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Nebenbei

  • Die Büttenredner der SPD

    Zum Wochenwechsel beschäftigte sich die Republik mit zwei lokalen Ereignissen – mit dem Karneval und der Hamburg-Wahl. Beide Veranstaltungen vermittelten sich wie üblich in großem Stil über die öffentlich-rechtlichen TV-Sender. Es war schwer zu unterscheiden, ob gerade der Karneval oder die Wahl übertragen wurde. Hamburgs SPD-Bürgermeister hörte gar nicht auf, das Wahlergebnis seiner Partei zu bejubeln, obwohl sie mit mehr als sechs Prozentpunkten den höchsten Verlust aller Parteien erlitt. Die SPD-Chefs Esken und Walter-Borjans übertrafen den Bürgermeister noch. Sie beschränkten sich nicht darauf, das magere Ergebnis als Erfolg zu feiern. Sie beanspruchten auch, ihn mitbewirkt zu haben. Dabei weiß die ganze Republik: Hamburgs SPD hatte sich verbeten, dass Esken und Walter-Borjans im Wahlkampf auftraten. Die beiden SPD-Chefs sind schließlich angetreten, gerade jene politische Richtung in der SPD zu bekämpfen, deren Hamburger Wahlergebnis sie nun in den Wahlsendungen feierten und sogar für sich reklamierten. Wie viele Zuschauer fühlten sich wohl von den beiden SPD-Chefs belogen? Wie vielen vermittelten Esken und Walter-Borjans wohl, dass man auf das Wort von Politikern und auf ihres im Besonderen nichts geben kann? Für alle anderen machten sich Esken und Walter-Borjans über die Hamburg-Wahl zu Narren. Viele Zuschauer werden ihre Stellungnahmen als Büttenreden verstanden haben. Kürzlich war zu lesen, Walter-Borjans erwäge, zur Bundestagswahl 2021 als Kanzlerkandidat anzutreten. Seine Wahlkampfbotschaft und sein Wahlslogan dürften schon feststehen: SPD alaaf, SPD helau. – Ulrich Horn

Deutschland bleibt von Olympia verschont

Den Hamburgern sei Dank

Mittwoch, 2. Dezember 2015

Politik

Die Hamburger wollen sich nicht um Olympia 2024 bewerben. Das ist eine kluge Entscheidung. Die Spiele sollten 18,2 Milliarden Euro kosten. 1,2 wollte Hamburg beisteuern. 11 sollten durch Zuschüsse des Internationalen Olympischen Komitees und durch Einnahmen zusammenkommen, sechs die Steuerzahler der Republik aufbringen. Nun nicht mehr, den Hamburgern sei Dank.

Zeitrahmen und Kosten

Zwei Gründe sprachen besonders stark gegen die Spiele in Hamburg. Es gab keine Gewähr, dass die Bauten rechtzeitig fertig geworden wären. Außerdem gab es keine Garantie, dass Hamburg den Kostenvoranschlag eingehalten hätte.

Fast überall, wo deutsche Politiker bauen, explodieren die Zeitrahmen und die Kosten. Hamburgs Elbphilharmonie sollte 77 Millionen Euro kosten. Inzwischen wird sie mit 789 Millionen Euro mehr als das Zehnfache verschlingen. Übertragen auf den Kostenrahmen für Olympia 2024 in Hamburg hätte man statt mit 18,2 Milliarden mit mehr als 182 Milliarden rechnen müssen.

Wer die Olympischen Spiele 2024 austrägt, wird im Sommer 2017 entschieden. Von da an hätte Hamburg, wenn es denn den Zuschlag erhalten hätte, mit dem Bau der Spielstätten beginnen können. Dass die Stadt die Anlagen rechtzeitig 2024 fertigbekommen hätte, wäre keineswegs sicher gewesen.

Mit Verspätung

Diese Vermutung legt der Bau der Hamburger Elbphilharmonie nahe. Er startete 2007. Er sollte 2010 beendet sein. Daraus wurde nichts. Derzeit wird 2017 angepeilt. Übertragen auf das Hamburger Olympia-Projekt wären dessen Anlagen erst 2027 fertig gewesen. Die Eröffnungsfeier der Spiele hätte mit dreijähriger Verspätung stattfinden müssen.

Der ablehnende Volksentscheid hat allen viel erspart: Die Hamburger Spiele hätten vermutlich die Hansestadt ruiniert. Die schwarze Null im Bundeshaushalt wäre wohl geplatzt und für lange Zeit eine Illusion geblieben. Das Ansehen der Hansestadt und der Republik wäre schwer lädiert worden. Das janusartige Olympia-Motto – „schneller, höher, weiter“ und „dabei sein ist alles“ – hätte sich als Mumpitz entlarvt.

Nun, nach dem weisen Entscheid der Hamburger Bürger, kann das IOC davon ausgehen, dass die Spiele 2024 tatsächlich 2024 stattfinden werden. Die Republik kann aufatmen: Ihr bleiben hohe Kosten erspart. Deutschlands Politiker können nun mit aller Kraft den Berliner Flughafen fertigstellen.

Eröffnungen synchronisieren

Er ist seit dem 5. September 2006 im Bau. Im Oktober 2007 sollte der Flugbetrieb starten. Nun ist dieses Ereignis für Ende 2017 geplant. Böse Zungen behaupten, auch dieser Termin sei nicht zu halten. Er sollte eine Milliarde Euro kosten und wird nun wohl sechs Milliarden verbrauchen, oder noch mehr.

Ist es eine gewagte Prognose zu behaupten: Im Sommer 2024 wird dieses nationale Renommierprojekt wohl fertig sein? Dann ließe sich sogar seine Eröffnung mit jener der Olympischen Spiele synchronisieren.

Die Hamburger könnten vom neuen Hauptstadtflughafen aus dahin fliegen, wo in jenem Jahr die Olympischen Spiele ausgetragen werden, die sie in der Hansestadt nicht haben wollten. Ich kann Ihnen nur raten: Genießen auch Sie diesen doppelten Glückseffekt. Fliegen Sie mit. – Ulrich Horn


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5 Kommentare zu “Den Hamburgern sei Dank”

  1. Roland Appel sagt:

    Die Bürgerschaft im Hamburg ist weise – sie hat entschieden, dass die Stadt andere Probleme lösen muss und dass man die ernst nimmt. Irgendwie auch eine Entscheidung im Geiste Helmut Schmidts!

    http://tutt-news.de/2015/11/30/ein-votum-praktischer-vernunft/

  2. Hubertus Bruch sagt:

    Guten Morgen!
    Sehr amüsanter Artikel. Allein die Vorstellung, dass Olympia bei den Muschelschubsern aufgrund der verzögerten „Stadtteilentwicklung“ dann eben drei Jahre später stattgefunden hätte. Allerdings wäre ich als Hamburger dann doch ein wenig eingeschnappt, wenn ich läse, dass Sie mich in ein Boot mit den Babelbergbauern aus Berlin setzen wollen.
    Schäuble, bei Jauch darauf angesprochen, konnte seine klammheimliche Freude über das Votum kaum unterdrücken. Und womit? Mit Recht! Schließlich sollte der Rest der Republik der reichen Hansestadt mal eben einen neuen Stadtteil schenken. Somit gut für die Bundesbürger, aber eigentlich ganz schön dumm von den Hamseaten.

  3. dr.pingel sagt:

    Ein wohltuender Artikel, wenn man ihn vergleicht mit der Hasstirade, mit der die WAZ/NRZ diese weise Entscheidung kommentiert haben. Die Münchener haben es ja vorgemacht, wie man dem Größenwahn unserer Politiker, die eh nichts hinbekommen, eine Absage erteilt.

  4. Nordmann sagt:

    Das war ein blödsinniger Plan. Viel zu wenig Gegenstimmen. (…) Noch mehr Hamburger hätten dagegen sein müssen. Ein schwaches Ergebnis. Nichts als Schulden, aber große Sprünge machen wollen auf Kosten der kleinen Steuerzahler. (…).

  5. walter dyroff sagt:

    -Zwei Gründe sprachen besonders stark gegen die Spiele in Hamburg.-
    Es sind nicht nur die Termine und Kosten, die gegen eine Olympiade sprechen. Es geht auch um die Risikoverlagerung des IOC auf den Steuerbürger.
    Jens Weinreich schreibt in seinem Blog: Sport und Politics über die gescheiterte Olympiabewerbung Münchens: „Vertraulich: alle Bürgschaften und Garantien, die deutsche Volksvertreter dem IOC für München 2018 geben – Wer Olympische Spiele ausrichten will, muss nur flink seine nationale Rechtsordnung außer Kraft setzen (das ist zuspitzend kommentierend formuliert, liebe Juristen), sich dem Diktat des steuerbefreiten Weltkonzerns IOC und seiner Parallelgesellschaft „olympischer Sport“ unterwerfen – und natürlich einige Dutzend staatliche Garantien abgeben: Ausfallbürgschaften, viele andere finanzielle Bürgschaften (wobei die Sicherheitskosten, medizinische Versorgung etc pp in keinem Etat auftauchen, das wird den Steuerzahler noch einige hundert Millionen Euro kosten, so genau nimmt’s man da nicht) und etliches mehr.“
    https://www.jensweinreich.de/2010/10/05/vertraulich-alle-burgschaften-und-garantien-die-deutsche-volksvertreter-dem-ioc-fur-munchen-2018-geben/
    Dass da der Herr Otto (Stuttgart 21 Otto) ein langes Gesicht gemacht hat, ist verständlich.

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