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Nebenbei

  • Schwindende Scheinblüte

    Was denken sich die Wähler? Vor einem Jahr gaben sie der SPD bei Forsa 14 Prozent. Drei Monate später, bei der Bundestagswahl, machten sie die Partei mit 25,7 Prozent zur stärksten Kraft. Da die Union handlungsunfähig war, konnte SPD-Kandidat Scholz Kanzler werden. Heute, neun Monate nach der Wahl, befindet sich seine Partei auf dem Abstieg. Während Union und Grüne in Umfragen die absolute Mehrheit erreichen, ist die Kanzlerpartei auf dem Rückweg unter die 20-Prozent-Marke. Bei Forsa hat sie es bereits geschafft. Ihr Ergebnis bei der Bundestagswahl hat sich als Scheinblüte erwiesen. Die SPD droht wieder bei 14 Prozent zu landen. Scholz trägt das Seine bei. Er tritt in jüngster Zeit häufig auf. Dennoch rauschen auch seine Werte abwärts. Ob seine Auftritte den Niedergang forcieren oder mildern – wer weiß es? Sicher scheint, dass sich der Abwärtstrend der SPD beschleunigen dürfte, verlöre sie die nächste Landtagswahl am 9. Oktober in Niedersachsen. Sollte sich dort wie jüngst in Schleswig-Holstein und NRW eine schwarz-grüne Koalition bilden, könnte die SPD in Brand geraten. Es wäre an der Zeit, sich nach Hydranten und Wasserschläuchen umzuschauen. Auch in Niedersachsen sinken die Werte der SPD, während die der Union und der Grünen steigen. – Ulrich Horn

Auf Luthers Spuren

Dienstag, 1. Juli 2014

Nebenbei

Der Sprachenstreit schlägt Wogen. Es geht um Kiezdeutsch, das nicht nur viele Migrantenkinder sprechen. Die Germanistin Prof. Heike Wiese meint, es handle sich um einen neuen Dialekt, der Standardsprache gleichrangig. Wer ihn für fehlerhaftes Deutsch halte, sei Rassist. Welt-Redakteur Heine wirft Prof. Wiese vor, sie begreife offenbar nicht, „dass der wahre Rassismus darin bestehen könnte, Jugendlichen mit türkischem oder arabischem Migrationshintergrund die Fähigkeit abzusprechen, korrektes Standarddeutsch zu lernen“. Das Thema ist nicht neu. Es tauchte schon 2008 auf. Dass er heute wieder aufflammt, scheint ein Zeichen des Himmels. Kiezdeutsch reden eben nicht nur, wie Heine meint, Migrantenkinder, deutsche Kinder aus bildungsfernen Schichten und erwachsene Deutsche, die sich über Migranten lustig machen. Das Kiezdeutsch hat es längst weiter gebracht. Heine müsste nur mal den Fernseher einschalten und die Übertragung eines WM-Spiels anschauen – und vor allem anhören. Was er da zu hören bekommt – er würde staunen. Die Sportreporter treiben die Entwicklung der Sprache dynamisch voran, als wandelten sie Luthers Spuren. Sie verwenden einen Jargon, der dem Kiezdeutsch ziemlich nahe kommt. Sätze wie „Den muss er machen“ sind an der Tagesordnung. Mit dem Präsens ersetzen sie alle anderen Zeiten, besonders die des Konjunktivs. Ihn haben sie nahezu ausgerottet. Man könnte meinen, die Sender hätten ihre Reporter angewiesen, Kiezdeutsch zu reden, um ihre Kompetenz zu demonstrieren. Es wird wohl nicht mehr lange dauern, bis der erste Reporter jubelt: „Ballistor“ (Der Ball ist im Tor). – Ulrich Horn

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2 Kommentare zu “Auf Luthers Spuren”

  1. Düsselbarsch sagt:

    Lieber Herr Horn,

    LOL – ähem, ‚tschuldigung, ein falscher Zungenschlag. Ehrlich, vielen Dank, ich habe herzlich gelacht.

    Nicht gerade Kiezsprache, aber schlechte Umgangssprache hört man sogar in Nachrichtensendungen der von mir geschätzten Sender WDR 5 und Deutschlandradio.

    Da gingen jüngst z.B. zwei Bomben hoch (die Treppe?) statt zu explodieren. Ein Wort, das adäquat und auch schöner gewesen wäre.

    Natürlich wäre eine Geschmacks- oder Stilpolizei abzulehnen.Aber diese würde vielleicht einen Namensvetter des großen düsseldorfer Spötters im Springer-Blättchen DIE WELT verhindern. (LOL! Autsch!)

    p.s.:
    An den Gedanken, ich sei spießig und/oder alt, weil mir o.g. auffällt, habe ich mich inzwischen gewöhnt. Aber ‚rassistisch‘ ginge mir doch etwas zu weit.

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