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Nebenbei

  • Schröder: Vom Kanzler zum Würstchen

    Wie viele Menschen haben wohl bedauert, dass sie der SPD 1998 ihre Stimme gaben und mit ihr deren Spitzenkandidaten Schröder zum Kanzler machten? Beschweren können sie sich nicht. Er lebte seine Schwächen schon vor seiner Kanzlerschaft hemmungslos öffentlich aus. Bereits damals war das Bild, das er von sich prägte, weniger von seiner Politik als von seinem Verhalten im Umgang mit Parteifreunden und seiner Partei bestimmt. Es stieß ab. Man musste nur hinschauen. Heute kann man sagen: Er hat einen wesentlichen Beitrag zum Verfall der Sitten in der SPD und zum Niedergang der Partei geleistet. Bezeichnend auch, dass er als Kanzler jenen Job kreierte, der ihm nach dem Abschied aus dem Amt den lang ersehnten Wohlstand brachte. Um in dessen Genuss zu kommen, schreckt der Ex-Kanzler nicht davor zurück, dem russischen Diktator Putin zu dienen. Dass ihn die Bild-Zeitung, deren Gunst er als Kanzler suchte, heute als Putins Pudel abbürstet, kommt wohl der Ansicht nahe, die viele Bürger von Schröder haben. Zu den Missständen in Russland, Weißrussland und der Türkei, die in die EU ausstrahlen, hört man von ihm kein Wort. Wohl aber kämpft er darum, dass VW in seinen Betriebskantinen die Currywurst nicht abschafft. Schröder war ein Profiteur sozialdemokratischer Bildungspolitik: Er brachte es vom Kind armer Leute zum Kanzler. Dann machte sich der Kanzler zu Putins Rudel, und nun macht sich Putins Pudel zum Würstchen. Welch eine Laufbahn! – Ulrich Horn

WM: Spielkultur

Samstag, 28. Juni 2014

Nebenbei

Die Fußball-Weltmeisterschaft ist für manche Zuschauer kein reines Vergnügen. Viele Schiedsrichter halten mit dem Tempo nicht Schritt, in dem sich das Foulspiel entwickelt. Es ist Bestandteil der Spielkultur geworden. Die Fouls fragmentieren das Spiel immer stärker. Sie werden brutaler. Fouls ähneln zunehmend Wrestling-Aktionen. Abhilfe könnten harte Sanktionen schaffen, die – wie im Fall Suárez – Foul-Spieler und ihre Vereine hart treffen. Doch auf dem Platz werden Verstöße gegen die Spielregeln nur halbherzig geahndet. Der Schiedsrichter nahm Suárez’ Beißattacke gar nicht zur Kenntnis. So, wie Schiedsrichter mit unsportlichem Verhalten umgehen, gelingt es nicht, Fairness zu erzwingen. Die Spieler nutzen den Spielraum. Rund um das Foul haben sie eine Choreographie entwickelt, die darauf abzielt, die Intervention des Schiedsrichtergespanns als Fehlentscheidung zu diskreditieren. Der Foulspieler und sein Opfer – beide untergraben die Autorität des Schiedsrichters. Die Täter bestreiten die Tat, während die Opfer den Schaden übertreiben, um eine härtere Bestrafung der Täter zu erreichen. Beide wollen den Schiedsrichter zu ihrem Komplizen machen. Beide spielen ein falsches Spiel. Dabei wissen sie, dass die TV-Kameras dieses Treiben entlarven. Die Spieler pfeifen darauf, ob Zuschauer ihre Unsportlichkeit abstoßend finden. Vielen Zuschauern gelingt das schon nicht mehr. Mit den Spielern verrohen auch die Fans. – Ulrich Horn

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6 Kommentare zu “WM: Spielkultur”

  1. Franz Weiler sagt:

    Ich kann nur sagen „weiter so“, dann tragen wir zukünftig Kriege auf dem Fußballplatz aus. Ich finde sowieso, dass es mit egal welcher Kultur so langsam zu Ende geht. Ich habe nichts gegen ein Tattoo, wenn ich mir aber manche Spieler ansehe, wird mein Sinn für Kunst nicht besonders tangiert, eher schon Mitleid und Abneigung. Die Sitten verrohen, und das zunehmend auf dem Fußballplatz.
    Dass Schiedsrichter entweder überfordert sind oder vielleicht auch bestochen, zeigt, mit welchen Kriterien die Auswahl der Personen stattfindet.

    • Duderich sagt:

      „Ich habe nichts gegen ein Tattoo, wenn ich mir aber manche Spieler ansehe, wird mein Sinn für Kunst nicht besonders tangiert, eher schon Mitleid und Abneigung.“
      Mitleid und Abneigung, weil Dir die Tattoos nicht gefallen?
      Was ‚tangiert‘ denn Deinen ‚Sinn für Kunst‘? Die, die gefällig ist?
      Ganz merkwürdige Assoziationen ruft Dein Kunstverständnis in mir vor…

  2. dr.pingel sagt:

    Der Fußball ist so schnell geworden, dass man in Zukunft ohne technische Hilfsmittel wie im Eishockey und Hockey nicht mehr auskommt. Ulrich Horn hat Recht. In jeder Zeitlupe zeigt sich, dass fast jeder Zweikampf ein Foul ist. Der Grund ist der, dass alle Spieler so athletisch sind und sich damit wieder neutralisieren. Ich glaube übrigens nicht, dass diese Athletik ohne Doping möglich ist.

  3. dr.pingel sagt:

    Nachtrag: Die Kultur des Foulspiels war es auch, die Spanien aus dem Turnier geworfen hat, und nicht nur ihr eigenes Unvermögen. Die Holländer hatten in der ersten Halbzeit nur die Devise, alles umzunieten, was ihnen im Wege stand. Auch wegen der vier taktischen Fouls, die der Schiedsrichter mit Gelb hätte ahnden müssen, gerieten die Spanier ins Hintertreffen. Seltsam ist es zu beobachten, wie die Meister des Foulspiels, die Italiener, daran scheitern, dass sie offensichtlich die moderne Variante des integrierten Fouls nicht verstanden haben.
    Im laufenden Spiel (Brasilien-Chile) kann man beobachten, wie selbst Howard Webb der Sache nicht recht gewachsen ist. Ein technisch guter Spieler wie Neymar muss vom Schiedsrichter geschützt werden, was bisher noch nicht der Fall ist.

  4. Beim Fußball setzt sich im Spiel fort, was im realen Leben schon fast normal ist: Brutalität und Rücksichtslosigkeit gegenüber Mitspielern und Mitmenschen. Genau wie im realen Leben, läuft auch beim Fußball einiges aus dem Ruder. Die sittenwidrig hohen Gehälter der Spieler, die Kriminalität durch Wettbetrügereien und Spielabsprachen, die laschen Bestrafungen auf dem Spielfeld durch Schiedsrichter, die von den Spielern kaum noch ernst genommen werden, sind Ausdruck der zunehmenden Verrohung eines Spiels, das im Profilager schon längst kein Spiel mehr ist.
    Dass die FIFA einen großen Teil der Mitschuld trifft, wird man kaum widersprechen können. Wenn an der Spitze dieses Weltverbandes Funktionäre und Vorstände selbst der Kriminalität verdächtigt werden und nicht nur ihre eigenen Regeln, sondern auch ihre eigene Gerichtsbarkeit, entgegen aller demokratischen Grundsätze, selbstherrlich bestimmen und ausüben, darf man sich über nichts mehr wundern.

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