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Nebenbei

  • Nackenschlag zu Neujahr

    Seit Anfang Dezember sind die beiden SPD-Chefs im Amt. Seither suchen sie nach Autorität. Sie wehren sich, Handlanger von Jusos-Chef Kühnert zu sein, und geben viele Erklärungen ab. Esken wirkt noch etwas gehemmt. Walter-Borjans, seit jeher sein eigener Pressesprecher, hantiert routinierter. Kaum ein Thema, zu dem er schweigt. Sein Spektrum reicht vom Kassenbon über die Geschäfte, mit denen sich die WestLB unter seiner Aufsicht in Verruf brachte, bis hin zur neuen Ostseepipeline, die sein Vor-, Vor-, Vor-, Vor-, Vor-, Vor-, Vor-, Vor-, Vor-, Vorgänger Schröder beaufsichtigt. Auch die Rolle der SPD weiß Walter-Borjans zu definieren. „Sozialdemokratie notwendiger denn je“, heißt es bei ihm auf Twitter. Er und Esken kamen an ihre Posten mit der Verheißung, die Großen Koalition zu verlassen. Inzwischen dämmert ihnen wohl, dass die Behauptung, die SPD sei unverzichtbar, und der Koalitionsbruch sich widersprechen. Über ihn reden sie kaum noch. Ihr Generalsekretär Klingbeil dagegen sieht Klärungsbedarf. Er sagt den Koalitionsbruch endgültig ab. Für die SPD-Chefs, die nach Autorität streben, ein herber Nackenschlag. Alle ihre Forderungen verlieren nun ihr Sprengpotenzial. Etliche Wähler dürften die beiden SPD-Chefs nun für Maulhelden, wenn nicht gar für Rosstäuscher halten. Deutlich wird auch: Mit ihrer Autorität ist es nicht weit her. Machtfragen beantworten nicht sie, sondern ihr Generalsekretär. Kaum einen Monat sind sie im Amt, und schon stellt sich die Frage: Wie lange wird es dauern, bis Klingbeil (oder Kühnert) an ihre Stelle rückt? – Ulrich Horn

Der Horst gibt den Gerd

Dienstag, 24. November 2015

Nebenbei

Kaum ein Politiker profitiert so ausgiebig von der Dummheit seiner Gegner wie Angela Merkel. Zu Beginn des Wahlkampfes 2005 steuerte sie auf die absolute Mehrheit zu. An seinem Ende hatte sie fast allen Umfragekredit verspielt. Nur um Haaresbreite lag die Union vor der SPD. Hätte es der geschlagene, frustrierte SPD-Kanzler Schröder am Wahlabend unterlassen, Merkel vor aller Welt herunterzuputzen, wäre sie wohl von ihren Parteifreunden ausgebootet worden, noch ehe sie die Macht hätte ergreifen können. Schröder und der SPD wäre manches erspart geblieben, was sie heute klein macht und alt aussehen lässt. Doch Schröder beherrschte sich damals nicht. Er blähte sich auf und machte Merkel nieder. In der Union schlossen sich die Reihen hinter ihr. Wenig später war sie Kanzlerin und Schröder, geplatzt wie eine Seifenblase, Putins Angestellter. Man sollte meinen, jeder Politiker hätte diese Lektion gelernt. Nicht CSU-Chef Horst Seehofer. Seit Wochen schien Merkel auf dem Weg, sich über ihre Zuwanderungspolitik zu entzaubern – bis zum CSU-Parteitag. Da gab der frustrierte Seehofer den Gerd. Er kanzelte Merkel ab wie ein Schulmädchen, das seine Hausaufgaben nicht gemacht hat. Er warf ihr vor, das nationale Interesse zu missachten, und rief dazu auf, den Widerstand gegen sie in der CDU zu verstärken. Nach dieser Entgleisung wird sich die CDU nun um Merkel scharen müssen, wenn die Partei ihre Kanzlerin nicht kippen will. Seehofer dürfte es dann wie Schröder ergehen. Er wird politisch platzen. Dass ihn Putin auffängt, hat Seehofer nicht nötig. Er hat im Keller daheim eine Modelleisenbahn. – Ulrich Horn

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4 Kommentare zu “Der Horst gibt den Gerd”

  1. Werner Jurga sagt:

    Flotter, pointierter Beitrag. Allein: ich bezweifle, dass Ulrich Horn Recht behalten wird. Wahrscheinlich noch auf dem CDU-Parteitag, mittelfristig sind Merkels Aussichten aber düster.

  2. Roland Appel sagt:

    Es gibt in Berlin einen Dauerwitz, der geht so: Angela Merkel fällt in ein Becken mit etwa 24 weißen Haifischen.
    Frgae: Was passiert?
    Antwort: Eine ganze Weile gar nichts, und dann sind alle Haie tot.

    Was Seehofer getan hat, ist unverzeihlich, das tut man mit einer Kanzlerin nicht – man stelle sich vor, wie diese 11 Minuten öffentlicher Demütigungsversuch auf Orban, Tsipras, Erdogan, Cameron, die Saudis und Ajatollas, auf Putin oder Obama wirken müssen – so gesehen grenzt das Verhalten Seehofers an Hochverrat.

    Er wird sicher sein können, dass Angela Merkel das nicht vergisst – und mit Verlaub – ich und viele Millionen, die sie vielleicht nicht gewählt haben, aber so eine Charakterlosigkeit für unerträglich halten, ebenso.

  3. Hubertus Bruch sagt:

    Guten Morgen Herr Horn,
    da wäre ich mir in der Analyse nicht so sicher wie Sie. Nach der Oberlehrerstunde hat sich meines Wissens nach lediglich die zweite Reihe in der Union laut zu Wort gemeldet. Dabei war interessant zu beobachten, dass zwar der Stil, aber nicht der Inhalt vom Seehofer Horst kritisiert wurde. Wenn Merkel aktuell nur noch vom politischen Gegner gelobt wird, dann kann da in der Union etwas nicht stimmen. Man kann jetzt über den Bayerischen Löwen denken, was man will, aber es wird ihm – im Gegensatz zu Merkel – seit jeher ein gutes Gespür für Stimmungen im Wahlvolk nachgesagt. Dreht sie nicht bei und verlässt langsam ihren grünen Kurs, dürfte am Horizont die Kanzlerinnendämmerung aufziehen.
    Übrigens fällt mir da ein ganz anderer Vergleich ein: Wir hatten da mal vor ein paar Monaten ein Bübelchen, das NRW-MP werden wollte. Der bekam, da er nicht gespurt hatte, ebenfalls öffentlich die Leviten gelesen, und das Ende ist bekannt!

  4. […] Der Horst gibt den Gerd (Post von Horn) – Kaum ein Politiker profitiert so ausgiebig von der Dummheit seiner Gegner wie Angela Merkel. […]

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