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Nebenbei

  • Armes NRW

    Mehr als eine Woche lang stand in den Kreisen Gütersloh und Warendorf der Lockdown in Rede. Auch wenn er nicht gleich angeordnet wurde, als bei Tönnies das Virus zuschlug: Umsichtige Politik hätte einen Lockdown zumindest in Betracht ziehen müssen. NRW-Ministerpräsident Laschet wehrte ihn zunächst ab. Der Regierungschef tat sich schwer, die Freiheitsrechte erneut einzuschränken. – Doch NRW ist nicht allein auf dieser Welt. Ganz gleich, ob es den Lockdown ausruft oder nicht: Andere Bundesländer gehen so oder so in Deckung. Ihnen reicht die hohe Zahl der Infizierten, um für Besucher aus den Kreisen Gütersloh und Warendorf hohe Hürden aufzurichten. Österreich warnt sogar vor Reisen nach NRW. – Inzwischen hat Laschet doch noch den Lockdown angeordnet und die Bürger in und um Gütersloh und Warendorf aufgerufen, sich testen zu lassen. Die Bürger folgten brav. Das Ergebnis: Bis zu vier Stunden mussten sie am Mittwoch vor einem Testzentrum warten. Die Tester fühlten sich überfordert. Sie schickten die Bürger nach Hause und vertrösteten sie auf Donnerstag. Armes NRW. Zuerst ärgerten sich die Bürger über den erneuten Lockdown. Nun ärgern sie sich darüber, dass die Politiker und die Verwaltungen es nicht fertig brachten, zügiges Testen zu ermöglichen. Genügend Zeit, um entsprechende Vorkehrungen zu treffen, war durchaus vorhanden. – Was lehrt uns das? Erstens: Der Amtsschimmel kann, wenn er nicht gerade eben steht und grast, sich wohl nur im Schritttempo bewegen. Und zweitens: Viele Politiker sind für ihren Job offenbar fehlqualifiziert. Sie ließen sich wählen, obwohl sie gar nicht reiten können – schon gar nicht den Amtsschimmel. – Ulrich Horn

VW: Krisenmanager werden Teil der Krise

Mittwoch, 9. März 2016

Politik

Im VW-Skandal wird immer deutlicher: Konzernchef Müller ist der falsche Mann, die Krise des Konzerns zu managen. Dieser Umstand war schon bei seiner Berufung an die Konzernspitze vielen Beobachtern klar, wurde von den Eigentümern und vom Aufsichtsrat jedoch ignoriert, zum Schaden für den Konzern.

Netzwerke schonen

Müller fehlen die Voraussetzungen, die für erfolgreiches Krisenmanagement erforderlich sind. Sein größtes Handicap ist es, dass seine Glaubwürdigkeit infrage gestellt werden kann. Er gehört zum Kreis jener VW-Manager, die vom Abgasbetrug seit Langem hätten wissen müssen – oder von ihm wussten und ihn verschwiegen.

Warum ausgerechnet er an die VW-Spitze kam, nährt die Vermutung, er solle das unvermeidliche Aufräumen auf das unvermeidbare Ausmaß beschränken. Damit er diese Aufgabe optimal wahrnehmen kann, wurde ihm mit Aufsichtsratschef Pötsch ein Mann zur Seite gestellt, der das gleiche Handicap wie Müller trägt: Er kennt die Netzwerke bei VW und bietet ebenfalls die Gewähr bietet, sie so weit wie möglich zu schonen.

Niedersachsens Sperrminorität

Wie erwartet haben sich beide zur Belastung für den Konzern entwickelt. Dank seines kurzsichtigen Aufsichtsrates kämpft das Unternehmen nun nicht nur mit dem Abgasskandal, sondern auch mit der Frage, in welchem Umfang seine Krisenmanager in ihn verstrickt sind. Je länger sie in ihren Ämtern bleiben, desto lauter wird sich diese Frage stellen.

Der Schaden, den Pötsch und Müller mit sich bringen, übersteigt längst den Nutzen, der von ihnen erwartet wurde. Dass die Eigentümer Piëch und Porsche an den beiden langgedienten Managern festhalten, müssen sie mit sich abmachen. Was aber tut das Land Niedersachen, das bei VW eine Sperrminorität besitzt?

In die Ämter gehievt

Ministerpräsident Weil (SPD) hat gegen den Rat vieler Fachleute mitgeholfen, Pötsch und Müller in ihre Ämter zu hieven. Er ist mitverantwortlich für das Führungsproblem des Konzerns. Weil – und mit ihm die SPD – sind auf dem besten Weg, wie Müller und Pötsch Teil der VW-Probleme zu werden. Dieses Problem hat der SPD gerade noch gefehlt. – Ulrich Horn


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2 Kommentare zu “VW: Krisenmanager werden Teil der Krise”

  1. Werner sagt:

    Was einen fasziniert, ist immer die Art und Weise, wie Journalisten, die ja von allem Ahnung haben, ihre Wahrheiten hinausposaunen! Ohne Nachweis für Kompetenz werden komplexeste Zusammenhänge simplifiziert! Ohne es zu belegen, werden Behauptungen in die Welt gesetzt! Gut, dass es Journalisten gibt, die von allem und jedem Ahnung haben!

  2. Martin Böttger sagt:

    @Werner: Große Unternehmen, Verbände und Bürokratien neigen stark dazu, selbstbezogen und betriebsblind zu werden. Zu intensiv sind sie mit internen Rangkämpfen beschäftigt und ausgelastet. Da können Journalisten, die strategisches Grundverständnis besitzen, oftmals hilfreich sein, um ihnen zu spiegeln, wie das da draußen wirkt. Deswegen kaufen kluge produzierende Unternehmen auf dem Arbeitsmarkt mittlerweile mehr Journalisten ein, als es Medienunternehmen tun. Da lobe ich mir als Leser unabhängige Journalisten, die von keinem mehr eingekauft werden.

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