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Nebenbei

  • Armes NRW

    Mehr als eine Woche lang stand in den Kreisen Gütersloh und Warendorf der Lockdown in Rede. Auch wenn er nicht gleich angeordnet wurde, als bei Tönnies das Virus zuschlug: Umsichtige Politik hätte einen Lockdown zumindest in Betracht ziehen müssen. NRW-Ministerpräsident Laschet wehrte ihn zunächst ab. Der Regierungschef tat sich schwer, die Freiheitsrechte erneut einzuschränken. – Doch NRW ist nicht allein auf dieser Welt. Ganz gleich, ob es den Lockdown ausruft oder nicht: Andere Bundesländer gehen so oder so in Deckung. Ihnen reicht die hohe Zahl der Infizierten, um für Besucher aus den Kreisen Gütersloh und Warendorf hohe Hürden aufzurichten. Österreich warnt sogar vor Reisen nach NRW. – Inzwischen hat Laschet doch noch den Lockdown angeordnet und die Bürger in und um Gütersloh und Warendorf aufgerufen, sich testen zu lassen. Die Bürger folgten brav. Das Ergebnis: Bis zu vier Stunden mussten sie am Mittwoch vor einem Testzentrum warten. Die Tester fühlten sich überfordert. Sie schickten die Bürger nach Hause und vertrösteten sie auf Donnerstag. Armes NRW. Zuerst ärgerten sich die Bürger über den erneuten Lockdown. Nun ärgern sie sich darüber, dass die Politiker und die Verwaltungen es nicht fertig brachten, zügiges Testen zu ermöglichen. Genügend Zeit, um entsprechende Vorkehrungen zu treffen, war durchaus vorhanden. – Was lehrt uns das? Erstens: Der Amtsschimmel kann, wenn er nicht gerade eben steht und grast, sich wohl nur im Schritttempo bewegen. Und zweitens: Viele Politiker sind für ihren Job offenbar fehlqualifiziert. Sie ließen sich wählen, obwohl sie gar nicht reiten können – schon gar nicht den Amtsschimmel. – Ulrich Horn

WM: Spielkultur (2)

Samstag, 5. Juli 2014

Nebenbei

Wer schlimme Verhältnisse beklagt, ist meist im Irrtum. Sie sind oft schlimmer, wie die Fußball-WM zeigt. Das Spiel Brasilien gegen Kolumbien wies in die Zukunft. Sie hat mit dem Spiel früherer Zeiten nichts mehr zu tun. Schon heute geht es kaum noch darum, mit dem Ball besser als der Gegner zu spielen, sondern ihn außer Gefecht zu setzen. Der Einsatz der Hände und Ellenbogen führt kaum noch zum Feldverweis. Stoßen, schieben, werfen oder schlagen sie den Gegner nieder, gibt es allenfalls einen Strafstoß. Den Gegner mit gestreckten Beinen anzuspringen, ihm mit den Stollen der Fußballschuhe voran in die Beine zu grätschen und dabei zu riskieren, ihm die Knochen zu brechen, gilt als gutes Zweikampfverhalten. Das Fußballspiel ist dabei, seine Attraktivität über Brutalität zu steigern. Fan-Gruppen drängen seit langem in diese Richtung. Das Potenzial ist längst noch nicht ausgereizt. Es lässt sich gewaltig steigern. Bald werden die Spieler wie Kickboxer trainieren. Um den zunehmenden Verschleiß auszugleichen, wird man die Zahl der Auswechselspieler erhöhen. Spieler werden nicht mehr verletzt, sondern verwundet. Um sie und die Opfer unter den Zuschauern angemessen zu versorgen, wird man in den Stadien zur Erstversorgung Lazarette einrichten müssen. Und die FIFA, die im Verdacht steht, mafiös zu sein? Noch lässt sie die Entwicklung nur verantwortungslos treiben. Sie wird wohl den Trend fördern, wenn er genügend Gewinn verspricht. – Ulrich Horn

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5 Kommentare zu “WM: Spielkultur (2)”

  1. Roland Appel sagt:

    Warum soll es auf dem Fußballplatz anders zugehen, als in der Politik?
    Die USA spionieren ihre „Freunde“ aus und und zeigen damit, was sie von Parlamentariern und Verfassungsrechten halten. Deutschland ist für US-Regierung und US-Konzerne inzwischen eine Art Datenschutz-Guantanamo – Wirtschaftsspionage ersetzt Unternehmerideen.
    Facebook und Google versuchen, die Daten über das Verhalten jedes Einzelnen Menschen zu Geld zu machen, brechen gerne mal Gesetze, was soll’s…niemand – außer einem kleinen schleswig-holsteinischen Datenschützer legt sich ja mit ihnen an.
    Die EU verhandelt TTIP und Dienstleistungsabkommen, die niemand will und keiner braucht, außer geldgierigen Finanzhaien, die sonst nicht mehr genug zum Zocken haben. Sie würden gern in Hinterzimmer-Schiedsgerichten geldgieriger Anwaltskanzleien Sozialstandards, Verbraucherschutz und Umweltstandards deregulieren, um wie schon einmal versucht, Trinkwasserversorgung und anderes gesellschaftliches Vermögen privatisieren zu können – diesmal endgültig. Verfassungen, Grundgesetz, Parlamente, Rechtstaatlichkeit, Öffentlichkeit der Gerichte, Transparenz des Staatshandelns stören da nur.
    Frau Merkel macht ganz vorn mit und wirbt für diesen Mist. Wer so schön für den Fußball schreit, meint wohl, wir merken es nicht. Schlichteren Gemütern macht sie vor, es ginge um Chlorhühnchen. Liegt die Demokratie so auf dem Rasen wie Neymar?

  2. erich richter sagt:

    Es liegt auch an den Schiedsrichtern, denen man noch bei der letzten WM kleinliches Pfeifen vorwarf. Ermahnungen, erste gelbe Karte, um dann ggf. gelb-rot zu ziehen, reichen nicht aus – von direkten Rot mal ganz zu schweigen.
    Ich war selbst aktiver Schiedsrichter in den unteren Klassen. Damals in den 70ern hat man bei den Amateuren die 10 Minuten Zeitstrafe „erfolgreich“ getestet, die dann aber – für mich aus unverständlichen Gründen – nicht eingeführt wurde. Somit haben die Schiedsrichter kaum noch Spielraum und geraten bei einem Platzverweis direkt unter Generalverdacht, das Spiel einseitig zu beeinflussen.
    Die Gangart ist in der Tat härter bzw. brutaler geworden, weil es auch um immer mehr Geld geht!
    Erich Richter

  3. dr.pingel sagt:

    Der Fußball folgt nur der unseligen Entwicklung in anderen Sportarten. Der erste Schritt ist immer die Überforderung der Schiedsrichter, die der Schnelligkeit und der Brutalität des Spiels nicht folgen können. Abhilfe könnte durch technische Hilfsmittel erfolgen; z.B., dass brutale Fouls auch nachträglich durch den Fernsehbeweis durch lange Spielsperren bestraft werden könnten. Die Alternative ist die, dass die Regelverletzung zur Norm wird, wie das jetzt bei der WM zu beobachten ist. Z.B. wird es ja auch geduldet, dass der Spieler, der einen Elfmeter ausführt, abstoppt, womit er sich ja einen ungeahnten Vorteil verschafft. Die Torhüter wieder laufen dabei sofort nach vorn, was auch nicht regelkonform ist.
    Bestes Beispiel für diese Entwicklung ist hier der Hallenhandball. Ich selbst habe noch Feldhandball gespielt, was einfach nur darin bestand, dass man hin- und herrannte. Der Hallenhandball schien zunächst Abhilfe zu schaffen. Aber die Schiedsrichter konnten all die vielen Fouls nicht mehr sehen, und auch die vielen Tore, die dadurch erzielt wurden, dass der Spieler schon im Kreis stand, waren nicht zu regulieren.
    Hallenhandball ist heute Kickboxen mit Ball und für mich nicht mehr ansehenswert.
    Basketball und Hockey haben die selbe Entwicklung durchlaufen; beide Sportarten bestehen fast nur noch aus Fouls, die aber harmloser sind als beim Fußball.
    Die WM jetzt ist eine entscheidende Weiche, wie es Ulrich Horn gut aufgezeigt hat. Ich selber sehe schwarz und werde mich mehr auf lokalen und Jugendfußball konzentrieren.

  4. Man könnte den Verdacht bekommen, dass die FIFA und deren Regelfunktionäre, um das Spektakel noch zu steigern, die Schiedsrichter angewiesen haben, in den Stadien ein bisschen Gladiatorenatmosphäre zuzulassen. Die Folgen sind bei den WM-Pfeifenmännern zu beobachten. Dass der spanische Schiedsrichter im Spiel Kolumbien – Brasilien das überharte Einsteigen der Brasilianer nicht unterband und selbst Fouls, die Verletzungen des Gegners billigend in Kauf nahmen, noch nicht einmal mit Gelb bestrafte, war höchstwahrscheinlich der Auslöser des brutalen Fouls des Kolumbianers Zúñiga an Neymar. Er hat spekuliert, dass auch ein Revanchefoul an Neymar ohne Folgen für ihn bleiben würde – und er hatte Recht. Zumindest im Spiel. Ob von Seiten der FIFA im Nachhinein noch eine Bestrafung erfolgen wird und wie hoch sie ausfällt, ist abzuwarten.

  5. Katharina sagt:

    Heute habe ich zufällig die Anzeige von Hugo Boss mit unserer Nationalmannschaft in Stern oder Spiegel gesehen. Hugo Boss, der Name, der jahrzehntelang für überteure Hemden für kleines Geld in Asien hergestellt, stand. 1 DM in der Herstellung, 100 DM im Verkauf.
    Wie teuer sind die Hemden heute, und wo werden sie hergestellt? Welche Löhne werden gezahlt? Ich bin nicht auf dem Laufenden! Wenn Hugo Boss in Billigländern zu Billiglöhnen herstellen läßt? ………..dann ist es eine verdammte Sauerei, als NATIONALMANNSCHAFT von Deutschland dafür zu werben.
    Wie hoch sind die Gagen auf Kosten der Arbeiter und Arbeiterinnen?
    Sollte meine Vermutung stimmen? Wer weiß Näheres?
    Katharina

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