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Nebenbei

  • Auf Merz ist Verlass

    Eines muss man Friedrich Merz lassen: Auf ihn ist Verlass. Sobald es darauf ankommt, übermannen ihn Aussetzer. 2002 verlor er den Fraktionsvorsitz. Er kam nicht auf die Idee, sich die Hilfe von CSU-Chef Stoiber zu sichern. Wohl aber Merkel. Sie gab Stoiber für den Fraktionsvorsitz die Kanzlerkandidatur. Merz schaute in die Röhre. Als er 2018 gegen Kramp-Karrenbauer um den CDU-Vorsitz kandidierte, vergaß er, Teile der Jungen Union an sich binden. Seine Kandidatenrede fanden selbst seine Fans miserabel. Die Konkurrentin gewann. Wieder schaute er in die Röhre. Derzeit kämpft er erneut um den CDU-Vorsitz, diesmal gegen Laschet und Röttgen. Was passiert? Er patzt. Er rückt Schwule in die Nähe von Pädophilen. Prompt steht er mitten im Shitstorm und als Mann von vorgestern da. Er hat gute Aussichten, bei der Wahl wieder in die Röhre zu schauen. Selbst seine Fans sollten inzwischen wissen: Merz tut nichts, wenn er handeln müsste. Er versagt, wenn er die richtigen Worte sprechen müsste. Er plappert drauf los, wenn er den Mund halten sollte. Man fragt sich: Wie kommen Leute in der CDU nur auf die Idee, ein Mann wie er, der noch nie ein Regierungsamt innehatte und im entscheidenden Moment zu versagen pflegt, könnte die Union hinter sich vereinen, Deutschland führen, Europa zusammenhalten, beide durch Krisen führen und sie zwischen China, Russland und den USA über Wasser halten? – Ulrich Horn

Laschet: Wahl gewonnen, Sieg verspielt

Samstag, 21. Juni 2014

Politik

Die CDU löst immer wieder Erstaunen aus. Sie gewann die Kommunalwahl in NRW und bleibt mit deutlichem Vorsprung stärkste Kraft. Die SPD schaffte gerade mal ihr zweitschlechtestes Resultat seit dem Krieg. Doch drei Wochen nach der Wahl ließ CDU-Landeschef Laschet zu, dass sich die Deutung vom Wahlergebnis löste und um die Defizite der Partei in den Großstädten drehte. Plötzlich steht die gesamte CDU als Verliererin da. Wie konnte das nur passieren?

Den falschen Anschein begünstigt

Den Perspektivwechsel stieß die Stichwahl in Düsseldorf an. Dort unterlag der CDU-Oberbürgermeister Elbers. Seither wird die CDU von der Diskussion über ihre Probleme in den Großstädten überrollt. Die Debatte erweckt den irrigen Eindruck, die CDU habe die Wahlen verloren und sei auch bundesweit auf dem absteigenden Ast.

Die Partei begünstigt den falschen Anschein, allen voran Laschet, der auch Vize-Chef der Bundespartei ist. Er gestattete, dass die Großstadt-Debatte von den chronischen SPD-Defiziten auf dem Lande ablenkte. Statt die Probleme der Konkurrenz zu thematisieren, machte Laschet die SPD stark. Er startete nach der verlorenen Stichwahl in Düsseldorf in der eigenen Partei das Schwarze Peter-Spiel. Er attackierte den abgewählten CDU-Oberbürgermeister, wies ihm die Schuld an der Niederlage zu und stellte sich von der Mitverantwortung frei.

Der SPD das Feld überlassen

So wurde die lokale Schlappe zum landesweiten Fanal. Dabei geriet Laschet die Kritik an Elbers unfreiwillig zum Bekenntnis des eigenen Unvermögens. Es sei nicht möglich gewesen, mit Elbers zu kommunizieren und zu kooperieren, gestand er – eine Sünde, die in Großstädten bestraft wird. Obendrein stellt sich heraus, dass Düsseldorfs CDU auf den Stichwahlkampf nicht vorbereitet war. Kann man dieses Versäumnis der Lokal- und der Landespartei noch dilettantisch nennen? Beide stehen jedenfalls ziemlich belämmert da.

Wirkte die Führung der NRW-CDU und ihr Düsseldorfer Ableger schon im Wahlkampf überfordert, traten sie zum Kampf um die Deutung des Wahlresultats gar nicht erst an. Sie verloren sich in interne Querelen und überließen es der SPD, den Ausgang der Düsseldorfer Stichwahl medial zu nutzen. Die Sozialdemokraten rieben sich die Hände und nutzten die Vorlage der CDU souverän. Das Stichwahl-Ergebnis wird für die CDU zum Symptom der Schwäche, die SPD machte es zum Signal ihres Aufbruchs und ihres Erfolgs.

Den Kredit verspielt

Die CDU-Mitglieder sollten sich nicht wundern: Die NRW-CDU leidet seit jeher unter der Führungsschwäche ihre Parteispitze. Deren Defizite sind für die SPD eine verlässliche Hilfe beim Bemühen, ihre Position in NRW auszubauen und zu festigen. Schon Rau profitierte, damals vor allem von den Kämpfen zwischen der rheinischen und der westfälischen Union.

Seit die NRW-CDU 2005 die Macht in NRW errang, erodieren die Fähig- und Fertigkeiten ihrer Führung. 2010 scheiterte Parteichef und Ministerpräsident Rüttgers an Skandalen, am Streit unter seinen Mitarbeitern und an Heckenschützen in den eigenen Reihen.

Einmal dabei, Kredit zu verspielen, ließ die NRW-CDU nicht nach. Sie wählte den Berliner Minister Röttgen zum Parteichef und Spitzenkandidaten für die NRW-Wahl 2012, obwohl er unverhohlen als Karrierist auftrat und den Landesverband für seine persönlichen Ambitionen in der Bundespolitik instrumentalisierte.

Nichts Rechtes angefangen

Zur NRW-Wahl 2012 hatten die Wähler die Faxen der NRW-CDU satt. Sie verschärften die Strafe von 2010: Damals nahmen sie der Partei die Mehrheit. Zwei Jahre später dampften sie die NRW-Union zur 20 Prozent-Partei ein und nagelten sie auf den Oppositionsbänken fest.

Auch diese Warnung drang nicht zu deren Führungsschicht durch. Sie teilte die Macht zwischen Laumann und Laschet und sah viele Monate zu, wie die Rivalen sich und der Partei das Leben schwer machten und die Wähler irritierten.

Die Selbstentmündigung ist weit vorangeschritten. Das Spitzenpersonal der NRW-CDU hatte nicht den Mumm, an der Spitze des Landesverbandes für klare Verhältnisse zu sorgen. CDU-Chefin Merkel musste Laumann nach Berlin transferieren, um in der NRW-CDU Ordnung zu schaffen.

Seit einem halben Jahr hat Laschet dort nun allein das Sagen. An der Wahl in Düsseldorf zeigt sich, dass er damit wohl nichts Rechtes anzufangen weiß. Schon deutet Laumann an, er könnte aus Berlin zurückkehren. Regierungsfähigkeit sieht anders aus. – Ulrich Horn


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2 Kommentare zu “Laschet: Wahl gewonnen, Sieg verspielt”

  1. […] NRW: Laschet – Wahl gewonnen, Sieg verspielt…Post von Horn […]

  2. Roland Mitschke sagt:

    Was ist eigentlich ehrlicher und nachhaltiger? Eine Niederlage schön zu reden – wie durch Frau Kraft und SPD geschehen – oder trotz eines Wahlsieges Defizite zu analysieren und sich dort besser aufzustellen? Düsseldorf ist zwar Landeshauptstadt, aber nicht der Nabel der Welt.
    Kein Zweifel – in den Großstädten hat die CDU Probleme. Die Landtagsfraktion ist vornehmlich wahrnehmbar als effizienter Vertreter des ländlichen Raumes. Vom Arbeitskreis Großstadtpolitik der Landtagsfraktion ist bislang nichts zu hören gewesen. Auch in Berlin könnten die Unionsabgeordneten NRW-Interessen deutlicher ansprechen. Übrigens ist hier Oliver Wittke erfreulich aktiv geworden.

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