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Nebenbei

  • Schwindende Scheinblüte

    Was denken sich die Wähler? Vor einem Jahr gaben sie der SPD bei Forsa 14 Prozent. Drei Monate später, bei der Bundestagswahl, machten sie die Partei mit 25,7 Prozent zur stärksten Kraft. Da die Union handlungsunfähig war, konnte SPD-Kandidat Scholz Kanzler werden. Heute, neun Monate nach der Wahl, befindet sich seine Partei auf dem Abstieg. Während Union und Grüne in Umfragen die absolute Mehrheit erreichen, ist die Kanzlerpartei auf dem Rückweg unter die 20-Prozent-Marke. Bei Forsa hat sie es bereits geschafft. Ihr Ergebnis bei der Bundestagswahl hat sich als Scheinblüte erwiesen. Die SPD droht wieder bei 14 Prozent zu landen. Scholz trägt das Seine bei. Er tritt in jüngster Zeit häufig auf. Dennoch rauschen auch seine Werte abwärts. Ob seine Auftritte den Niedergang forcieren oder mildern – wer weiß es? Sicher scheint, dass sich der Abwärtstrend der SPD beschleunigen dürfte, verlöre sie die nächste Landtagswahl am 9. Oktober in Niedersachsen. Sollte sich dort wie jüngst in Schleswig-Holstein und NRW eine schwarz-grüne Koalition bilden, könnte die SPD in Brand geraten. Es wäre an der Zeit, sich nach Hydranten und Wasserschläuchen umzuschauen. Auch in Niedersachsen sinken die Werte der SPD, während die der Union und der Grünen steigen. – Ulrich Horn

Schlepper und Animateure

Samstag, 19. September 2015

Nebenbei

Über die vielen Flüchtlinge haben sich die Deutschen in vier Gruppen geteilt: in Flüchtlingsfeinde, Helfer, Profiteure und Schwadroneure. Zwischen ihnen gibt es regen Austausch: Viele gehören mehreren Gruppen an, andere wechseln die Gruppen. Zu dieser Kategorie gehört Springer-Vorstandschef Döpfner. Während andere Konzernlenker mit ihren Unternehmen rasch Hilfsaktionen starteten, beschränkte er sich zunächst darauf, warme Worte zu spenden. „Den Flüchtlingen zu helfen und sie in Deutschland willkommen zu heißen, ist ein Gebot des Anstandes und der Menschlichkeit“, sagte er dem Handelsblatt. Als auffiel, dass dieser Wortbeitrag ein etwas dürftiger Hilfsbeitrag war, legte er nach. Das Handelsblatt berichtete, er habe private Immobilien für Flüchtlinge geöffnet, und Bild-Herausgeber Diekmann habe es ihm gleich getan. Döpfner trat von der Gruppe der Schwadroneure in die der Helfer über. Diekmann, der Boulevardjournalist, ging noch einen Schritt weiter. Nur einen? Nein, er vollzog, wie es sich für ihn schickt, einen Quantensprung. Er schuf eine fünfte Gruppe: die der Animateure. Er nutzt seine Medienkanäle, um Menschen, Organisationen und Vereine anzufeuern, sich für Flüchtlinge einzusetzen und dabei das Bild-Logo zu verwenden. So wird beiden geholfen: den Flüchtlingen und Bild. Wer sich weigert, neben den Flüchtlingen auch Bild zu dienen, mahnt Diekmann öffentlich ab. Auch das ist werbewirksam. Selbst Verweigerer werden so unwillentlich zu Werbeträgern des Hauses Springer. Von Hilfsaktionen, die das Unternehmen selbst gestartet hat, ist kaum etwas zu hören. – Es sind nicht nur die Schlepper, die von den Flüchtlingen profitieren. – Ulrich Horn

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2 Kommentare zu “Schlepper und Animateure”

  1. Roland Appel sagt:

    Die Bild-Zeitung hatte 1993 einen erheblichen Anteil an der Hetzkampagne gegen das Asylrecht und an der geistigen Brandstiftung angesichts der gewalttätigen Angriffen gegen Flüchtlinge und Schwarze. Immer wieder hetzt das Krawallblatt gegen Arme, Ausländer, Roma, Arbeitslose – die Kampagne „Wir Helfen“ ist der zynische Versuch, vorneherum Gutmenschentum zu heucheln, um hintenrum genau diese Gruppen im Lügenblatt um so mehr zu bashen. Die Bildzeitung ist wirklich die allerletzte Instanz, die sich in der Flüchtlingsfrage als Helfer zu gerieren hat. Ich könnte kotzen, wenn ich einen Typen wie Diekmann den Flüchtlingsfreund geben sehe, der über Armutsflüchtlinge schreiben lässt, als ob er am liebsten bei der schnelleren Abschiebung helfen würde. Und peinlich ist, dass nicht mehr Bundesligavereine das Rückgrat der Zweitligisten gezeigt haben, die sich geweigert haben, für diesen Mist auch noch Reklame zu laufen.

    https://scontent-fra3-1.xx.fbcdn.net/hphotos-xfp1/v/t1.0-9/12006301_401133056750003_1431933881452741400_n.jpg?oh=af42b79f4163ad29031396c6b2de8b8f&oe=56A25412

  2. Beate sagt:

    Merkel hat die Tore für einen kurzen Moment geöffnet, um ,junge Arbeitskräfte‘ ins Land zu lassen. Finden Sie es nicht merkwürdig, dass die Zahl der offenen Stellen nach explodiert ist? Mit Zuwachsraten von manchmal mehr als 20.000 offenen Stellen an einem Tag. Es gehört einfach zum Standortwettbewerb. Merkel hat sich nicht geändert. Kulturrassismus schadet der deutschen Wirtschaft. Das brauchen wir jetzt nicht.
    http://www.zeit.de/2015/36/fluechtlinge-migration-kapitalismus-rassismus

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