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Nebenbei

  • Steinmeier und Yücel

    In der Türkei sitzen viele Dutzend Journalisten im Gefängnis. Unter ihnen befindet sich auch Deniz Yücel, Er ist türkischer und deutscher Staatsbürger. Bundespräsident Steinmeier hat seine erste Rede für einen Appell an den türkischen Präsidenten Erdogan genutzt. „Geben Sie Deniz Yücel frei!“ Eine selbstverständliche und dennoch bemerkenswerte Forderung. Die meisten Bundespräsidenten hielten sich aus der Tagespolitik heraus. Dass Steinmeier anders verfährt, hat ihn viel Lob eingebracht. Es hieß, er sei ein Präsident mit Biss, ein Mann, der klare Kante zeigt. Wem nutzt dieser Auftritt? Zunächst ihm selbst. Die positive Resonanz ermuntert ihn, dem eingeschlagenen Weg zu folgen. Risikolos ist er nicht. Er kann ihn über die Grenze hinausführen, von der an er zum Richter über die Politik der Regierung wird. Genützt hat Steinmeiers Auftritt auch jenen Bürgern, denen er aus dem Herzen sprach. Sie können sich verstanden fühlen. Nützt Steinmeiers Auftritt aber auch Yücel? Erdogan wird wohl den Teufel tun und ihn freilassen. Mit Steinmeiers Appell ist der Fall zur Prestigefrage geworden. Gäbe Erdogan nach, würde er in den Augen seiner Anhänger Schwäche zeigen. Er hätte sich deutschem Druck gebeugt und eingestanden, dass Yücel unrechtmäßig festgehalten wurde. Erdogan verlöre sein Gesicht. Je heftiger er öffentlich bedrängt wird, desto länger wird er Yücel festhalten. Der Journalist wird vermutlich erst freikommen, wenn gewährleistet ist, dass Erdogan sein Gesicht behält. Für Yücel aussichtsreicher wäre es wohl, statt mit öffentlichen Appellen auf diplomatischem Wege Druck auszuüben. Erdogan wird das Gefängnistor erst öffnen, wenn es für ihn teurer wird, Yücel gefangen zu halten als ihn freizulassen. – Ulrich Horn

Der Scherbenhaufen wächst

Dienstag, 13. Oktober 2015

Nebenbei

VW sitzt auf einem Scherbenhaufen. Er wird von Tag zu Tag teurer. Um ihn bezahlen zu können, planen die neuen Führungsspitzen, drastisch zu sparen. Das traut man Vorstandschef Müller und Aufsichtsratschef Pötsch unbesehen zu. Sie werden die Krise nutzen, viel mehr als nur das abzuschmelzen, was vor der Krise gegen die IG Metall, die Betriebsräte und Niedersachsens Landesregierung durchsetzbar war. Müller und Pötsch wollen auch die VW-Kultur ändern, weg von der Kommandostruktur, hin zur Diskussionskultur. Diesen Umbruch traut man ihnen nicht zu. Beide sind VW-Gewächse. Sie wurden in der Kommandokultur groß. In Teilen der Wirtschaft gilt ihre Berufung als Fehler. Sie verstoße gegen die Regeln guter Unternehmensführung und beschädige die Marke VW noch stärker, meint der Deutsche Bank-Manager Henning Gebhardt. Wie sehr VW mit diesen Regeln auf Kriegsfuß steht, zeigt nicht nur der Abgas-Skandal. Ex-Vorstandschef Winterkorn duldete Steuerbetrüger Hoeneß im FC Bayern-Aufsichtsrat. Niemand im Vorstand und Aufsichtsrat rief Winterkorn zur Ordnung. Wie Müller und Pötsch das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen wollen, die der Konzern betrogen hat, haben sie bisher nicht erkennen – auch das ein Zeichen schlechter Unternehmensführung. So gesehen ist VW dabei, den Scherbenhaufen, auf dem es sitzt, noch zu vergrößern. – Ulrich Horn

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Ein Kommentar zu “Der Scherbenhaufen wächst”

  1. Roland Appel sagt:

    Der Zusammenhang zwischen Unternehmenskultur und Sportpolitik des Konzerns ist ein besonders interessanter. Die vielfältigen Verstrickungen und das verflochtene Sponsoring z.T. konkurrierender Vereine ist ja auch sportpolitisch ein Skandal. In der Krise sollte man ja glauben, ein Autobauer konzentriere sich nun aufs Kerngeschäft und die Entwicklung dort, wo die Schwächen liegen, nämlich im Umweltbereich. Davon ist aber am wenigsten die Rede – der Fisch stinkt nach wie vor vom Kopf her. Schließlich war Pötsch Finanzvorstand, während aus Kostengründen statt umweltfreundlicher Motoren Betrügersoftware entwickelt wurde. Statt überteuerte Logenplätze in den Stadien und überflüssige Privatjetflotten abzuschaffen, wollen die Herren wohl lieber Arbeitsplätze vernichten. Sie sollten sich mal am Beispiel Middelhoff ansehen, wohin das führen kann.

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