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  • Wem die „Straße“ nutzt

    Schauen wir drei, vier Monate zurück. Was stellen wir fest? Damals vollzogen sich Metamorphosen. Rechtzeitig zur Wahl in den Niederlanden Mitte März verwandelten sich Journalisten in Auguren. Voller Inbrunst sagten sie Europas Ende voraus. sahen so abenteuerliche Gestalten wie Wilders, Le Pen, Höcke und Gauland die Macht übernehmen und die EU zerstören. Doch die Niederländer spielten nicht mit. Sie ließen sich nicht verrückt machen. Sie erteilten den Rechtsradikalen eine Abfuhr. Die Auguren in den Medien beruhigten sich nicht. Sie schauten auf die Präsidentschaftswahl in Frankreich und malten erneut den Teufel an die Wand. Wieder vergeblich. Die Franzosen kehrten Le Pen den Rücken, hissten die Europa-Flagge und folgten Macron. Auch dieses Wahlresultat beruhigte die Journalisten nicht. Nun sorgten sie sich, die französischen Wähler könnten bei der Wahl zur Nationalversammlung Europa in den Untergang treiben. Die Wähler taten das Gegenteil. Sie verschafften Macron die absolute Mehrheit, ließen den Front National verkümmern und mit ihm den Rest des vertrockneten politischen Establishments. Und nun? Nun raunen die Auguren, die Wahlbeteiligung sei extrem niedrig gewesen. Macron und seine absolute Parlamentsmehrheit könnten mit ihren Reformen am Widerstand der „Straße“ scheitern. Die „Straße“, wer ist das? Es ist vor allem der Gewerkschaftsbund CGT, der den Kommunisten nahesteht. Er ist für die Probleme mitverantwortlich, die Frankreich paralysieren und die Macron mit den vielen Anhängern seiner Partei La République en Marche! beheben will. Warum so viele Franzosen dennoch nicht wählen gingen? Vielleicht sammeln sie Kraft, um demnächst gegen die CGT und für Macrons Reformen auf die Straße zu gehen. Wen würde das wundern? Mich nicht. – Ulrich Horn

Verliert Tsipras den Überblick?

Griechenlands Fintenkönig hat sich verheddert

Mittwoch, 1. Juli 2015

Politik

Lange traten die aktuellen griechischen Regierungspolitiker wie Firmstars auf. Die Medien behandelten sie auch so. Inzwischen dürfte den Zuschauern schwanen, dass die Regierung Tsipras nicht Teil einer TV-Serie ist, sondern der bitteren Realität. Nur fünf Monate hat sie gebraucht, um das Land in die Grütze zu fahren und Griechenland zum gescheiterten Staat zu machen.

Europafeindliche Parteien

Alle Geldgeber Griechenland haben von Anfang an gewusst, um wen es sich bei Tsipras und seiner Koalition handelt. Sie wussten auch von Anfang an, welche Ziele die griechische Koalition verfolgte. Die beiden Regierungsparteien waren stets offen. Sie hielten mit ihren Absichten nicht hinter dem Berg. Sie bleiben sich treu, bis heute.

Griechenland ist zwar Teil Europas und der Eurozone. Dennoch verhalfen die Wähler am 25. Januar 2015 zwei radikalen europafeindlichen Kleinparteien mit unerfahrenen Politikern zur Regierungsmacht. Nur 2,55 Millionen Wähler reichten aus, um die Einwohner der übrigen Eurostaaten in Atem zu halten und zur Kasse zu bitten. 2,55 Millionen Wähler, das sind ein drittel weniger, als das Ruhrgebiet Wahlberechtigte hat.

Beide Regierungsparteien sind kleine Gruppierungen, die linksradikale Syriza ein Sammelbecken linker Splittergrüppchen, die Anel ist eine rechtsextreme Partei. Die Pläne dieses sonderbaren Bündnisses liegen seit dem Wahlkampf auf dem Tisch. Sie kündigten damals an, die Vereinbarungen mit den Geldgebern zu brechen, die Sparpolitik zu beenden und in Europa eine andere Wirtschaftspolitik durchzusetzen.

Milliarden geschenkt

Dieser Plan ist gescheitert. Das Experiment der vereinigten Links- und Rechtsradikalen kommt Europas Steuerzahler und die Griechen teuer zu stehen. Tsipras führte das Land in den Bankrott. Die Steuerzahler der übrigen Eurostaaten verloren einen dreistelligen Milliardenbetrag.

Tsipras verspielte jede Glaubwürdigkeit. Er ist nicht mehr vertrauenswürdig. Er verhandelte mit den Geldgebern, ohne eine Einigung mit ihnen anzustreben. Er wollte den Griechen Zeit verschaffen, ihr Geld von den Banken zu holen. Sie machten von dieser Chance reichlich Gebrauch. Weit über 100 Milliarden Euro flossen ab.

Dass sie es konnten, verdanken die Griechen den Geldgebern. Weil sie glaubten, Tsipras sei ernsthaft an einem Kompromiss interessiert, hielt die EZB während der Verhandlungen die Zahlungsfähigkeit der Banken mit 90 Milliarden Euro aufrecht, ein Geschenk an die Griechen, für das Europas Steuerzahler einstehen.

Kein Sanierungskonzept

Tsipras beendete die Verhandlungen, als das Geld ausging. Er hat Europa gemolken. Europa war so töricht, sich melken zu lassen. Schon die Aufnahme in die Eurozone erschwindelte das Land mit geschönten Angaben über seinen Zustand. Immerhin gewann Europa diesmal die Erkenntnis: Tsipras und seine Koalition sind überfordert, das problemreiche Land zu steuern.

Wie seine Vorgänger stellt auch Tsipras das Nehmen ins Zentrum seiner Politik. Wie seine Vorgänger schaut er zu, wie sich die Lage des Landes verschlimmert. Er und seine Koalition haben kein Sanierungskonzept. Sie reden ständig über Hilfen der Geldgeber. Über Selbsthilfe verlieren sie kein Wort. Sie pflegen politische Lebenslügen Sie sehen das Land als Opfer seiner Finanziers und deren Hilfe als Ursache aller Probleme.

Über die Frage, was sich in Griechenland ändern muss, diskutieren Tsipras und seine Koalition nicht mit den Bürgern. Wie inhaltsarm und schmalspurig die Politik der beiden radikalen Parteien ist, wurde deutlich, als Tsipras gezwungen war, ein eigenes Finanzierungskonzept zu präsentieren. Außer Steuererhöhungen kam da nicht viel. Von Strukturreformen war kaum etwas zu lesen.

An der kurzen Leine

Tsipras entlarvt sich als Blender. Er inszeniert sich über die Medien in Griechenland und Europa lautstark als politischer Kraftprotz und kann doch nicht verbergen, dass es ihm in den eigenen Reihen an Durchsetzungskraft fehlt. Seine Schwäche wurde bei den Verhandlungen gleich mehrfach deutlich.

Er konnte den Zeitplan nicht einhalten, weil ihn seine Koalition immer wieder ausgebremste. Am 20. Februar ließ er die Vereinbarung querschreiben, die sein Vorgänger ausgehandelt hatte. Auf Druck der Koalitionsparteien musste er das Einverständnis zurückholen. Im April sollte die neue Vereinbarung stehen. Er musste darum bitten, den Abschluss auf Ende Juni zu verschieben.

Als er eigenes Sanierungskonzept vorstellte, wurde deutlich, dass er gar keinen Handlungsspielraum hat. Er läuft an der kurzen Leine von 50 kommunistischen Abgeordneten, die jeden Kompromiss mit den Geldgebern ablehnen. Sie drohten Tsipras sogar offen, ihn zu demontieren und ihm die Regierungsmehrheit zu nehmen.

Sprachrohr der Hardliner

Sein Wohl und Wehe, aber auch Griechenlands Zukunft von diesen 50 Abgeordneten ab. Kaum hatten sie ihm mit der Roten Karte gedroht, stellte er die Verhandlungen ein. Um vom innerparteilichen Konflikt abzulenken, setzte er sich an die Spitze dieser Hardliner und verriss mit ihnen das Konzept der Geldgeber.

Auch der Beschluss, die Volksabstimmung durchzuführen, ist ein Zeichen von Schwäche. Die Mehrheit der Bevölkerung will im Euro bleiben. Syrizas Hardliner sind nicht bereit, für den Euro Reformen zu akzeptieren. Auch in diesem Punkt macht sich Tsipras zum Sprachrohr der Hardliner.

Mit der Volksabstimmung verlagert er die Entscheidung von der Regierung auf das Volk. Was er damit bezweckt, bleibt offen. Glaubt er, die Mehrheit im Volk für weitere Hilfen und für den Euro kippen zu können? Benutzt er die Abstimmung, um die Euro-Gegner bei Syriza auszumanövrieren? Ihnen dürfte die Abstimmung nicht gefallen. Stimmen die Bürger für den Euro, wird es Syriza schwerfallen, Reformen zu blockieren.

Muffensausen bekommen


Ob Tsipras sein Manöver übersteht, ist fraglich. Gewinnt er die Abstimmung, hat er sich eine neue Legitimation verschafft. Was er mit ihr anfangen will, macht er nicht deutlich. Ob er das überhaupt kann?

Kurz bevor das zweite Hilfspaket verfiel, entfaltete er eine wirre Briefdiplomatie. Er fordert ein weiteres Programm, das viel schärfere Bedingungen stellt als jenes, das er gerade ausschloss. Tsipras plagt offenbar Muffensausen. Der Athener Fintenkönig hat sich in seinen Finten verheddert.

Das Chaos, das Tsipras in Europa anrichtet, wächst. Schon heißt es, die Volksabstimmung könnte abgesagt werden. Ganz gleich, ob sie kommt und wie immer sie ausgeht: Er wird es schwer haben, Verhandlungspartner in der Eurozone zu finden. Viele werden davor zurückschrecken, sich erneut mit ihm einzulassen, aus Sorge, er könnte die Gesprächsbereitschaft missbrauchen und die Lösung der Probleme erneut sabotieren. – Ulrich Horn


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18 Kommentare zu “Griechenlands Fintenkönig hat sich verheddert”

  1. Jens sagt:

    sorry, aber das ist dummes Zeug. Nicht Tsirpas hat Griechenland in die Grütze gefahren. Griechenland steckte vorher schon in der Sch….
    Tatsache ist das 5 Jahre Austeritätspolitik nix gebracht haben. Ganz im Gegenteil, die Schuldenlast hat noch zugenommen.
    Kompromisse mit den Geldgebern halte ich für einen Witz. Steuererhöhung, Rentenkürzung etc. das bringt alles nichts und langt vorne und hinten nicht. Der Schuldenschnitt muss und wird kommen.
    Die Banken müßten in die Verantwortung genommen werden. Sie haben doch zugelassen, das Griechenland immer neue Kredite bekam, obwohl alle wussten, dass das Land pleite ist.

    • Ulrich Horn sagt:

      Das mit dem dummen Zeug und der Grütze sehe ich anders. Griechenland ist zwar schon seit vielen Jahren ein Pflegefall. In die Pleite geführt hat das Land jedoch Tsipras. Er hat die Zahlungsunfähigkeit in den vergangenen fünf Monaten herbeigeführt.
      Ein Schuldenschnitt hilft Griechenland, neue Schulden zu machen und Strukturreformen zu vermeiden. Warum sollte das dem Land helfen, wenn es bisher schon ein Fehler der Banken gewesen sein soll, Griechenland Kredite zu geben? Mit dem Schuldenschnitt möchte Tsipras doch erreichen, dass dieser „Fehler“ fortgesetzt wird. Wenn das Land weiter über seine Verhältnisse lebt, würde es nach einem Schuldenschnitt bald wieder vor der gleichen Lage stehen wie heute. Möchte Griechenland auf die Beine kommen und Investoren finden, muss es die Voraussetzungen schaffen. Es bleibt ihm gar nichts anderes übrig, als sich zu reformieren.

      • Holger sagt:

        Man kann sich den Tatsachen verschließen oder die Realität akzeptieren. Wie haben Sie sich entschieden?!
        Meiner Meinung nach fehlen Ihnen wichtige Informationen oder sie blenden die Wahrheit absichtlich aus.
        Der Artikel ist auf jeden Fall weit entfernt von der Realität. Da kann ich Jens nur zustimmen.
        Gruß
        Holger

        • Christian sagt:

          Solch ein Spruch hilft nicht weiter: „Meiner Meinung nach fehlen Ihnen wichtige Informationen oder sie blenden die Wahrheit absichtlich aus.“ Wenn Sie die Wahrheit kennen, dann schreiben Sie diese doch auf!
          Ich sehe auch, dass die Ergebnisse von mehreren Jahren des Gürtel-enger-Schnallens bis zur Wahl der Tsipras-Regierung recht dürftig waren. Seither jedoch hat das Tempo des wirtschaftlichen Rückgangs erschreckend zugenommen. Sehen Sie das anders?

          • Holger sagt:

            Lieber Christian,
            ich könnte hier die Quellen meiner „Weisheit“ preisgeben, nur sehe ich darin wenig Sinn. Wer wirkliches Interesse hat kann sich selbst schlau machen. Möglichkeiten sind Reisen, aber auch Lesen bildet.
            Als Tipp von mir „zum Lesen“…Ich empfehle, nicht nur die eine Seite zu betrachten, sondern auch gegenteiligen Meinungen ein Ohr (bzw.Auge) zu gönnen. Eine entscheidene Wahrheit, einen ganz extrem wichtigen Fakt, möchte ich trotzdem benennen: Das expotentielle Geldwachstum durch Zins und Zinseszins hat unsere Gesellschaft im Schwitzkasten.
            Gruß Holger

          • Christian sagt:

            Lieber Holger,
            auf deinen Kommentar vom 1.7.: Ich kritisiere auch, dass Europa neue Kredite an Griechenland vor allem deshalb vergibt, damit alte Kredite an sich selbst nicht erkennbar in den Wind geschrieben werden müssen. Die Steuerzahler werden so oder so auf Milliardenverlusten sitzen bleiben. Insofern hat das natürlich mit einem elenden Spiel um Zins und Zinseszins zu tun, m.E. ist das der eigentliche Grund für das Drama. So sehe ich jedenfalls die Lage, und wir unterscheiden uns darin vermutlich nicht. Das ändert aber nichts daran, dass die Regierung Tsipras ihr Land ein deutliches Stück näher an den Abgrund gebracht hat. Und in dieser Hinsicht teile ich die Kritik von Uli Horn uneingeschränkt.
            Gruß Christian

      • Rene Gade sagt:

        Pflegefall? die sind Pleite, sowie eigentlich die ganze EU. Die VSA ebenflls schon seit über 40 Jahre. Das, was noch läuft, verdanken wir einer hochkriminellen Finanzmafia, welche mit aus dünner Luft erzeugten Krediten sich Realwerte unter den Nagel reißen will und hat. Das mit den Investoren und dem Verramschen von realen Werten kennen wir doch noch aus der Zeit der „Blühen Landschaften“. Da arbeiten ganze Betriebe nur noch mit Leiharbeitskräften auf Mindestlohnbasis. Den Fehler hat nicht der Tsipras gemacht, den Fehler machen wir, uns einem schuldbasierten Geldsystem unterzuordnen, was alle zwei
        oder drei Generationen implodiert.

  2. tre sagt:

    „Nur fünf Monate hat sie gebraucht, um das Land in die Grütze zu fahren und Griechenland zum gescheiterten Staat zu machen.“

    Demagogie pur – als ob sie in den wenigen Monaten was tun konnten, nachdem die Vorgänger-Regierungen das Land in Grund und Boden gefahren haben.

    Den Rest dieses Artikels konnte ich mir nicht antun, sorry.

    • dr.pingel sagt:

      Das ist auch für mich das erste Mal, dass ich beschließe, einen Artikel von Ulrich Horn nicht zu Ende zu lesen, weil er da in ein Wunderhorn Dieckmannscher Bauart tutet.
      Noch eine Frage, Herr Horn, bezüglich des Schuldenschnitts: Dass einer der größten Verbrecherstaaten der Weltgeschichte einen solchen 1951 oder 1954 bekommen hat (das waren wir), das soll kein Vorbild sein?

      • Ulrich Horn sagt:

        Ein Schuldenschnitt macht nur Sinn, wenn das Land aufhört, über seine Verhältnisse zu leben. Dazu müsste es ein vernünftiges Rentensystem schaffen, sich ein Sozialsystem aufbauen, sein Steuersystem ändern, die Wirtschaft und die Politik aus dem archaischen System des Klientelismus befreien, der das Land korrumpiert, etc, etc… Wenn das nicht passiert, braucht Griechenland alle fünf Jahre einen neuen Schuldenschnitt, weil es von neuen Schulden erdrückt wird. Wie oft werden Geldgeber dieses Spielchen wohl mitmachen? Warum nehmen die Anhänger von Tsipras und der links-rechtsradikalen Koalition diese Probleme nicht zur Kenntnis?

        • dr.pingel sagt:

          Das versucht ja Tsipras gerade, und er hat erst 5 Monate dazu Zeit gehabt. Es bleibt dabei, die neoliberale Austeritätspolitik von Merkel und Co. will Syriza vernichten, weil sonst die anderen Europäer auch auf ähnliche Gedanken kommen könnten oder schon darauf gekomen sind (Podemos in Spanien).

  3. walter dyroff sagt:

    -Tsipras führte das Land in den Bankrott.-
    -Tsipras verspielte jede Glaubwürdigkeit.-
    Sehr geehrter Herr Horn, Griechenland war längst vor der Syriza-Regierung überschuldet. Versuchen Sie doch einmal, die Grafik aus „Querschüsse“, Worum es beim Schuldenstreit mit Griechenland wirklich geht
    http://www.querschuesse.de/eskalation-mit-ansage-worum-es-beim-schuldenstreit-mit-griechenland-wirklich-geht/
    oder “Das katastrophale Ende des griechisch-europäischen Trauerspiels“ von Heiner Flassbeck
    http://www.flassbeck-economics.de/das-katastrophale-ende-des-griechisch-europaeischen-trauerspiels/
    oder “Der „griechische Aufschwung“ in den deutschen Medien“ von Friederike Spiecker
    http://www.flassbeck-economics.de/aufschwung-in-griechenland/
    in ihren Text einzubinden. Dann könnte sich jeder Ihrer Leser davon überzeugen, wie die Vorgängerregierungen den Karren in den Dreck gefahren haben und wie falsch die Prognosen der Troika waren.
    Was für unglaubwürdige Typen die EU beherrschen, lesen wir in der „TAZ“
    Wie Juncker und andere “Rotzfrech gelogen“ haben.
    http://www.taz.de/Faktencheck-Griechenland/!5208233/

  4. Lutz sagt:

    Auch Zustimmung von mir.

  5. Hubertus Bruch sagt:

    Hallo Herr Horn,
    das, was Sie schreiben, ist aktuell die „FAZ-Sichtweise“, andere hier neigen zur anderen Seite. Dazu ist nun in den letzten Wochen alles geschrieben und hinreichend diskutiert worden. Hat das, was hier und in Europa diskutiert wurde, die griechischen Regierung irgendwie interessiert? Scheinbar nicht!

    Deshalb stellt sich doch die Frage, ob hinter dem ganzen geregelten Ablauf, und das war es ja, wenn man die Dinge einmal Revue passieren lässt, nicht etwas ganz anderes steckt. Etwas, was vielen Journalisten überhaupt gar nicht mehr so abwegig vorkommt, wenn man eins und eins zusammenzählt:

    In den vergangen Wochen sind nämlich nicht nur die Geberländer sich treu und verlässlich geblieben, auch Tsipras und vor allem Varoufakis blieben sich und ihrer Ideologie treu bis aufs I-Tüpfelchen. Meiner Ansicht nach braucht man auch gar nicht auf die extremen 50 Abgeordneten zu schauen, da die beiden extremsten Politiker der Ministerpräsident und sein Finanzminister sind.

    Interessanterweise schwant es inzwischen immer mehr Beteiligten – auch in den Foren – dass wir EU-Bürger möglicherweise von den beiden schlichtweg verars… worden sind. Um die tatsächlichen Absichten zu erkennen, reicht es, sich nochmal den Auftritt von Varoufakis in Zagreb anzuschauen. Dort hat er das Drehbuch zum Ablauf der letzten Wochen im Detail vorgestellt. Er ist sich bis jetzt in allen Kommentaren, die er als Minister von sich gegeben hat, treu im Hinblick auf seine früheren Statements geblieben. Warum soll das dann nicht für das Drehbuch des Bankrotts gelten? Als die Textstellen diese Woche bei Hart aber fair gezeigt wurden, konnte man in den Gesichtern der Gäste quasi lesen, welches ungute Gefühl sie beschlich.
    Das alles gar nicht so chaotisch ist, wie von der Presse und Politik immer wieder erhofft (es darf nicht sein, was nicht sein darf), zeigt auch die Taktik von Varoufakis und Tsipras, in Brüssel immer einen Schritt vor und zu Hause zwei zurück zu gehen. Die Reaktionen – die Aktionen kamen immer(!) aus Athen – in Brüssel und Europa waren bei jedem Schritt leicht vorherzusagen. Was dann wirklich filmreif war, war die Absage an Brüssel, noch während die Verhandler dort tagten. Ebenso gestern die Bitte um ein paar Milliarden aus dem ESM. Dabei war es den Griechen natürlich bewusst, dass das niemals klappen würde. Aber das Ziel hat auch diese Finte erreicht: Viele Gutmenschen inklusive dem im Staub liegenden Juncker (Zitat: Ich muss ins Büro, es gibt tolle Informationen aus Athen. Morgen werden Sie sehen …“) reichen sofort die Hand, die Tsipras niemals vorhatte, zu ergreifen.
    Übrigens wird auch die griechische Regierung gute Juristen an ihrer Seite haben, die Ihnen gesagt haben, dass ein Schuldenschnitt für Deutschland rechtlich überhaupt nicht machbar ist. Also ruft man einmal am Tag Schuldenschnitt gen Norden und freut sich über erwartbaren Reaktionen.
    Nun dauert es nur noch bis Sonntag, und die beiden haben ihr Ziel so gut wie erreicht. Bis dahin wird noch fleißig Propaganda gemacht, und wenn ihnen das Glück und die Naivität der Resteuropäer hold bleibt, dann kommt auch noch Martin Schulz in Athen zum Wahlkampf vorbei. Was für ein gefundenes Fressen für das Zentralkomitee und die Genossinnen und Genossen. Ich höre schon die Schreihälse: Ein Bürokrat und dazu noch ein deutscher „Nazi“ mischt sich in die Angelegenheiten unseres stolzen Volkes ein.
    Was mich hier in Deutschland immer wieder wundert, ist, mit welcher Nachsicht mit den beiden Hasardeuren umgegangen wird. Natürlich war das Land pleite, aber genau darum hatte Tsipras überhaupt die Chance, an die Macht zu kommen. Das kennen wir doch von x anderen Ländern in der gleichen Situation. Wenn das Volk verarmt, sucht es einen starken Führer, der einem Würde und Stolz wiedergibt und es von den vermeintlichen Besatzern befreit (hat Tsipras alles so im Parlament auch dargestellt).
    Wenn man jetzt mal die letzten Wochen seit der Machtübernahme ins Auge fasst: Was ist denn außer der Befreiungsrhetorik passiert? Nichts, bis auf die versprochenen Wohltaten. Keine Ideen für das Land, für die Wirtschaft, für die Sozialsysteme. Einfach nichts! Gar nichts! Und auch das läuft immer nach dem gleichen Schema ab, wenn extremistische Parteien an die Macht kommen.
    Zur Erinnerung: Wir hatten vor 80 Jahren auch mal Politiker, die haben, um die eigene Ideologie durchzusetzen, die eigene Bevölkerung gegeißelt und ganz Europa an der Nase herumgeführt. Man erinnere sich an den britischen Ministerpräsidenten, der nach seiner Rückkehr jubelnd aus dem Flieger stieg und keine 24 Stunden später erkennen musste, dass er abgelinkt worden war. Fragt man heute Junker, dann dürfte der ein ähnliches Gefühlsinnenleben haben. Gleichzeitig wurden auch nette Briefe an alle Staaten versendet und die Empfänger glaubten das, was sie lasen, bis sie eines anderen belehrt wurden.
    Wenn nun am Sonntag alles nach Plan läuft, dürften sich die Griechen zu Recht (wer will das denn auch?) gegen Kürzungen entscheiden. Dann ist der Weg frei für ein freies Griechenland. Varoufakis hat ja schon angekündigt, dass er dann alles tun wird, dass Griechenland auf jeden Fall im Euro bleibt. Warum hat er das wohl gesagt, wenn er nicht schon weiß, was kommende Woche passieren wird.

    • walter dyroff sagt:

      @h. bruch
      -Zur Erinnerung: Wir hatten vor 80 Jahren auch mal Politiker, die haben, um die eigene Ideologie durchzusetzen, die eigene Bevölkerung gegeißelt und ganz Europa an der Nase herumgeführt.-
      Wie wahr. Und heute wissen wir dank Stratfor Friedmann, dass:
      „Also, das primäre Interesse der Vereinigten Staaten durch das letzte Jahrhundert hindurch – also im Ersten, Zweiten und im Kalten Krieg – sind die Beziehungen zwischen Deutschland und Rußland gewesen, denn vereinigt wären diese beiden die einzige Macht, die uns bedrohen könnte – und daher sicherzustellen, daß das nicht passiert.“
      Es passierte nicht. Die für den Überfall auf die „Tschechei“ erforderlichen LKWs lieferte die Fa. Ford in Köln.
      Die Ansiedlung dieser Fabrik des Antisemiten Ford wurde vom OB Kölns K. Adenauer gefördert. Sie haben Recht. Politiker machen ihre? Völker zu Geiseln. Aktuell zu Geiseln der Finanzindustrie.
      Und hier noch ein kleiner Nebenaspekt zur aktuellen Lage in Griechenland und US-Implikationen.
      “Ostring gegen Balkan Stream: die Schlacht um Griechenland“
      http://vineyardsaker.de/analyse/ostring-gegen-balkan-stream-die-schlacht-um-griechenland/
      Das steht vermutlich nicht in der FAZ und kann deshalb auch nicht wahr sein.

  6. neuheide sagt:

    „Nur fünf Monate hat sie gebraucht, um das Land in die Grütze zu fahren und Griechenland zum gescheiterten Staat zu machen.“
    So sehen es die EU-„Menschenfreunde“ aus Brüssel, der Wallstreet, Washington=Berlin und deren „freier,investigativer Journalismus“, also ist es Realität. Warum zeigt der gemeine Grieche nicht das Einsehen deutscher Qualitätsjournalie?? Sie haben wirklich alles an Manipulation aufgefahren, um der Bettlerbevölkerung ein gutes Gefühl zu geben. „Primärüberschuss“ – allein für diese Wortkreation gebührt den journalistischen „EU-Verstehern“ ein Preis. Für mich das Wort des Jahres… Sinnbild für den total verwahrlosten Zustand Deutschlands Journalie.
    Herr „Post von Horn“, Sie und Ihresgleichen fahren mit Höchstgeschwindigkeit in den Abgrund. Tsripas ist das genaue Gegenteil von eurer zutiefst verachtenswerten Elitenpropaganda. Die Bevölkerung wacht auf, sie sieht, dass die griechische Regierung nicht zutiefst korrumpiert wie die Vorgängerregimes sind.
    Tsripas sowie sein Finanzminister kämpfen wie Löwen für die Bevölkerung und die lassen sich nicht durch so eckelhafte Artikel wie Ihrer beeinflussen. (…) „Scheitert der Euro, scheitert nicht nur Merkel, sondern zuerst die Bevölkerungsverachtermedien, die die Staatsverbrechen nicht nur gedeckt, sondern erst ermöglicht haben.

  7. Durrikan sagt:

    Ich dachte, die BILD ist das untere Ende der Niveaustange. Aber dieser Artikel übertrifft selbst die Springer Schreiber noch um Längen.
    Pfui Teufel!

  8. kuba4711 sagt:

    Hand aufs Herz, Herr Horn, bei der Abfassung dieses letzten Kommentars aus Ihrer Feder haben Sie die Statements von mindestens der Pressestelle des Bundeskanzleramtes und des Bundesfinanzministeriums als Vorlage verwendet.
    Ich entnehme nämlich aus Ihren sog. Argumenten und klaren Stellungnahme gegen die Regierung in Athen keine eigenständigen Gedanken, sondern ein Sammelsurium von Propaganda-Fetzen übelsten Hellas-Bashings.
    Ich bin von Ihnen höhere Argumentationsreife gewöhnt.
    Oder gibt es eine heimliche Übereinkunft konservativ ausgerichteter Journalisten, in der Manier von Presse-Kampagnen aus George Orwells Buch „1984“, die Realitäten der tatsächlichen Verhandlungsinhalte zwischen Athen und den sog. Institutionen im Interesse Berlins durch primitive Wiederholung von „Enten“ historisch zu zementieren?
    Aus der Sicht eines Arbeitnehmers, der die alte Bonner Republik noch erlebt hat, inklusive eines Journalismus, der nicht penetrant den Vorgaben des Kanzleramtes, der Rating-Agenturen und des -mindestens – europäischen Geldadels gefolgt ist, eine alte hellenische Erkenntnis des Thukydides.(griechischer Flottenadmiral und Historiker im peleponesischen Krieg): „Es bedarf des Regiments der Demokratie, um dem Schwachen eine Zuflucht und dem Starken Zügel zu geben!“
    Und noch einer sinngemäß von Thukydides, auch an Ihre journalistischen Kollegen des Mainstream: Unsere Verfassung (nicht nur die in Hellas, sondern auch an der Spree) ist die Demokratie. Denn unsere Staatsform ist nicht auf das Wohl der wenigen Geldforderungen besitzenden Bürger, sondern auf das Wohl der Mehrheit gerichtet.
    Sind Sie ernsthaft der Meinung, dass die bisherige Politik der europäischen Institutionen und derjenigen von Madame Kanzler Merkel diese klassischen Vorgaben in Sachen demokratisch funktionierende und verfasste Gesellschaft genügt?
    Wohl gemerkt: Ich spreche nicht von System relevanter Demokratur im Interesse der Finanzwirtschaft.

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