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Nebenbei

  • Etwas wie ein Vogelschiss

    Die neue Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer (CDU) wurde am Mittwoch in einer Sondersitzung des Bundestages vereidigt. Zu diesem Zweck wurden die Abgeordneten aus dem Urlaub gerufen. Etliche, darunter die Fraktionschefs Lindner (FDP) und Weidel (AfD), beanstanden die Kosten der Aktion. Es soll sich um 100.000 Euro handeln. Keine Peanuts, aber doch so etwas wie ein Vogelschiss, diesmal ein echter. Wie teuer war eigentlich die Sondersitzung des Verkehrsausschusses, die ebenfalls am Mittwoch stattfand? Und wie teuer waren die Sitzungen der Ausschüsse für Auswärtiges und für Bildung, die am Dienstag tagten, auch er ein Ferientag? Wurde der Aufwand der Ausschüsse gegen den der Bundestagssondersitzung gegengerechnet? – Im Ernst: Wollen Lindner und Weidel sparen, sollten sie den Bundestag verkleinern. 709 Abgeordnete sind zu viele. Die Hinterbank des Parlaments wird von Wahl zu Wahl länger. Die Qualität im Parlament wächst nicht mit, siehe die Kritik an der Sondersitzung. Würde das Plenum nur um zehn Prozent schrumpfen, könnten nicht 100.000 Euro, sondern mehrere Millionen gespart werden, und das Jahr für Jahr. Lindner und Weidel sollten sich auch daranmachen, die Geldverbrennungsanlage Berliner Flughafen zu stoppen. Dort geht seit Langem Tag für Tag eine Million durch den Kamin. Ein Ende ist nicht in Sicht. Dort wird unter den Augen von Lindner, Weidel und 707 weiteren Bundestagsabgeordneten allein an einem Tag Geld im Wert von zehn Sondersitzungen verschwendet. Es sieht nicht so aus, als seien die Abgeordneten dabei, diesen Missstand zu beheben. – Ulrich Horn

Der Welten Lohn

Donnerstag, 28. August 2014

Nebenbei

Es gab einmal einen Politiker, der erzielte einen großen Erfolg. Er kam zustande, weil ihm ein anderer Politiker geholfen hatte. Kurz nach dem Erfolg telefonierte ich mit dem Helfer. Sein erfolgreicher Parteifreund werde ihn nun doch sicher belohnen, sagte ich. Der Helfer antwortete skeptisch: „In der Politik ist Dankbarkeit flüchtig.“ Daran musste ich denken, als ich jüngst auf zwei Artikel stieß. Der eine stammt von 2011, NRW-Ministerpräsidentin Kraft war gerade ein Jahr im Amt. Damals kam Kritik auf, ihre Kontakte zur Wirtschaft seien unterentwickelt. Der Spiegel berichtete, der damalige WAZ-Geschäftsführer und frühere Berater von Ex-Kanzler Schröder, Bodo Hombach, habe seine Kontakte zur Großindustrie spielen lassen, um Kraft die Wirtschaft näher zu bringen. Über sein Verhältnis zu Kraft sagte Hombach damals dem Spiegel: „Ich glaube, das ist der Beginn einer schönen Freundschaft.“ Der zweite Artikel stammt vom 23. August 2014. Die Rheinische Post berichtete, SPD-Chef Gabriel habe Hombach für das Kuratorium der RAG-Stiftung vorgeschlagen – wohl vergeblich. Kraft solle sich gegen Hombach quergelegt haben. Da fiel mir wieder das Zitat jenes Politikers ein, der seinem Parteifreund zum Erfolg verholfen hatte: „In der Politik ist Dankbarkeit flüchtig.“ Der Volksmund formuliert schroffer: Undank ist der Welten Lohn. – Ulrich Horn

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6 Kommentare zu “Der Welten Lohn”

  1. […] Online NRW: Städte in NRW stöhnen über Flüchtlinge…RP Online NRW: Der Welten Lohn…Post von Horn Ruhrgebiet: Bochumer Betriebsräte warnen vor einem Arbeitsmarkt-Kollaps…Der Westen […]

  2. Herrmann Hirsch sagt:

    Nicht alles, was der Spiegel berichtet, muss auch richtig sein. Wie man weiß, setzt sich Hombach immer gerne in ein positives Licht. Auch bei Schröder drängte er sich schon in den Vordergrund. Aber der hatte ihn immerhin angeheuert. Kraft nicht. Die Frage ist: Wie schütze ich mich vor Freunden?

  3. Kritikus sagt:

    „In der Politik ist Dank flüchtig“. Eine Binse! Ich bin froh darüber, dass das so ist, denn: Was würde der Autor wohl dazu sagen, wenn ausgerechnet ein Motiv wie Dankbarkeit Grundlage von politischen Entscheidungen würde?

  4. Markus sagt:

    Na ja, der „gute Bodo“ hat auch schon so manchen „Parteifreund“ über die Klinge springen lassen …

    „WIR IN NRW“ ist aber trotzdem ein gutes Motto 😉

  5. Martin Böttger sagt:

    Hombachs Karriereweg ist gepflastert von Intrigen. Das wird Frau Kraft nicht verborgen geblieben sein. Die Stadt, aus der beide stammen, ist ja nicht allzu groß. Er selbst ist schon mehrmals über seine Eitelkeit gestolpert. Seine Ausflüge in verschiedene Bereiche der „Großindustrie“ haben überwiegend kein gutes Ende genommen. Das Durchstechen von Gerüchten, wie die von Ihnen verlinkte RP-Meldung, eignet sich kaum für seriöse Bewerbungen.
    An der RP-Meldung fällt außerdem die Rivalität zwischen Gabriels Niedersachsen-Seilschaft und NRW/Kraft auf. Dass man gegen Niedersachsen-Seilschaften eine Allergie hat, kann ich nach der Wulff- und der Edathy-Affäre nachvollziehen. Mir geht es so, das mein Vertrauen in Frau Kraft angesichts solcher Meldungen eher wächst.

  6. kuba4711 sagt:

    Wenn Du solche Freunde hast, dann fühlst Du dich bei deinen ausgewiesenen Gegnern wohler…. Und auf kaum eine politische Person des Zeitgeschehens trifft dies wohl passender zu als bei Herrn Hombach.
    Es gehört ja hoffentlich inzwischen zum Allgemein-Wissen, welche Rolle dieser Mann beim Durchstechen des Neoliberalismus im Auftrag des Brioni-Kanzlers in der sogenannten rosa-grünen Koalition gespielt hat. Eine weitere Wegstrecke auf diesem politisch-ökonomischen Holzweg mit dem Politfreund Hombach als Pfadfinder, und die SPD – nicht nur in NRW – bewirbt sich demnächst um das Erbe der FDP. Ansonsten ist es ja so, dass gute Kontakte zur Wirtschaft immer positiv zu bewerten sind. Allerdings sollten sich diese Kontakte auf Adressen konzentrieren, die geschnallt haben, dass Ökonomie ein Kreislauf ist. Will sagen: Nicht nur der unternehmerischen Angebotsseite muss es gut gehen, sondern den Kunden bzw. den Verbrauchern dieser Wirtschaft und Dienstleistern ebenfalls.
    Sprich: Eine Sozialdemokratie mit politischer Zukunft, die sollte sich wieder mehr auf diese Nachfrage-Seite konzentrieren. Und auch den Staat in aktivem Eingreifen halten, sowohl als Investor wie auch als Verbraucher.
    Damit könnte man ,endlich und überfällig , klare politische Kante gegen die ideologische Ausrichtung des Herrn Hombach und seinen Freunden setzen. Liebe Hanni: Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt!

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