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Nebenbei

  • Armes NRW

    Mehr als eine Woche lang stand in den Kreisen Gütersloh und Warendorf der Lockdown in Rede. Auch wenn er nicht gleich angeordnet wurde, als bei Tönnies das Virus zuschlug: Umsichtige Politik hätte einen Lockdown zumindest in Betracht ziehen müssen. NRW-Ministerpräsident Laschet wehrte ihn zunächst ab. Der Regierungschef tat sich schwer, die Freiheitsrechte erneut einzuschränken. – Doch NRW ist nicht allein auf dieser Welt. Ganz gleich, ob es den Lockdown ausruft oder nicht: Andere Bundesländer gehen so oder so in Deckung. Ihnen reicht die hohe Zahl der Infizierten, um für Besucher aus den Kreisen Gütersloh und Warendorf hohe Hürden aufzurichten. Österreich warnt sogar vor Reisen nach NRW. – Inzwischen hat Laschet doch noch den Lockdown angeordnet und die Bürger in und um Gütersloh und Warendorf aufgerufen, sich testen zu lassen. Die Bürger folgten brav. Das Ergebnis: Bis zu vier Stunden mussten sie am Mittwoch vor einem Testzentrum warten. Die Tester fühlten sich überfordert. Sie schickten die Bürger nach Hause und vertrösteten sie auf Donnerstag. Armes NRW. Zuerst ärgerten sich die Bürger über den erneuten Lockdown. Nun ärgern sie sich darüber, dass die Politiker und die Verwaltungen es nicht fertig brachten, zügiges Testen zu ermöglichen. Genügend Zeit, um entsprechende Vorkehrungen zu treffen, war durchaus vorhanden. – Was lehrt uns das? Erstens: Der Amtsschimmel kann, wenn er nicht gerade eben steht und grast, sich wohl nur im Schritttempo bewegen. Und zweitens: Viele Politiker sind für ihren Job offenbar fehlqualifiziert. Sie ließen sich wählen, obwohl sie gar nicht reiten können – schon gar nicht den Amtsschimmel. – Ulrich Horn

Ist Bundeskanzlerin Merkel erpressbar?

Dienstag, 29. Oktober 2013

Politik

(uh) Der NSA-Skandal zieht Kreise. Die UN-Vollversammlung soll sich mit ihm fassen. Der Bundestag plant eine Sondersitzung. Im Gespräch ist auch ein Untersuchungsausschuss, der Licht in den Fall bringen soll. Das wiederum verheißt nichts Gutes. Nach aller Erfahrung werden U-Ausschüsse dazu benutzt, unangenehme Themen zu beerdigen. Ob das beim NSA-Skandal passiert, ist jedoch fraglich. Er könnte Kanzlerin Merkel in die Bredouille bringen.

Auswirkungen auf die Union

Als das Thema im Bundestagswahlkampf hoch kam, erweckte sie den Eindruck, als wisse sie nicht, was es mit der flächendeckenden Ausspäh-Aktion der NSA auf sich habe. Nun wurde bekannt, dass auch sie abgehört wurde. Seither steht der Verdacht im Raum, sie habe davon bereits seit längerer Zeit gewusst.

Trifft diese Vermutung nicht zu, stellt sich die Frage, wie und warum ihr dieser massive Angriff auch auf ihre Bürgerrechte entgehen konnte oder vorenthalten wurde. Hat sie davon gewusst, hätte sie die Öffentlichkeit belogen und ihr den massenhaften Bruch der Grundrechte verschwiegen.

Als Motiv für ein solches Verhalten käme die Absicht in Frage, den NSA-Skandal im Wahlkampf flach zu halten, um negative Auswirkungen für die Regierung und die Union zu vermeiden. Träfe das zu, hätte sich Merkel des Wahlbetrugs schuldig gemacht.

Die Schutzmechanismen greifen

Zu klären wäre also, was sie wusste und was nicht, was sie verschwieg und was nicht, ob sie täuschte oder nicht und ob sie log oder nicht. Sie ist seit Jahren abgehört worden. Sie wurde darauf hingewiesen, dass ihr Handy unsicher war. Dennoch wechselte sie es nicht. Mit dieser Unterlassung leistete sie dem Abhören fahrlässig Vorschub.

Auch wenn die Ausspäh-Aktion nur ihr Partei-Handy betraf, stellt sich die Frage: Wurden auf diesem Weg deutsche Interessen verletzt? Vor allem aber lautet die Kernfrage: Ist gewährleistet, dass die Kanzlerin durch das Abhören und die unterlassenen Schutzmaßnahmen nicht erpressbar geworden ist? Die Frage wird bisher nicht aufgeworfen. Eine negative Antwort hätte weit reichende Folgen. Sie müsste Merkels Rücktritt nach sich ziehen.

Lange sah es so aus, als gäbe es nichts, was ihr etwas anhaben könnte. Auch jetzt greifen Mechanismen, die sie schützen. Der NSA-Skandal bewegt die Bürger nur begrenzt. Die Mehrheit vertraut ihr und bedauert sie, statt sie zu kritisieren. Die Medien befassen sich weniger mit ihrer Rolle und ihrem Verhalten als mit der Frage, ob Obama involviert ist.

Sorgsam dosierter Unmut

Dennoch hätte der NSA-Skandal das Zeug, für Merkel zur Bruchstelle ihrer Beliebtheit und ihres Ansehens zu werden. Erstmals gibt es ein Thema, hinter dem sich die Merkel-Kritiker aller Schattierungen – auch in der Union – versammeln könnten. Es braucht dann mehr viel Zunder, um einen Flächenbrand auszulösen.

Selbst in dieser kritischen Lage hat Merkel noch Glück. Die SPD ist durch die Verhandlungen über die große Koalition gebunden. Sie kann im Moment nicht so frei vom Leder ziehen, wie sie das noch im Wahlkampf tat. Zudem ist sie vom Ausspionieren wohl selbst betroffen. Ihr Kanzler Schröder befand sich wahrscheinlich ebenfalls im Visier der NSA.

Bei aller Empörung, die sich nun in der deutschen und europäischen Politik-Szene breit macht, ist zu beobachten, dass mit letzter Konsequenz und Nachdrücklichkeit nicht gegen das Abhören vorgegangen wird. Die Regierungschefs geben ihren Unmut sorgsam dosiert und kontrolliert zum Ausdruck. Dafür gibt es gute Gründe.

Es könnte dick kommen

Die Einfalltore für das Abhören sind schwer zu verschließen. Deutschland und Europa fehlen dazu Macht, Wissen und Technik. Würden die USA allzu heftig an den Pranger gestellt, könnte sich die Büchse der Pandora öffnen. Sie könnte viel Trübes ans Licht bringen. Die Bürger könnten entsetzt sein.

Auch China und Russland spionieren in Deutschland und Europa. Sogar Deutschland und andere EU-Staaten spähen aus, und zwar nicht nur andere, sondern auch die Partner in der Union. Es könnte ganz dick kommen – für alle. Sie wissen das. Deshalb verhalten sie sich so, wie sie es tun.


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6 Kommentare zu “Ist Bundeskanzlerin Merkel erpressbar?”

  1. Mit ein wenig Sarkasmus könnte man der ganzen Affäre etwas Positives abgewinnen, denn wenn Jeder Jeden auspioniert und abhört, gibt es keine Geheimnisse untereinander.
    Keiner könnte den Anderen belügen oder übertölpeln. Man müsste nur dafür sorgen, dass auch wirklich jeder sich an die „Abhörpflicht“ hält und, wenn nötig, auch die technischen Mittel zur Verfügung gestellt bekommt.
    Es wäre eine Welt des absoluten, gegenseitigen Vertrauens, und wenn man den anderen kennt, verliert man die Angst vor ihm.

  2. Hans Kolpak sagt:

    Was kümmern mich die Säue, die durchs Dorf getrieben werden?

    Für Schafe zählt:
    1. Habe ich für heute zu Fressen?
    2. Wann ist die Schafschur?
    3. Wann ist die Schlachtung?

    Die Menschen sind wie Schafe. Sie fressen und blöken. Wird eine Sau vorbeigetrieben, blicken sie kurz auf und blöken. Dann fressen sie weiter und blöken.

    Schönen Gruß von der Menschenfarm von
    Hans Kolpak
    Goldige Zeiten

  3. Empath sagt:

    also wenn man sich den Zusammenhang in diesem Video anguckt, dann IST sie sehr wohl erpressbar :

    http://politropolis.wordpress.com/2012/11/18/kabarettist-pelzig-erklart-das-goldman-sachs-netzwerk-nichts-zum-lachen/

  4. Wir machen ein anderes Faß auf. Wenn jeder jeden ausspioniert, müssen auch die Geheimdienste alles wissen, z.B. über die Organisierte Kriminaliät. Wieso dürfen dann sage und schreibe 3600 international operierende Verbrecherorganisationen in der EU ihr Unwesen treiben. Erst kürzlich verschickte dazu die Pressabteilung der EU diese Meldung, „sie seien endlich aufgewacht und nun werden sie etwas unternehmen“. Da stellt sich doch geradezu die Frage, ihr Allwissenden, was unternehmt ihr, bevor es zu spät ist?

    http://rundertischdgf.wordpress.com/2013/11/02/was-ist-fur-schwarz-rot-grun-wichtiger-staubsaugerverbot-oder-verbrechensbekampfung/

  5. samsolon sagt:

    Welche Gründe gibt es dafür,dass sich die Politiker in Sachen Ausspähungen so verhalten, wie sie es tun?

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