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Nebenbei

  • Etwas wie ein Vogelschiss

    Die neue Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer (CDU) wurde am Mittwoch in einer Sondersitzung des Bundestages vereidigt. Zu diesem Zweck wurden die Abgeordneten aus dem Urlaub gerufen. Etliche, darunter die Fraktionschefs Lindner (FDP) und Weidel (AfD), beanstanden die Kosten der Aktion. Es soll sich um 100.000 Euro handeln. Keine Peanuts, aber doch so etwas wie ein Vogelschiss, diesmal ein echter. Wie teuer war eigentlich die Sondersitzung des Verkehrsausschusses, die ebenfalls am Mittwoch stattfand? Und wie teuer waren die Sitzungen der Ausschüsse für Auswärtiges und für Bildung, die am Dienstag tagten, auch er ein Ferientag? Wurde der Aufwand der Ausschüsse gegen den der Bundestagssondersitzung gegengerechnet? – Im Ernst: Wollen Lindner und Weidel sparen, sollten sie den Bundestag verkleinern. 709 Abgeordnete sind zu viele. Die Hinterbank des Parlaments wird von Wahl zu Wahl länger. Die Qualität im Parlament wächst nicht mit, siehe die Kritik an der Sondersitzung. Würde das Plenum nur um zehn Prozent schrumpfen, könnten nicht 100.000 Euro, sondern mehrere Millionen gespart werden, und das Jahr für Jahr. Lindner und Weidel sollten sich auch daranmachen, die Geldverbrennungsanlage Berliner Flughafen zu stoppen. Dort geht seit Langem Tag für Tag eine Million durch den Kamin. Ein Ende ist nicht in Sicht. Dort wird unter den Augen von Lindner, Weidel und 707 weiteren Bundestagsabgeordneten allein an einem Tag Geld im Wert von zehn Sondersitzungen verschwendet. Es sieht nicht so aus, als seien die Abgeordneten dabei, diesen Missstand zu beheben. – Ulrich Horn

Zum Abgasskandal auch noch Führungsprobleme

VW: Krisenmanager werden Teil der Krise

Mittwoch, 9. März 2016

Politik

Im VW-Skandal wird immer deutlicher: Konzernchef Müller ist der falsche Mann, die Krise des Konzerns zu managen. Dieser Umstand war schon bei seiner Berufung an die Konzernspitze vielen Beobachtern klar, wurde von den Eigentümern und vom Aufsichtsrat jedoch ignoriert, zum Schaden für den Konzern.

Netzwerke schonen

Müller fehlen die Voraussetzungen, die für erfolgreiches Krisenmanagement erforderlich sind. Sein größtes Handicap ist es, dass seine Glaubwürdigkeit infrage gestellt werden kann. Er gehört zum Kreis jener VW-Manager, die vom Abgasbetrug seit Langem hätten wissen müssen – oder von ihm wussten und ihn verschwiegen.

Warum ausgerechnet er an die VW-Spitze kam, nährt die Vermutung, er solle das unvermeidliche Aufräumen auf das unvermeidbare Ausmaß beschränken. Damit er diese Aufgabe optimal wahrnehmen kann, wurde ihm mit Aufsichtsratschef Pötsch ein Mann zur Seite gestellt, der das gleiche Handicap wie Müller trägt: Er kennt die Netzwerke bei VW und bietet ebenfalls die Gewähr bietet, sie so weit wie möglich zu schonen.

Niedersachsens Sperrminorität

Wie erwartet haben sich beide zur Belastung für den Konzern entwickelt. Dank seines kurzsichtigen Aufsichtsrates kämpft das Unternehmen nun nicht nur mit dem Abgasskandal, sondern auch mit der Frage, in welchem Umfang seine Krisenmanager in ihn verstrickt sind. Je länger sie in ihren Ämtern bleiben, desto lauter wird sich diese Frage stellen.

Der Schaden, den Pötsch und Müller mit sich bringen, übersteigt längst den Nutzen, der von ihnen erwartet wurde. Dass die Eigentümer Piëch und Porsche an den beiden langgedienten Managern festhalten, müssen sie mit sich abmachen. Was aber tut das Land Niedersachen, das bei VW eine Sperrminorität besitzt?

In die Ämter gehievt

Ministerpräsident Weil (SPD) hat gegen den Rat vieler Fachleute mitgeholfen, Pötsch und Müller in ihre Ämter zu hieven. Er ist mitverantwortlich für das Führungsproblem des Konzerns. Weil – und mit ihm die SPD – sind auf dem besten Weg, wie Müller und Pötsch Teil der VW-Probleme zu werden. Dieses Problem hat der SPD gerade noch gefehlt. – Ulrich Horn


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2 Kommentare zu “VW: Krisenmanager werden Teil der Krise”

  1. Werner sagt:

    Was einen fasziniert, ist immer die Art und Weise, wie Journalisten, die ja von allem Ahnung haben, ihre Wahrheiten hinausposaunen! Ohne Nachweis für Kompetenz werden komplexeste Zusammenhänge simplifiziert! Ohne es zu belegen, werden Behauptungen in die Welt gesetzt! Gut, dass es Journalisten gibt, die von allem und jedem Ahnung haben!

  2. Martin Böttger sagt:

    @Werner: Große Unternehmen, Verbände und Bürokratien neigen stark dazu, selbstbezogen und betriebsblind zu werden. Zu intensiv sind sie mit internen Rangkämpfen beschäftigt und ausgelastet. Da können Journalisten, die strategisches Grundverständnis besitzen, oftmals hilfreich sein, um ihnen zu spiegeln, wie das da draußen wirkt. Deswegen kaufen kluge produzierende Unternehmen auf dem Arbeitsmarkt mittlerweile mehr Journalisten ein, als es Medienunternehmen tun. Da lobe ich mir als Leser unabhängige Journalisten, die von keinem mehr eingekauft werden.

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