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  • Armes NRW

    Mehr als eine Woche lang stand in den Kreisen Gütersloh und Warendorf der Lockdown in Rede. Auch wenn er nicht gleich angeordnet wurde, als bei Tönnies das Virus zuschlug: Umsichtige Politik hätte einen Lockdown zumindest in Betracht ziehen müssen. NRW-Ministerpräsident Laschet wehrte ihn zunächst ab. Der Regierungschef tat sich schwer, die Freiheitsrechte erneut einzuschränken. – Doch NRW ist nicht allein auf dieser Welt. Ganz gleich, ob es den Lockdown ausruft oder nicht: Andere Bundesländer gehen so oder so in Deckung. Ihnen reicht die hohe Zahl der Infizierten, um für Besucher aus den Kreisen Gütersloh und Warendorf hohe Hürden aufzurichten. Österreich warnt sogar vor Reisen nach NRW. – Inzwischen hat Laschet doch noch den Lockdown angeordnet und die Bürger in und um Gütersloh und Warendorf aufgerufen, sich testen zu lassen. Die Bürger folgten brav. Das Ergebnis: Bis zu vier Stunden mussten sie am Mittwoch vor einem Testzentrum warten. Die Tester fühlten sich überfordert. Sie schickten die Bürger nach Hause und vertrösteten sie auf Donnerstag. Armes NRW. Zuerst ärgerten sich die Bürger über den erneuten Lockdown. Nun ärgern sie sich darüber, dass die Politiker und die Verwaltungen es nicht fertig brachten, zügiges Testen zu ermöglichen. Genügend Zeit, um entsprechende Vorkehrungen zu treffen, war durchaus vorhanden. – Was lehrt uns das? Erstens: Der Amtsschimmel kann, wenn er nicht gerade eben steht und grast, sich wohl nur im Schritttempo bewegen. Und zweitens: Viele Politiker sind für ihren Job offenbar fehlqualifiziert. Sie ließen sich wählen, obwohl sie gar nicht reiten können – schon gar nicht den Amtsschimmel. – Ulrich Horn

Den Hamburgern sei Dank

Mittwoch, 2. Dezember 2015

Politik

Die Hamburger wollen sich nicht um Olympia 2024 bewerben. Das ist eine kluge Entscheidung. Die Spiele sollten 18,2 Milliarden Euro kosten. 1,2 wollte Hamburg beisteuern. 11 sollten durch Zuschüsse des Internationalen Olympischen Komitees und durch Einnahmen zusammenkommen, sechs die Steuerzahler der Republik aufbringen. Nun nicht mehr, den Hamburgern sei Dank.

Zeitrahmen und Kosten

Zwei Gründe sprachen besonders stark gegen die Spiele in Hamburg. Es gab keine Gewähr, dass die Bauten rechtzeitig fertig geworden wären. Außerdem gab es keine Garantie, dass Hamburg den Kostenvoranschlag eingehalten hätte.

Fast überall, wo deutsche Politiker bauen, explodieren die Zeitrahmen und die Kosten. Hamburgs Elbphilharmonie sollte 77 Millionen Euro kosten. Inzwischen wird sie mit 789 Millionen Euro mehr als das Zehnfache verschlingen. Übertragen auf den Kostenrahmen für Olympia 2024 in Hamburg hätte man statt mit 18,2 Milliarden mit mehr als 182 Milliarden rechnen müssen.

Wer die Olympischen Spiele 2024 austrägt, wird im Sommer 2017 entschieden. Von da an hätte Hamburg, wenn es denn den Zuschlag erhalten hätte, mit dem Bau der Spielstätten beginnen können. Dass die Stadt die Anlagen rechtzeitig 2024 fertigbekommen hätte, wäre keineswegs sicher gewesen.

Mit Verspätung

Diese Vermutung legt der Bau der Hamburger Elbphilharmonie nahe. Er startete 2007. Er sollte 2010 beendet sein. Daraus wurde nichts. Derzeit wird 2017 angepeilt. Übertragen auf das Hamburger Olympia-Projekt wären dessen Anlagen erst 2027 fertig gewesen. Die Eröffnungsfeier der Spiele hätte mit dreijähriger Verspätung stattfinden müssen.

Der ablehnende Volksentscheid hat allen viel erspart: Die Hamburger Spiele hätten vermutlich die Hansestadt ruiniert. Die schwarze Null im Bundeshaushalt wäre wohl geplatzt und für lange Zeit eine Illusion geblieben. Das Ansehen der Hansestadt und der Republik wäre schwer lädiert worden. Das janusartige Olympia-Motto – „schneller, höher, weiter“ und „dabei sein ist alles“ – hätte sich als Mumpitz entlarvt.

Nun, nach dem weisen Entscheid der Hamburger Bürger, kann das IOC davon ausgehen, dass die Spiele 2024 tatsächlich 2024 stattfinden werden. Die Republik kann aufatmen: Ihr bleiben hohe Kosten erspart. Deutschlands Politiker können nun mit aller Kraft den Berliner Flughafen fertigstellen.

Eröffnungen synchronisieren

Er ist seit dem 5. September 2006 im Bau. Im Oktober 2007 sollte der Flugbetrieb starten. Nun ist dieses Ereignis für Ende 2017 geplant. Böse Zungen behaupten, auch dieser Termin sei nicht zu halten. Er sollte eine Milliarde Euro kosten und wird nun wohl sechs Milliarden verbrauchen, oder noch mehr.

Ist es eine gewagte Prognose zu behaupten: Im Sommer 2024 wird dieses nationale Renommierprojekt wohl fertig sein? Dann ließe sich sogar seine Eröffnung mit jener der Olympischen Spiele synchronisieren.

Die Hamburger könnten vom neuen Hauptstadtflughafen aus dahin fliegen, wo in jenem Jahr die Olympischen Spiele ausgetragen werden, die sie in der Hansestadt nicht haben wollten. Ich kann Ihnen nur raten: Genießen auch Sie diesen doppelten Glückseffekt. Fliegen Sie mit. – Ulrich Horn


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5 Kommentare zu “Den Hamburgern sei Dank”

  1. Roland Appel sagt:

    Die Bürgerschaft im Hamburg ist weise – sie hat entschieden, dass die Stadt andere Probleme lösen muss und dass man die ernst nimmt. Irgendwie auch eine Entscheidung im Geiste Helmut Schmidts!

    http://tutt-news.de/2015/11/30/ein-votum-praktischer-vernunft/

  2. Hubertus Bruch sagt:

    Guten Morgen!
    Sehr amüsanter Artikel. Allein die Vorstellung, dass Olympia bei den Muschelschubsern aufgrund der verzögerten „Stadtteilentwicklung“ dann eben drei Jahre später stattgefunden hätte. Allerdings wäre ich als Hamburger dann doch ein wenig eingeschnappt, wenn ich läse, dass Sie mich in ein Boot mit den Babelbergbauern aus Berlin setzen wollen.
    Schäuble, bei Jauch darauf angesprochen, konnte seine klammheimliche Freude über das Votum kaum unterdrücken. Und womit? Mit Recht! Schließlich sollte der Rest der Republik der reichen Hansestadt mal eben einen neuen Stadtteil schenken. Somit gut für die Bundesbürger, aber eigentlich ganz schön dumm von den Hamseaten.

  3. dr.pingel sagt:

    Ein wohltuender Artikel, wenn man ihn vergleicht mit der Hasstirade, mit der die WAZ/NRZ diese weise Entscheidung kommentiert haben. Die Münchener haben es ja vorgemacht, wie man dem Größenwahn unserer Politiker, die eh nichts hinbekommen, eine Absage erteilt.

  4. Nordmann sagt:

    Das war ein blödsinniger Plan. Viel zu wenig Gegenstimmen. (…) Noch mehr Hamburger hätten dagegen sein müssen. Ein schwaches Ergebnis. Nichts als Schulden, aber große Sprünge machen wollen auf Kosten der kleinen Steuerzahler. (…).

  5. walter dyroff sagt:

    -Zwei Gründe sprachen besonders stark gegen die Spiele in Hamburg.-
    Es sind nicht nur die Termine und Kosten, die gegen eine Olympiade sprechen. Es geht auch um die Risikoverlagerung des IOC auf den Steuerbürger.
    Jens Weinreich schreibt in seinem Blog: Sport und Politics über die gescheiterte Olympiabewerbung Münchens: „Vertraulich: alle Bürgschaften und Garantien, die deutsche Volksvertreter dem IOC für München 2018 geben – Wer Olympische Spiele ausrichten will, muss nur flink seine nationale Rechtsordnung außer Kraft setzen (das ist zuspitzend kommentierend formuliert, liebe Juristen), sich dem Diktat des steuerbefreiten Weltkonzerns IOC und seiner Parallelgesellschaft „olympischer Sport“ unterwerfen – und natürlich einige Dutzend staatliche Garantien abgeben: Ausfallbürgschaften, viele andere finanzielle Bürgschaften (wobei die Sicherheitskosten, medizinische Versorgung etc pp in keinem Etat auftauchen, das wird den Steuerzahler noch einige hundert Millionen Euro kosten, so genau nimmt’s man da nicht) und etliches mehr.“
    https://www.jensweinreich.de/2010/10/05/vertraulich-alle-burgschaften-und-garantien-die-deutsche-volksvertreter-dem-ioc-fur-munchen-2018-geben/
    Dass da der Herr Otto (Stuttgart 21 Otto) ein langes Gesicht gemacht hat, ist verständlich.

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