Schrift verkleinern Schrift vergrößern
RSS RSS-Feed

Nebenbei

  • Es geht noch schlechter

    Um die Deutsche Bank und die Commerzbank steht es schlecht. Bundesfinanzminister Scholz (SPD) möchte ihren Verfall stoppen. Sie sollen sich zusammenschließen. Er hofft, vereint könnten sie eine stärkere Rolle spielen. Die Verhandlungen haben gerade begonnen. Sie werden beide Banken zunächst weiter schwächen. Um größeres Gewicht zu gewinnen, müssen sie Kosten senken. Sie gilt, Stellen zu streichen und Zweigstellen zu schließen. Beide Geldhäuser beschäftigen insgesamt gut 130.000 Menschen. Soll der Zusammenschluss den gewünschten Gewinn bringen, könnten 20.000 bis 50.000 Stellen wegfallen. Was werden die Mitarbeiter bei diesen Aussichten tun? Sie werden sich fragen, ob sie es sind, die demnächst auf der Strecke bleiben. Viele werden alles daransetzen, einen anderen Arbeitgeber zu finden. Sie werden sich umhören, Bewerbungen schreiben, sich auf Bewerbungsgespräche vorbereiten. Sie werden ihre finanziellen Verhältnisse straffen, um drohende Durststrecken zu überstehen. Sie werden sich zum Abwehrkampf gegen den Zusammenschluss formieren und an Protestaktionen teilnehmen. Bis die Vereinigung in trockenen Tüchern ist, falls es zu ihr kommt, wird einige Zeit ins Land gehen. Derweil werden sich die Beschäftigten mehr mit sich selbst als mit den Geschäften ihrer Bank befassen. Ist es abwegig abzunehmen, dass sich die schlechte Ertragslage der beiden Banken in nächster Zeit noch verschlechtern wird? – Ulrich Horn

Perspektiven für die Bundestagswahl 2017

Grüne: Das Zünglein an der Waage

Dienstag, 21. Oktober 2014

Politik

Wer geht aus der Großen Koalition in Berlin als Gewinner hervor – die Union oder die SPD? Beide Seiten versuchen, sich Optionen für die Bundestagswahl 2017 zu schaffen. Beide nutzen dazu die Bundesländer.

Vielversprechende Aussicht

In Hessen koaliert die CDU mit den Grünen. In Thüringen kann die SPD ein Bündnis mit der Linken und den Grünen zustande bringen. Aus heutiger Sicht würde dann wohl eine der beiden Konstellationen nach der Bundestagswahl zum Tragen kommen.

Viele Beobachter gingen bisher davon aus, dass 2017 gewiss Schwarz-Grün die Regierung stellen werde. Das ist nun ganz und gar nicht mehr sicher, sollte es in Thüringen zu Rot-Rot-Grün kommen.

Gelingt es der SPD, den Wählern in den alten Ländern die Kooperation mit der Linken schmackhaft zu machen, kann Rot-Rot-Grün bei der Bundestagswahl die Mehrheit gewinnen. Die Aussichten sind auch deshalb recht vielversprechend, weil sich abzeichnet, dass die Union eine größere Zahl von Wählern an die AfD verlieren kann.

Riskante Kooperation

Wenn sich dieser Trend verstärkt, hat SPD-Chef Gabriel durchaus Chancen, Bundeskanzlerin Merkel abzulösen und die Union in die Opposition zu schicken. Sicher ist das allerdings nicht. Die Kooperation mit der Linken in Thüringen ist für die Bundes-SPD durchaus riskant.

Ob die Wähler im Westen die Zusammenarbeit mit der Linken akzeptieren, ist längst nicht ausgemacht. Sie könnten die SPD abstrafen. Die rot-rot-grüne Mehrheit ist in Thüringen mit einer Stimme extrem knapp. Ob die Koalition überhaupt zustande kommt und dann auch noch bis 2017 hält, ist ebenfalls ungewiss.

Die Grünen werden in der einen oder der anderen Konstellation gebraucht. Sie können die Dinge also entspannt auf sich zukommen lassen. Sie werden 2017 wohl das Zünglein an der Waage spielen. Doch gerade dieser Umstand wird sie bis zur Bundestagswahl noch heftig bewegen. – Ulrich Horn


Letzter Hinweis: Wollen Sie keinen Beitrag verpassen, können Sie rechts oben oder hier Post-von-Horn abonnieren. Empfehlen Sie Post-von-Horn auch Ihren Freunden bei Facebook und Google+.

Schlagwörter: , , , , ,

5 Kommentare zu “Grüne: Das Zünglein an der Waage”

  1. Martin Böttger sagt:

    Ob Rot-rot-grün bei einer Bundestagswahl mehrheitsfähig wäre, muss beim heutigen Stand der Dinge angezweifelt werden. Eine Wahlmehrheit ergibt sich nicht aus Demoskopie und Mathematik, sondern daraus, dass man eine überzeugende Politikalternative glaubwürdig präsentiert. SPD, Linke und Grüne müssten in die Lage kommen, die erfolgreiche Strategie der Bundeskanzlerin – die „asymmetrische Demobilisierung“ – zu kontern und Menschen an die Wahlurne zu bewegen (und nicht nur dorthin).
    Davon ist i n h a l t l i c h und personell derzeit leider wenig zu erkennen – und Thüringen, mit Verlaub, ist dafür ein bisschen klein.

  2. Johannes Fischer sagt:

    Weil der Thüringer Landtag weder über den Konflikt in der Ukraine noch über ein militärisches Engagement im Nahen Osten diskutieren wird, ist ein rot-rot-grünes Bündnis in diesem Bundesland durchaus möglich. Auf Bundesebene dürfte ein solches Bündnis allerdings aufgrund des fehlenden gemeinsamen Nenners in der Außen- und Sicherheitspolitik von vorneherein zum Scheitern verurteilt sein.

    Das Zünglein an der Thüringer Waage sind meiner Meinung nach weniger die Grünen, sondern eher die Sozialdemokraten, die einem potenziellen Ministerpräsidenten Ramelow von den Linken ungleich mehr Zugeständnisse werden abringen können, als der amtierenden Ministerpräsidentin Lieberknecht von der CDU.

  3. christoph sagt:

    @Johannes Fischer, man sollte in Thüringen auch die AFD mit in die Überlegungen einbeziehen. Die AFD hat dort ca. 10 % der Wählerstimmen bekommen und immerhin 11 von 91 Mandaten. Gestern hat der oberste AFD-Mann von Thüringen der CDU die Tolerierung einer Minderheitsregierung vorgeschlagen, allerdings nicht mit Frau Lieberknecht als MP. Man wolle so helfen, Rot/Rot/Grün (das ist die Farbenlehre der Zeitung „Die Welt“) unter Herrn Ramelow zu verhindern, und sprach der CDU gönnerhaft Mut dafür zu.
    Wenn die CDU diesen vergifteten Apfel schluckt, gerät sie sehr schnell auf eine abschüssige Bahn als nicht mehr einzige konservative Kraft im Erfurter Parlament. – Oh, diese Sache kann noch richtig spannend werden, wenn die Machtbasis der CDU im Landtag bröckelt, schaun wir mal.

  4. Roland Appel sagt:

    In Thüringen ist die SPD so schwach, weil sie seit Jahren den Wählerwillen missachtet, der eine Mehrheit ohne die CDU wollte. Das Offenhalten der Koalitionsfrage war der Sargnagel für das Wahlergebnis der SPD. Eiern die Grünen bei der nächsten Bundestagswahl ebenso herum, könnte ihnen das gleiche passieren, denn schon die letzten beiden Male sind sie enttäuscht auf dem letzten Platz der kleinsten Fraktion gelandet, und das mit einer Koalitionsaussage. Ohne eine klare Position könnte sich die 5% Marke bedrohlich nähern. Denn wofür stehen Grüne heute, wofür steht die SPD? Eine Entspannungspolitik, die die Ukraine-Krise überwindet und sich vom Putin-Bashing absetzt, ist weder in der SPD und schon gar nicht bei den Grünen erkennbar. Eine Bürgerrechtspolitik, die die Menschen in Europa vor NSA, Google, Facebook und co. ebenso schützt, wie die Wirtschaft vor Industriespionage, ist nicht erkennbar. Eine humane Flüchtlings- und Migrationspolitik scheuen auch Grüne, wie Kretschmann gezeigt hat. Das Ausufern von Arbeitnehmerüberlassung und Scheinselbständigkeiten traut sich niemand zu thematisieren. Bankenaufsicht, die Rücknahme der Steuerfreiheit von Unternehmensveräußerungen und eine gerechtere Steuerpolitik werden nicht einmal mehr erwähnt. Die Energiewende stockt und die gesellschaftlichen Ursachen von Salafismus und Gewaltbereitschaft Jugendlicher werden verdrängt und mit dem Strafrecht beantwortet. Warum? Es fehlt ein soziales und liberales, freiheitliches und zugleich solidarisches, ökologisches Gesellschaftsmodell. Eine Vorstellung von Zukunft ohne immer mehr Entfremdung, Entäußerung der privaten Lebenswelten, Werbeterror, staatlicher und privater Ausspähung, Kommerzialisierung der Kultur und des Sports und Ruhigstellung der bildungsfernen Schichten und guter Belehrungen durch die Grünen. Eine Utopie, die aufzeigt, dass Leben in Deutschland und Europa mehr ist, als der Schwarz-Rot-Gold-Aufkleber der 80er Jahre „Fressen – Ficken – Fernsehen.“

    • Johannes Fischer sagt:

      @Roland Appel

      Sollte es in Deutschland irgendwann einmal eine Partei mit einem sozialen, liberalen, freiheitlichen und zugleich solidarischen und ökologischen Gesellschaftsmodell geben, dann lassen Sie mich das bitte wissen. Ich hätte endlich ein politisches Zuhause gefunden, bräuchte mich bei Wahlen nicht mehr völlig politikverdrossen und übermüdet an die Urne schleppen und wäre sogar bereit, mich in einer solchen Partei entsprechend zu engagieren.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ja, ich möchte über neue Blog-Beiträge per E-Mail informiert werden.