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Nebenbei

  • Lösung für Berlins Krise

    Berlin, so ist zu lesen, wächst jährlich um 40.000 Menschen. Der Andrang überfordert den Senat der Hauptstadt. Ihre Infrastruktur hält nicht Schritt. Es mangelt an Wohnungen. Sie sind knapp und teuer geworden. Den Plan, hohe Mieten stark zu deckeln, musste die rot-rot-grüne Koalition abschwächen. Er wird Berlins Wohnungsproblem nicht lösen. Die CDU schlägt nun vor, für einige Jahre den Zuzug nach Berlin zu unterbinden. Auch dieser Plan wird wohl nicht umgesetzt. Auch er wird Berlins Problem nicht mildern. Alle Pläne gegen die Berliner Krise kranken daran, dass sie sich nur mit Symptomen befassen. Es wäre längst an der Zeit, Berlins Problem an der Wurzel zu packen. Die Stadt ist offensichtlich ihrer Rolle als Hauptstadt nicht gewachsen. Ihr Problem verschärfte sich, als die Bundesregierung von Bonn nach Berlin zog. Seither wirkt Berlin auf viele Bürger wie ein Magnet. Die Krise der Stadt wäre schlagartig behoben, wenn der Bundestag und die Bundesregierung nach Bonn zurückkehrten. Der Zustrom der Bürger nach Berlin würde verebben, die Mieten würden sinken, der Wohnungsmarkt würde durchlüftet. Sogar der Bau des Berliner Flughafens könnte eingestellt und der Airport zur Gedenkstätte umgewandelt werden. Mit dem Geld, das sich dort einsparen lässt, könnte die Rückkehr des Parlaments- und Regierungsapparates nach Bonn finanziert werden. Damit sich Berlin nicht geplündert vorkäme, sollten der Bundespräsident und die Geheimdienste in Berlin bleiben. Und natürlich sollte das große nationale Feuerwerk in der Silvesternacht dann nicht auf dem Bonner Marktplatz, sondern wie bisher am Brandenburger Tor abgebrannt werden. – Ulrich Horn

     

Statt eines starken Neustarts nur eine Fehlzündung

VW: Der Aufsichtsrat ist das Problem

Montag, 28. September 2015

Politik

VW hat Millionen Kunden betrogen – weltweit. Der Konzern ist diskreditiert. Um den Vertrauensschwund zu stoppen, braucht er einen Neuanfang. Um glaubwürdig zu sein, müsste er signalisieren, dass der Konzern seine Kultur verändern will. Ein solches Signal hätte von der Berufung des neuen Vorstandschefs ausgehen können. Doch das Signal blieb aus. Der Aufsichtsrat ließ die Chance verstreichen. Es zeigt sich, dass er das eigentliche Problem des Konzerns ist.

Kein Vertrauen mehr

Er ersetzt den abgetretenen Vorstandschef Winterkorn durch Porschechef Müller, einen Mann aus dem Konzern. Ein Neuanfang sieht anders aus. So ehrenwert und fähig Müller sein mag: Seine Berufung vermittelt Kontinuität, keinen Neuanfang.

Ein Zeichen für Glaubwürdigkeit hätte der Konzern gesetzt, wenn der Aufsichtsrat einen allseits anerkannten, integren externen Manager präsentiert hätte. Die Mühe, ihn zu suchen, machte sich der Aufsichtsrat nicht. Er begnügte sich, einige VW-Manager auf das Abstellgleis zu schieben und andere auf gewohnten Gleisen hausintern von dem einen auf den anderen Platz zu rangieren.

Der Aufsichtsrat will die Probleme innerhalb der VW-Familie beheben. Wer soll diese Maßnahmen als Erneuerung werten? Statt die Probleme zu verringern, vergrößert sie der Aufsichtsrat. Müller wurde im Konzern groß. Er ist durch dessen Gepflogenheiten geprägt. Von ihm zu erwarten, er werde die VW-Kultur ändern, erfordert Vertrauen, das VW nicht mehr besitzt.

Die kulturstiftenden Kräfte

Die VW-Kultur, die millionenfachen Betrug ermöglichte, ist über den Konzern hinausgewuchert. Das Unternehmen übt schon wegen seiner Größe in Wirtschaft, Politik und Medien gewaltigen Einfluss aus, der die kritische Beschäftigung mit ihm erschwert. Die meisten Medien bewerten Müllers Berufung nicht als das, was sie ist: eine Fehlzündung des Aufsichtsrates.

Der Einfluss wird von der VW-Kommunikationsabteilung noch verstärkt. Etliche Chefredakteure und Kolumnisten sind dabei, die Krise kleinzureden. Zu manchem ihrer Beiträge passt der Hinweis, mit dem ein abwiegelnder Journalist in einer TV-Sendung vorgestellt wurde: Er sei passionierter Porschefahrer. Wie es um die Berichterstattung steht, zeigt auch der Umstand, dass ein Teil der Zeitungen Müller als Vertrauten Winterkorns ausgibt, ein anderer Teil als Piëchs Jünger.

Unter diesen Bedingungen ist kaum zu erwarten, dass der Skandal aufgeklärt wird. Die VW-Kultur wird sich schon deshalb nicht wandeln, weil die Kräfte, die diese Kultur entwickelten und prägten, nach wie vor am Werke sind. Mit Müllers Berufung machten die kulturstiftenden Kräfte im Aufsichtsrat deutlich, dass sie gar nicht daran denken, umzusteuern.

Unternehmensfremde Anforderungen

Der Druck auf Veränderungen ist gering, weil die Kräfte, die ihn erzeugen könnten, die Bedingungen schufen, die den Skandal ermöglichten. Die Betriebsräte, die IG Metall, das Land Niedersachsen in Gestalt seiner CDU- und SPD-Ministerpräsidenten und die Eigentümerfamilie Piëch/Porsche setzten dem Konzern das Ziel, um jeden Preis zu wachsen. VW sollte zum größten Autokonzern auf der Welt werden.

Die Eigentümerfamilien versprachen sich von diesem Plan viel Geld, SPD- und CDU-Ministerpräsidenten, Betriebsräte und IG Metall viele Arbeitsplätze, mehr Mitglieder und größeren politischen Einfluss. In Winterkorn fanden sie den Mitspieler, der ihre unternehmensfremden Anforderungen akzeptierte und sie auch exekutierte.

Ermöglicht wird dieses Verhalten durch das VW-Gesetz, das den politischen Einfluss auf VW festschreibt. Winterkorn zeigte sich den volks- und arbeitsmarktpolitischen Wünschen einiger Aufsichtsratsgruppen dienlich. Betriebswirtschaftliche Erfordernisse blieben zurück. In welchem Ausmaß, wurde deutlich, als sich die VW-Führungsspitze im Frühjahr entzweite.

Zum Gespött gemacht

Winterkorn wollte Aussichtsratschefs Piëch beerben. Er deckte Winterkorns Schwächen auf und wollte ihn stürzen. Der Betriebsrat, die IG Metall, SPD-Ministerpräsident Weil und der von Piëch oft gedemütigte Vetter Ferdinand Porsche legten sich quer. Piëch wurde aus dem Aufsichtsrat gedrängt, seine Kritik an Winterkorn missachtet. In den vergangenen Monaten haben sich alle Einwände Piëchs gegen Winterkorn bestätigt.

VW stürzt inzwischen ab. Der Niedergang hat gerade erst begonnen. Mit Müllers Berufung wird der Aufsichtsrat den Problemen nicht gerecht. Über diese Sachverhalte hat er sich diskreditiert – nicht zum ersten Mal. Er schlug Piëchs Warnungen zu Winterkorn in den Wind und wollte ihn zum Chef des Aufsichtsrates machen. Als der Plan misslang, wollte er dessen Untergebenen und Vertrauten Pötsch zum Oberaufseher ernennen.

Ein Plan, mit dem sich der Aufsichtsrat in der Wirtschaft zum Gespött machte. Dort war klar, dass dem VW-Aufsichtsrat die Aufsicht über Winterkorn entglitten war. Winterkorn sei der erste Vorstandschef gewesen, der sich seinen Aufsichtsratschef selbst habe aussuchen können, wird in der Wirtschaft über den VW-Aufsichtsrat gelästert.

Zum Schnäppchenpreis

Die VW-Kultur kann sich nur ändern, wenn sich die Interessengruppen im Aufsichtsrat ändern. Zu diesem Schritt sind sie nicht bereit. Ihre Weigerung wird sie und das Unternehmen teuer zu stehen kommen. Der Vertrauensverlust wird die finanzielle Substanz des Konzerns stark schmälern.

Die Nachfrage wird sinken. Schadenersatz, schrumpfender Umsatz und Gewinn werden dem Konzern zu schaffen machen. Wolfsburg und Niedersachsen werden weniger Steuern einnehmen. Auch andere Bundesländer und VW-Standorte in anderen Staaten werden bluten, weil sich das Unternehmen und seine Zulieferer kleiner setzen müssen.

Der Kundenbetrug wird auch Arbeitsplätze kosten. Wer das beklagt, sollte sich an den Betriebsrat, die IG Metall und an SPD-Ministerpräsident Weil in Hannover wenden. Sie setzten dem Konzern Ziele, die ohne Kundenbetrug nicht einzuhalten waren. Internetkonzerne wie Google und Apple, die am selbstfahrenden Auto basteln, werden die Abwärtsentwicklung der VW-Aktie aufmerksam verfolgen. Es könnte sein, dass sie mit VW bald einen Autokonzern zum Schnäppchenpreis erwerben können. – Ulrich Horn


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7 Kommentare zu “VW: Der Aufsichtsrat ist das Problem”

  1. Karl-Heinz Müller sagt:

    Naja, was ist eigentlich passiert, VW hat die Abgaswerte geschönt, die Frage ist, ist damit tatsächlich Schaden entstanden. Für die VW-Fahrer z.B. überhaupt nicht, höchtens für die Umwelt allgemein.
    Aber sind solche Tricksereien nicht allgemein anerkannte Praxis, wer regt sich z.B. darüber auf, dass beim Benzin Verbrauchswerte angegeben werden, die im Alltagsgebrauch nie zu erreichen sind. Wo bleibt eigentlich da der Aufschrei, kommt wohl deshalb nicht, weil es nicht nur einen Autobauer betrifft, sondern alle.

  2. Hubertus Bruch sagt:

    Der Artikel trifft den Nagel auf den Kopf! Mal sehen, welche Zeitung den Mut zu einer ähnlich kritischen Berichterstattung in den kommenden Wochen wiederfinden wird. Aktuell hat man eher den Eindruck, es stünden nur Audi und VW auf den Redaktionsparkplätzen. Glaubt man den Stimmen aus der Szene, dürfte da nämlich noch einiges im Dunkeln schlummern.

  3. grafiksammler sagt:

    Derzeit ist es typisch Deutsch, in Selbstvorwürfen zu zergehen. Natürlich bleibt Betrug immer Betrug. Aber was war wohl schlimmer: 124 Tote durch GM-Schludrian oder der VW Skandal. 124 Tote waren eine Strafe von 900 Mio $ „wert“. Der US-Konzern Uber hat seine Strafe (die viel niedriger ausgefallen ist) nicht einmal bisher bezahlt. Na und? Viele US-Konzerne sind nicht einmal mit Strafen belegt worden in der EU. Sieht so eine Gleichbehandlung von Vergehen aus?
    Übergeordnet ist aber festzuhalten: Wer heute noch Fan von TTIP ist, nimmt die wirtschaftliche Zerstörung Europas Ankauf. Insofern ist die Nabelschau von Herrn Horn nur ein Teil des Gesamtproblems.

  4. walter dyroff sagt:

    -Piëch wurde aus dem Aufsichtsrat gedrängt, seine Kritik an Winterkorn missachtet.-
    Sehr geehrter Herr Horn,
    wie wir aus den Systemmmedien erfahren konnten, ist die Trickserei lange bekannt und soll auch in anderen Automobilfabriken Einzug gefunden haben. Warum der Angriff auf VW? Ausgerechnet in den USA, einem Land, welches ganze Landstriche in Europa und Nahost mit abgereichertem Uran überschüttet, stören sich die Behörden an Rußpartikeln aus Dieselmotoren. Es kommt mir vor, als würde wieder einmal ein Skandal hochgekocht und die Masse mobilisiert. Es erinnert fatal an Wulf. Barth-Engelbart schreibt in seinem Blog: “VW hat antirussische Sanktionen unterlaufen, ist das der Grund für die Strafaktion?“
    In einer VW Druckschrift heißt es am 28.08.2012: “Volkswagen Konzern baut eigenes Motorenwerk in Russland“ „Russland ist für den Volkswagen Konzern der strategische Wachstumsmarkt Nummer eins in Europa. Bis 2018 wollen wir hier eine halbe Million Fahrzeuge jährlich verkaufen. … Zugleich erfüllt der Konzern die … mit der russischen Regierung vereinbarten Ziele des Zusatzabkommens zum Dekret 166. Es sieht vor, ab 2016 mindestens 30 Prozent der in Russland produzierten Fahrzeuge mit lokal gefertigten Motoren auszustatten. http://www.volkswagenag.com/content/vwcorp/info_center/de/themes/2012/08/Volkswagen_Group_builds_own_engine_plant_in_Russia.html?ShowPrint=true
    Dirk (Mr. DAX) Müller schreibt: “Bei General Motors und Ford dürften dieser Tage die Champagnerkorken knallen. Die defekten Zündschlösser bei GM führten zu 174 Toten und wurden mit einer Strafe von 900 Millionen US-Dollar geahndet. Bei Volkswagen spricht man nun über 18 Milliarden US-Dollar Strafe wegen geschönter Abgaswerte.“ http://www.n-tv.de/wirtschaft/Mr-Dax-VW-Skandal-ist-ueberzogen-article16002516.html
    -Es könnte sein, dass sie [Google, Apple..] mit VW bald einen Autokonzern zum Schnäppchenpreis erwerben können.-
    Sollte das vielleicht das Ziel gewesen sein?

  5. kuba4711 sagt:

    Na ist es denn die Möglichkeit: Ein Großkonzern ist beim Schummeln im großen Stil erwischt worden. Und dann auch noch der VW-Konzern mit seiner besonderen Mitbestimmungsstruktur und dem in dieser banana republika inzwischen unüblichen, geringeren Einfluss der Finanzwirtschaft und der Rating-Agenturen, die überwiegend aus dem Land unserer transatlantischen Freunde bemüht sind, die Realwirtschaft eben der Finanzwirtschaft dienstbar zu machen. Bei VW gehen da die Uhren noch ein bisschen anders. Man erlaubt sich einen Aufsichtsrat, der durchaus sehr relevanten gesellschaftlichen Kräften eine Einflussmöglichkeit zubilligt.
    Und da harkt Herr Horn erstaunlicherweise ein. Genau dieser Aufsichtsrat soll das Problem sein bei VW. Und da insbesondere gerade die dort stark repräsentierte Politik des Landes Niedersachsen und – natürlich, hätte ich beinahe gesagt – der Betriebsrat und die in diesem Unternehmen noch starke Gewerkschaft IG Metall.
    Und das passt ja mal wieder typisch ins Weltbild des Zeitgenossen, der immer dann, wenn in einem Unternehmen Unregelmäßigkeiten auftauchen, nie die Verantwortlichen bei den Anteilseignern sucht, solange dieses Unternehmen noch in irgendeiner Form einer verstärkten Mitbestimmung unterliegt.
    Denn das passt nun nicht ins Weltbild:
    Hier der von der Mainstream-Presse noch vor Tagen quasi zum deutschen Manager-Gott erhobene Winterkorn, der selbstverständlich jedes Milliönchen seines göttlichen Salärs wert war, und dort die schnöde und doch gar nicht ins Weltbild des neoliberalen Zeitgenossen passende Mitbestimmungsstruktur bei VW. Und dann noch durch Gewerkschafter und Politiker mit SPD-Parteibuch wahrgenommen.
    Da passt es wieder: das Feindbild und die gemütlich-herkömmlichen Feindbilder aus längst vergangenen Tagen eines rheinischen Kapitalismus, der schon lange in dem gegenwärtigen Berliner Staat ausgedient hat. Wenn man als Journalist die quasi Götter gleiche „Verehrungslobhudelei“ in Sachen Winterkorn und Co. in besseren Tagen mitträgt, der darf sich über die Schattenseiten einer solchen Führungskultur-Zelebrierung nicht aufregen. Der Name Piech ist in dem Zusammenhang nur ein anderer Name für die gleiche Höflingshaltung.
    Ansonsten sollte man prinzipiell den Ball flach halten. Selbst in amerikanischen Konzernen, in denen der Aufsichtsrat annähernd zu hundert Prozent von der Kapitalseite bestimmt wird, soll es in der Vergangenheit zu Betrügereien in großem Stil gekommen sein. Anscheinend kann ein Aufsichtsrat, der ausschließlich von der Kapitalseite gestellt wird, in so manchem Weltbild prinzipiell nicht versagen. Spricht das jetzt für das entsprechende Weltbild oder für Aufsichtsräte mit nur Vertretern der Kapitalseite?
    Zuletzt möchte ich auch darauf hinweisen, dass der Zeitpunkt, zu dem die Staatsanwaltschaft unserer amerikanischen Freunde in die Öffentlichkeit gegangen ist, gelinde gesagt, kaum zufällig genannt werden kann. Denn die Manipulationen des VW-Konzerns waren schon lange bekannt. Also warum jetzt? Will man am Potomac von befreundeter staatlichen Seite ein Exempel statuieren?
    So nach dem Motto: Die deutsche Wirtschaft, die sich nicht an bestimmte politische Vorgaben hält, die hat es künftig schwer, ihre Produkte auf dem amerikanischen Markt zu verkaufen?
    Jedenfalls zeigen die aktuellen Vorgänge, dass Deutschland sehr gut überlegen sollte, der amerikanischen Forderung zu entsprechen, die angestrebte TTIP-Vereinbarung zu akzeptieren.

    • Ulrich Horn sagt:

      Nur um die Sachverhalte zurechtzurücken:
      Nicht die US-Regierung, sondern VW hat Kunden in aller Welt betrogen. In den USA funktioniert offenbar das Kontrollsystem, das hier in Deutschland versagte.
      Die Unternehmenskultur von VW ist inzwischen ziemlich berüchtigt. Sie wird maßgeblich auch von der IG Metall und ihren Betriebsräten mitgestaltet. Die Weltöffentlichkeit kann sich davon immer wieder überzeugen, zuletzt, als vor gar nicht so langer Zeit das Wirken des Betriebsrates Volkert beträchtliches Aufsehen erregte. Der derzeitige Betriebsratschef stützte Winterkorn noch öffentlich, als der Massenbetrug längst ruchbar geworden war und im Konzern nach einem Nachfolger gesucht wurde.
      Übrigens: Nicht das Wirken der USA, sondern das Versagen des Aufsichtsrates wird dazu führen, dass VW und seine Zulieferer jede Menge Arbeitsplätze verlieren werden. Es wird für die deutsche Autoindustrie, aber auch für andere deutsche Unternehmen schwerer werden, Kapital aufzunehmen. Schon jetzt wird spekuliert, VW könnte den Skandal nicht überleben. Lustig ist die Sache ganz und gar nicht.

  6. kuba4711 sagt:

    Wenn schon Sachverhalte zurecht gerückt werden, dann kann man ja auch einen unstreitigen Sachverhalt aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchten. Selbstverständlich haben Verantwortliche bei VW betrogen. Vor allem ihre jeweiligen Vorgesetzten, soweit kein Einverständnis vorgelegen hat. Aber vor allem die eigenen Mitarbeiter wurden belogen.
    Dieser Betrug kann bis zu einem Arbeitsplatzverlust vieler Kollegen bei VW und deren Zulieferern gehen. Und dabei mache ich mir als Betriebsrat der IG Metall verständlicherweise keinen Kopf über entsprechende Rücktritte und Verluste auf Managerebene.
    Ich bitte aber zu bedenken, dass Unternehmenskultur auch – und im Sinne einer „cooperate governance“ – vor allem von den verantwortlichen Spitzenmanagern vorgelebt und zumindest mitgestaltet wird. Komisch, dass Journalisten immer in einem mitbestimmten Unternehmen zuerst der Betriebsrat und der auch von Arbeitnehmerseite gestellte Aufsichtsrat als maßgeblicher Kritikpunkt einfällt. Geht es dem Unternehmen gut, wie VW noch vor Wochen durch die Gazetten gehudelt wurde, dann sind auf jeden Fall die angeblichen Spitzenmanager die Helden. Ansonsten ist vor allem die Politik in Berlin diejenige, die auch in Sachen Automobilindustrie maßgeblich von den entsprechenden Fachlobbyisten am Nasenring durch die europäische – und deutsche Gesetzgebungsmanege geführt wird.
    Und jetzt behaupte ich mal, in der Washingtoner Regierungsgegend ist das zumindest tendentiell kaum anders. Nur wenn nationale Interessen im Spiel sind, da operiert und agiert die amerikanische Exekutive immer noch relativ effizient. Natürlich gemessen am aussitzenden Regierungsstil Ihrer Kanzlerin Madame Merkel. Denn die angeblich stärkste Frau Europas setzt schon mal die deutschen Abgaswerte über europäische Vorstellungen, und sogar durch. Zum Wohle der deutschen Autoindustrie, heißt es dann in den Mainstream – Medien und den verschiedenen Blogs.
    Nun ist es aber so, dass nicht nur VW ordentlich mit bestimmten Daten hinsichtlich seiner Produkte herummanipuliert. Nebenbei bemerkt sind die Abgaswerte der Fahrzeuge aus amerikanischer Produktion auch nicht gerade vom Feinsten. Der VW-Betrug wurde von amerikanischer Seite aber gerade jetzt veröffentlicht. Warum? Hatten bestimmte Kreise der deutschen Industrie etwa vor, aus der Blockadehaltung gegenüber Moskau auszubrechen? Zumal amerikanische Konzerne ihre Geschäfte mit Russland eher ausgebaut haben? Spielt Minsk II von Madame Kanzler eine Rolle? Schließlich waren die amerikanischen Freunde, wie man hört, nicht „amused“ über diese erstaunliche Initiative der einmal nicht aussitzenden Kanzlerin. Jedenfalls sollte deutsche Kritik, die durchaus notwendig ist, nicht – wie es beim deutschen Michel oft ausartet – zur Selbstkasteiung und potentiellen Selbstzerstörung zumindest des Landes Niedersachsen beitragen.
    Ich schlage vor: Die amerikanischen Stellen kümmern sich um die Abgaswerte ihrer Autokonzerne, und die deutsche Regierung nimmt endlich ihre Regierungsverantwortung -nicht nur auf diesem Gebiet – selbst in die Hand. Ohne Lobbyisten oder Anwaltskanzleien, die von der Kapitalseite beauftragt sind, Gesetze in ihrem Sinne vorzuformulieren. Wenn Madame Kanzler das nicht kann, dann sollte sie zur Schadensminimierung endlich in den Ruhestand gehen.

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