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Nebenbei

  • Es geht noch schlechter

    Um die Deutsche Bank und die Commerzbank steht es schlecht. Bundesfinanzminister Scholz (SPD) möchte ihren Verfall stoppen. Sie sollen sich zusammenschließen. Er hofft, vereint könnten sie eine stärkere Rolle spielen. Die Verhandlungen haben gerade begonnen. Sie werden beide Banken zunächst weiter schwächen. Um größeres Gewicht zu gewinnen, müssen sie Kosten senken. Sie gilt, Stellen zu streichen und Zweigstellen zu schließen. Beide Geldhäuser beschäftigen insgesamt gut 130.000 Menschen. Soll der Zusammenschluss den gewünschten Gewinn bringen, könnten 20.000 bis 50.000 Stellen wegfallen. Was werden die Mitarbeiter bei diesen Aussichten tun? Sie werden sich fragen, ob sie es sind, die demnächst auf der Strecke bleiben. Viele werden alles daransetzen, einen anderen Arbeitgeber zu finden. Sie werden sich umhören, Bewerbungen schreiben, sich auf Bewerbungsgespräche vorbereiten. Sie werden ihre finanziellen Verhältnisse straffen, um drohende Durststrecken zu überstehen. Sie werden sich zum Abwehrkampf gegen den Zusammenschluss formieren und an Protestaktionen teilnehmen. Bis die Vereinigung in trockenen Tüchern ist, falls es zu ihr kommt, wird einige Zeit ins Land gehen. Derweil werden sich die Beschäftigten mehr mit sich selbst als mit den Geschäften ihrer Bank befassen. Ist es abwegig abzunehmen, dass sich die schlechte Ertragslage der beiden Banken in nächster Zeit noch verschlechtern wird? – Ulrich Horn

CDU-Landeschef Laschet profitiert von SPD-Fehlern

Kraft: Wie man den Gegner starkmacht

Freitag, 6. Februar 2015

Politik

Von Ex-SPD-Chef Müntefering wissen wir: Politik ist wie Fußball. Die eigene Mannschaft mag den Gegner im Griff haben. Doch schon ein einziger Fehlpass kann den bisher aussichtslosen Kontrahenten starkmachen und das Spiel kippen lassen. Einen solchen Bruch erlebt gerade die NRW-Politik, die Ministerpräsidentin Kraft (SPD) und Oppositionschef Laschet (CDU) maßgeblich gestalten.

Der CDU Auftrieb verschafft

Kraft wirkte bis zur NRW-Wahl 2010, mit der sie an die Macht kam, eher blass und unsicher. Statur gewann sie mit ihrer bewegenden Rede bei der Trauerfeier nach der Loveparade-Katastrophe. Seither nimmt Kraft in Umfragen einen Spitzenplatz ein. Ihre hohen Sympathiewerte kamen auch ihrer Partei zugute. Noch im vergangenen Jahr lag die SPD vor der CDU.

Dann aber wendete sich das Blatt. Nun steht die CDU vorne. Kraft unterliefen Fehler, die der schwächelnden CDU und ihrem erst seit zweieinhalb Jahren amtierenden Vorsitzenden Laschet Auftrieb verschafften.

Krafts Fehler waren nicht zu übersehen. Sie kam aus den Berliner Koalitionsverhandlungen ohne Profit für NRW zurück. Sie isolierte sich in der Bundespartei. Die Beamten empörten sich über Gehaltskürzungen und gingen auf Distanz. Das Verfassungsgericht verurteilte erneut ihren Finanzminister und dessen Haushaltspolitik.

Probleme schön reden

Über Wochen verstrickte sich Kraft in Widersprüche über ihren Sommerurlaub in Brandenburg. Beim Versuch, Sparsamkeit zu demonstrieren, stellte sie das Land nach vier Regierungsjahren zum Entsetzen ihrer Parteifreunde als heruntergekommen dar: Ihren Gästen wollte sie nur noch Leitungswasser servieren. Entgegen früheren Zusagen erhöhte sie die Grunderwerbssteuer.

Lange hatte sie ihr Ansehen befestigt, indem sie nicht ihre Politik, sondern sich selbst zum Thema machte. Sie ließ sich auf PR-Aktionen ein, die oft dem Niveau von Klatschmagazinen entsprachen. Mit derartigen Inszenierungen ließen sich Kaffeekränzchen begeistern, politische Probleme aber schlecht richten.

Auf Kritik reagiert Kraft seit jeher empfindlich. Kritikern wirft sie schnell vor, das Land schlecht zu reden, während Kritiker meinen, sie rede die Probleme des Landes schön, statt sie zu lösen. Nun wurde Kritik aus den eigenen Reihen laut. SPD-Kommunalpolitiker forderten Kraft auf, sich in Berlin stärker für NRW-Interessen einzusetzen. Aus Protest gegen ihre Absicht, die Grunderwerbssteuer anzuheben, trat der Finanz-Sprecher der SPD-Landtagsfraktion zurück.

Initiativen verpuffen

In den ersten Regierungsjahren genoss sie in den Medien viel Verständnis. Die hohen Sympathiewerte immunisierten sie. Erste Fehler wurden registriert, ihr aber nicht ernsthaft angekreidet. Sie hinderten die Medien nicht, Kraft als Kandidatin für das Kanzler- und das Präsidentenamt zu handeln. Sie nährte diese Spekulationen, indem sie ihnen lange nicht widersprach.

Im Pannenjahr 2014 änderte sich ihr Bild in den Medien. Sie sahen sich von Krafts Fehlern und der Kritik aus der SPD stimuliert, die Lage des Landes schärfer in den Blick zu nehmen. Es fiel ihnen auf, dass es in vielen Bereichen bergab gegangen war und Kraft dieser Entwicklung inhaltlich und finanziell kaum etwas entgegenzusetzen hat.

Nun erlebt sie, dass ihre Initiativen auch medial verpuffen. Ihr Versuch, die vorbeugende Seite der Sozialpolitik zu thematisieren, erwies sich als Rohrkrepierer. Ihr Anliegen, in NRW kein Kind zurückzulassen, kann sie nicht flächendeckend umsetzen, weil ihr Geld und Personal fehlen. Über einige Modellversuche kam die Aktion bisher nicht hinaus.

Politisch an Gewicht gewonnen

Anfang dieses Jahres versuchte sie einen Neustart. Sie erklärte die Digitalisierung zur zentralen Aufgabe. Auch dieser Aufschlag missriet. Sie handelte sich spöttische Kommentare ein. Ihr Auftritt wurde als überdreht belächelt und das zweistellige Millionen-Programm als unzureichend kritisiert.

Seit ihre Pannen Thema wurden, erfreut sich CDU-Chef Laschet zunehmender Aufmerksamkeit. Die NRW-CDU ist keineswegs in glänzendem Zustand. Laschet hat Probleme, die unterschiedlichen Interessen in seinem Verband zusammenzubinden. Die Verwirbelungen schaden ihm und der CDU bisher kaum. Kraft lenkt mit ihren Problemen von Laschets Schwierigkeiten ab.

Er kann sich darauf konzentrieren, Statur zu gewinnen, und sich als Krafts Herausforderer für die NRW-Wahl 2017 in Position bringen. Emsig nutzt er die Bundes-, Landes- und Kommunalebene, um sich Gehör zu verschaffen. Schon kann Kraft in der Presse lesen, er habe sein Profil geschärft und politisch an Gewicht gewonnen.

Respekt verschafft

In den Umfragen liegt Kraft noch immer weit vor ihm. Doch ihre Sympathiewerte schaffen es derzeit nicht, ihre Partei an der CDU vorbei hochzuziehen. In Köln bewog Laschet die örtliche CDU, zur OB-Wahl keinen Kandidaten aufzustellen und die Favoritin der Grünen zu unterstützen. Dieser Schritt könnte sich bei der NRW-Wahl 2017 für die Union auszahlen.

Die SPD wertet den Verzicht der Kölner CDU auf einen eigenen Kandidaten als Zeichen der Schwäche. Für Laschet zahlt sich dieser Schachzug schon heute aus. Mit ihm verschaffte er sich in der CDU einigen Respekt. Er hat es geschafft, die Kölner CDU auf seine Linie einzuschwören. An dieser Aufgabe ist mancher seiner Vorgänger kläglich gescheitert. – Ulrich Horn


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2 Kommentare zu “Kraft: Wie man den Gegner starkmacht”

  1. […] Hannelore Kraft: Wie man den Gegner starkmacht (Post von Horn) – […]

  2. Hubertus Bruch sagt:

    Hallo Herr Horn,
    dazu passt die News aus dem Kölner Express von dieser Woche wie die Faust aufs Auge: AUTO-PAPST KRITISIERT NRW-REGIERUNG / Hat Hannelore Kraft keinen Bock auf den Ford-Boss?
    Selbst wenn man den Dudenhöfer in seiner Selbstherrlichkeit nicht mag, ist man PR-technisch doch mehr als schlecht beraten, wenn man sich solche Highlights entgehen lässt, bzw noch schlimmer: öffentlichkeitswirksam ausgeladen wird und somit der Konkurrenz in der Person von Herrn Laschet als quasi Stellvertreter NRWs den Auftritt überlässt.
    Da scheint man in der 11. Etage des Stadttors irgendwie den Überblick verloren zu haben.

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