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Nebenbei

  • Schwindende Scheinblüte

    Was denken sich die Wähler? Vor einem Jahr gaben sie der SPD bei Forsa 14 Prozent. Drei Monate später, bei der Bundestagswahl, machten sie die Partei mit 25,7 Prozent zur stärksten Kraft. Da die Union handlungsunfähig war, konnte SPD-Kandidat Scholz Kanzler werden. Heute, neun Monate nach der Wahl, befindet sich seine Partei auf dem Abstieg. Während Union und Grüne in Umfragen die absolute Mehrheit erreichen, ist die Kanzlerpartei auf dem Rückweg unter die 20-Prozent-Marke. Bei Forsa hat sie es bereits geschafft. Ihr Ergebnis bei der Bundestagswahl hat sich als Scheinblüte erwiesen. Die SPD droht wieder bei 14 Prozent zu landen. Scholz trägt das Seine bei. Er tritt in jüngster Zeit häufig auf. Dennoch rauschen auch seine Werte abwärts. Ob seine Auftritte den Niedergang forcieren oder mildern – wer weiß es? Sicher scheint, dass sich der Abwärtstrend der SPD beschleunigen dürfte, verlöre sie die nächste Landtagswahl am 9. Oktober in Niedersachsen. Sollte sich dort wie jüngst in Schleswig-Holstein und NRW eine schwarz-grüne Koalition bilden, könnte die SPD in Brand geraten. Es wäre an der Zeit, sich nach Hydranten und Wasserschläuchen umzuschauen. Auch in Niedersachsen sinken die Werte der SPD, während die der Union und der Grünen steigen. – Ulrich Horn

Prüfung für den Papst

Dienstag, 15. Oktober 2013

Nebenbei

(uh) Päpste sind auch Politiker. Franziskus will den Vatikan reformieren. Der Klerus soll demütig und bescheiden den Menschen dienen. Die Botschaft stößt im Kirchenvolk auf Beifall. Daraus zu folgern, sie fände im Klerus ungeteilte Zustimmung, wäre falsch. Der Papst stellt Machtstrukturen in Frage. Das erzeugt Unterstützung, aber auch Ab- und Gegenwehr. Selbst im Kirchenstaat wird Politik profan gemacht, mit Machtkämpfen und Koalitionen, Absprachen und Winkelzügen, Gewinnern, Verlierern und Profiteuren aller Schattierungen. Das geschieht meist hinter den Kulissen. Doch ab und an wird es sichtbar. Limburgs Bischof Tebartz-van Elst wird Prunksucht und Verschwendung nachgesagt, das Gegenteil dessen, was der Papst predigt. Der Bischof steht im Verruf und ist in seinem Amt kaum zu halten. Dennoch reiste er flugs in den Vatikan. Was tut er dort? Er wird seine Verteidigung organisieren: Kontakte aktivieren, Freunde und Förderer mobilisieren, die ihn als Opfer einer Kampagne sehen, die gegen die Kirche ziele. Mit seinen Aktivitäten im Vatikan wird der Bischof für den Papst zur Prüfung. Lässt ihn Franziskus im Amt, entwertet er seine Botschaft von der Demut und Bescheidenheit. Entbindet er ihn von seiner Aufgabe, bringt er die Reformgegner weiter gegen sich auf. So oder so: Tebartz macht ihm die Arbeit schwer.

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3 Kommentare zu “Prüfung für den Papst”

  1. Markus sagt:

    Im sehr „finsteren Mittelalter“ hat man mit nicht genehmen Päpsten in der Kurie auch schon mal „kurzen Prozeß“ gemacht.

    Aber diese Zeiten sind ja hoffentlich endgültig vorbei …

  2. Johannes Fischer sagt:

    Wie hilf- und orientierungslos würde der Mensch wohl über diesen Planeten eiern, wenn ihm – in gottlosen Zeiten wie diesen – nicht ständig die schreibende Zunft mit ihren moralischen Zeigefingern die Richtung weist?

  3. Es ist nicht nur eine Prüfung für den Papst, sondern gleichzeitig die Chance, das Verhältnis Kirche und Staat neu zu überdenken und zu reformieren.
    Es ist im 21. Jahrhundert an der Zeit, die Kirche auf das zu reduzieren, was sie ist, nämlich ein privates Angebot an Menschen, die an irgendetwas glauben wollen.

    Alle Kirchen und Sekten erfüllen diesen Wunsch. Doch es werden nicht alle vom Staat subventioniert – warum auch? Deshalb müssten auch die katholische und die evangelische Kirche in Deutschland auf staatliche Bevorzugung verzichten. Jeder darf glauben, was er will, und jeder darf sich die Institution aussuchen, von der er glaubt, dass er die für ihn passende Lebenshilfe bekommt. Die Unterscheidung zwischen Kirchen und Sekten ist irrelevant, denn nicht die Größe ist entscheidend, sondern dass sie alle das gleiche anbieten – einen Glauben. Wer das Angebot und die Dienstleistungen annimmt, sollte auch privat dafür bezahlen.

    Kein Psychologe wird vom Staat subventioniert, warum also die Kirche?

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