünen und der DGB sollten sich bei ihren Verlautbarungen ein wenig mehr Mühe geben und die Leute ernst nehmen. Die politische Aufgabe besteht darin, beides zu tun: die Angebote zu verstärken und dafür zu sorgen, dass jeder sie wahrnimmt. Wer sie verweigert, signalisiert, dass er sich nicht integrieren will.

Es wäre eine lohnende Aufgabe für die Grünen und den DGB, dafür einzutreten und dafür zu sorgen, dass die eingangs beschriebenen administrativen und rechtlichen Defizite Stück um Stück beseitigt werden, damit die Bürger für ihre Steuermittel endlich einen gut funktionierenden Staat erhalten.

Die Bürger haben einen Anspruch darauf. Im Moment bezahlen sie zwar die Musik, doch die Mitglieder des Orchesters haben noch nicht einmal bewiesen, dass sie in der Lage sind, ihre Instrumente zu spielen. – Ulrich Horn


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2 Kommentare zu “Hofreiter will die Leute für dumm verkaufen”

  1. Roland Appel sagt:

    So voll daneben haben Sie seit der Existenz dieses Blogs nicht, Herr Horn.
    1. Die Asylverfahren werden im Wesentlichen dadurch verzögert, dass sich die CSU/CSU weigert, auf die nach drei Jahren bei ANERKANNTEN Asylberechtigten vorgesehene Wiederholungsprüfung zu verzichten. Darüber hinaus sieht das BAMF seine Aufgabe nach wie vor darin, gegen jede positive Entscheidung zu klagen, anstatt neue Anträge schnell zu entscheiden.
    2. Im Juli 2015 wurde der IT-Chef der BA, Klaus Vitt, ein hervorragender Mann, CIO der Bundesregierung. Sein ehemaliges Amt ist seitdem vakant, ist aber eine Schlüsselposition, um die IT-technische Verschmelzung von BA und BAMF umzusetzen. Statt für eine schnelle Wiederbesetzung zu sorgen, bekämpfen und blockieren sich das Haus Nahles und das Haus de Maiziere seit Monaten mit Intrigen, Forderungen nach Paketen, politischen Scharmützeln, die niemand versteht, um dieses Amt – und möglicherweise andere Ämter der BA in Zukunft zu besetzen. Mehr Unverantwortlichkeit angesichts einer Sachlage, an der unter anderem der Kanzlerin Wort „Wir schaffen das“ ist schlicht undenkbar.
    3. Die Opposition hat dabei überhaupt keinen Einfluss – Anton Hofreiters Kritik richtet sich sachlich völlig zurecht gegen Willkürmaßnahmen und völlig überzogene Sanktionen des Bundesinnenministers gegen Flüchtlinge. Dieser tut im allgemeinen populistischen Klima so, als ob Flüchtlinge, die Integration verweigerten, nicht schon längst mit umfangreichen Sanktionen rechnen müssten. Das ist rechtlich falsch und eine politische Finte. Dieses miese Spiel des BMI herauszuarbeiten, wäre eigentlich die Aufgabe kritischen Journalismus statt plattem Oppositionsbashing, die bei diesem miesen Spiel von Nahles und Co nur zuschauen können. DAS ist der Schatten der Großen Koalition!

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