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Nebenbei

  • Es geht noch schlechter

    Um die Deutsche Bank und die Commerzbank steht es schlecht. Bundesfinanzminister Scholz (SPD) möchte ihren Verfall stoppen. Sie sollen sich zusammenschließen. Er hofft, vereint könnten sie eine stärkere Rolle spielen. Die Verhandlungen haben gerade begonnen. Sie werden beide Banken zunächst weiter schwächen. Um größeres Gewicht zu gewinnen, müssen sie Kosten senken. Sie gilt, Stellen zu streichen und Zweigstellen zu schließen. Beide Geldhäuser beschäftigen insgesamt gut 130.000 Menschen. Soll der Zusammenschluss den gewünschten Gewinn bringen, könnten 20.000 bis 50.000 Stellen wegfallen. Was werden die Mitarbeiter bei diesen Aussichten tun? Sie werden sich fragen, ob sie es sind, die demnächst auf der Strecke bleiben. Viele werden alles daransetzen, einen anderen Arbeitgeber zu finden. Sie werden sich umhören, Bewerbungen schreiben, sich auf Bewerbungsgespräche vorbereiten. Sie werden ihre finanziellen Verhältnisse straffen, um drohende Durststrecken zu überstehen. Sie werden sich zum Abwehrkampf gegen den Zusammenschluss formieren und an Protestaktionen teilnehmen. Bis die Vereinigung in trockenen Tüchern ist, falls es zu ihr kommt, wird einige Zeit ins Land gehen. Derweil werden sich die Beschäftigten mehr mit sich selbst als mit den Geschäften ihrer Bank befassen. Ist es abwegig abzunehmen, dass sich die schlechte Ertragslage der beiden Banken in nächster Zeit noch verschlechtern wird? – Ulrich Horn

Zum Abgasskandal auch noch Führungsprobleme

VW: Krisenmanager werden Teil der Krise

Mittwoch, 9. März 2016

Politik

Im VW-Skandal wird immer deutlicher: Konzernchef Müller ist der falsche Mann, die Krise des Konzerns zu managen. Dieser Umstand war schon bei seiner Berufung an die Konzernspitze vielen Beobachtern klar, wurde von den Eigentümern und vom Aufsichtsrat jedoch ignoriert, zum Schaden für den Konzern.

Netzwerke schonen

Müller fehlen die Voraussetzungen, die für erfolgreiches Krisenmanagement erforderlich sind. Sein größtes Handicap ist es, dass seine Glaubwürdigkeit infrage gestellt werden kann. Er gehört zum Kreis jener VW-Manager, die vom Abgasbetrug seit Langem hätten wissen müssen – oder von ihm wussten und ihn verschwiegen.

Warum ausgerechnet er an die VW-Spitze kam, nährt die Vermutung, er solle das unvermeidliche Aufräumen auf das unvermeidbare Ausmaß beschränken. Damit er diese Aufgabe optimal wahrnehmen kann, wurde ihm mit Aufsichtsratschef Pötsch ein Mann zur Seite gestellt, der das gleiche Handicap wie Müller trägt: Er kennt die Netzwerke bei VW und bietet ebenfalls die Gewähr bietet, sie so weit wie möglich zu schonen.

Niedersachsens Sperrminorität

Wie erwartet haben sich beide zur Belastung für den Konzern entwickelt. Dank seines kurzsichtigen Aufsichtsrates kämpft das Unternehmen nun nicht nur mit dem Abgasskandal, sondern auch mit der Frage, in welchem Umfang seine Krisenmanager in ihn verstrickt sind. Je länger sie in ihren Ämtern bleiben, desto lauter wird sich diese Frage stellen.

Der Schaden, den Pötsch und Müller mit sich bringen, übersteigt längst den Nutzen, der von ihnen erwartet wurde. Dass die Eigentümer Piëch und Porsche an den beiden langgedienten Managern festhalten, müssen sie mit sich abmachen. Was aber tut das Land Niedersachen, das bei VW eine Sperrminorität besitzt?

In die Ämter gehievt

Ministerpräsident Weil (SPD) hat gegen den Rat vieler Fachleute mitgeholfen, Pötsch und Müller in ihre Ämter zu hieven. Er ist mitverantwortlich für das Führungsproblem des Konzerns. Weil – und mit ihm die SPD – sind auf dem besten Weg, wie Müller und Pötsch Teil der VW-Probleme zu werden. Dieses Problem hat der SPD gerade noch gefehlt. – Ulrich Horn


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2 Kommentare zu “VW: Krisenmanager werden Teil der Krise”

  1. Werner sagt:

    Was einen fasziniert, ist immer die Art und Weise, wie Journalisten, die ja von allem Ahnung haben, ihre Wahrheiten hinausposaunen! Ohne Nachweis für Kompetenz werden komplexeste Zusammenhänge simplifiziert! Ohne es zu belegen, werden Behauptungen in die Welt gesetzt! Gut, dass es Journalisten gibt, die von allem und jedem Ahnung haben!

  2. Martin Böttger sagt:

    @Werner: Große Unternehmen, Verbände und Bürokratien neigen stark dazu, selbstbezogen und betriebsblind zu werden. Zu intensiv sind sie mit internen Rangkämpfen beschäftigt und ausgelastet. Da können Journalisten, die strategisches Grundverständnis besitzen, oftmals hilfreich sein, um ihnen zu spiegeln, wie das da draußen wirkt. Deswegen kaufen kluge produzierende Unternehmen auf dem Arbeitsmarkt mittlerweile mehr Journalisten ein, als es Medienunternehmen tun. Da lobe ich mir als Leser unabhängige Journalisten, die von keinem mehr eingekauft werden.

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