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Nebenbei

  • Untätig – bei vollen Bezügen

    Die Parteien und ihre Bundestagsabgeordneten tun sich schwer, ihren Daseinszweck zu erfüllen. Sie schaffen es bisher nicht, den Auftrag der Bundeswahl 2017 zu erledigen. Knapp vier Monate nach der Wahl hat Deutschland noch keine Regierung. Sie steht bestenfalls zu Ostern. Bis dahin wird ein Achtel der Legislaturperiode verstrichen sein, aus Sicht der Bürger völlig nutzlos. Bis Ostern werden die 709 Abgeordneten sechs Monate lang Diäten bezogen haben, obwohl sie weitgehend untätig waren. Die 233 Abgeordneten von SPD und FDP haben sogar auf diesen Zustand hingearbeitet, der einem bezahlten Urlaub gleicht. Können Parteimitglieder ernsthaft glauben, die Mehrheit der übrigen Bürger fände dieses Verhalten akzeptabel? Welcher berufstätige Wähler lebt schon in Verhältnissen, in denen sie volle Bezüge ohne entsprechende Gegenleistung empfangen? Diese Frage sollten sich auch die Bundestagsparteien stellen. Sie werden weitgehend aus öffentlichen Mitteln finanziert. Sie bekommen das Geld selbst für die Zeitspanne, in der sie sich weigern, eine Regierung zu bilden und ihre Arbeit zu tun. Müssen sich die Bürger, die den Politikbetrieb mit vielen Millionen Euro unterhalten, von den Abgeordneten und ihren Parteien nicht geprellt fühlen? – Der neue Bundestag sollte sie gesetzlich verpflichten, Regierungen schnell zu bilden. Für die Zeit zwischen der Wahl und der Vereidigung der Regierung sollten die Diäten der Abgeordneten halbiert und ihre Privilegien, die ebenfalls Millionen kosten, gestrichen werden. Die Finanzierung der Parteien sollte um den Betrag gekürzt werden, der ihnen für diesen Zeitraum zustünde, aktuell also um ein Achtel. – Zwei Bemerkungen zum Schluss: Erstens: Wetten, dass eine solche Regelung die Regierungsbildung beschleunigen würde? Zweitens: Wetten, dass eine solche Regelung nie zustande kommen wird? – Ulrich Horn

Prüfung für den Papst

Dienstag, 15. Oktober 2013

Nebenbei

(uh) Päpste sind auch Politiker. Franziskus will den Vatikan reformieren. Der Klerus soll demütig und bescheiden den Menschen dienen. Die Botschaft stößt im Kirchenvolk auf Beifall. Daraus zu folgern, sie fände im Klerus ungeteilte Zustimmung, wäre falsch. Der Papst stellt Machtstrukturen in Frage. Das erzeugt Unterstützung, aber auch Ab- und Gegenwehr. Selbst im Kirchenstaat wird Politik profan gemacht, mit Machtkämpfen und Koalitionen, Absprachen und Winkelzügen, Gewinnern, Verlierern und Profiteuren aller Schattierungen. Das geschieht meist hinter den Kulissen. Doch ab und an wird es sichtbar. Limburgs Bischof Tebartz-van Elst wird Prunksucht und Verschwendung nachgesagt, das Gegenteil dessen, was der Papst predigt. Der Bischof steht im Verruf und ist in seinem Amt kaum zu halten. Dennoch reiste er flugs in den Vatikan. Was tut er dort? Er wird seine Verteidigung organisieren: Kontakte aktivieren, Freunde und Förderer mobilisieren, die ihn als Opfer einer Kampagne sehen, die gegen die Kirche ziele. Mit seinen Aktivitäten im Vatikan wird der Bischof für den Papst zur Prüfung. Lässt ihn Franziskus im Amt, entwertet er seine Botschaft von der Demut und Bescheidenheit. Entbindet er ihn von seiner Aufgabe, bringt er die Reformgegner weiter gegen sich auf. So oder so: Tebartz macht ihm die Arbeit schwer.

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3 Kommentare zu “Prüfung für den Papst”

  1. Markus sagt:

    Im sehr „finsteren Mittelalter“ hat man mit nicht genehmen Päpsten in der Kurie auch schon mal „kurzen Prozeß“ gemacht.

    Aber diese Zeiten sind ja hoffentlich endgültig vorbei …

  2. Johannes Fischer sagt:

    Wie hilf- und orientierungslos würde der Mensch wohl über diesen Planeten eiern, wenn ihm – in gottlosen Zeiten wie diesen – nicht ständig die schreibende Zunft mit ihren moralischen Zeigefingern die Richtung weist?

  3. Es ist nicht nur eine Prüfung für den Papst, sondern gleichzeitig die Chance, das Verhältnis Kirche und Staat neu zu überdenken und zu reformieren.
    Es ist im 21. Jahrhundert an der Zeit, die Kirche auf das zu reduzieren, was sie ist, nämlich ein privates Angebot an Menschen, die an irgendetwas glauben wollen.

    Alle Kirchen und Sekten erfüllen diesen Wunsch. Doch es werden nicht alle vom Staat subventioniert – warum auch? Deshalb müssten auch die katholische und die evangelische Kirche in Deutschland auf staatliche Bevorzugung verzichten. Jeder darf glauben, was er will, und jeder darf sich die Institution aussuchen, von der er glaubt, dass er die für ihn passende Lebenshilfe bekommt. Die Unterscheidung zwischen Kirchen und Sekten ist irrelevant, denn nicht die Größe ist entscheidend, sondern dass sie alle das gleiche anbieten – einen Glauben. Wer das Angebot und die Dienstleistungen annimmt, sollte auch privat dafür bezahlen.

    Kein Psychologe wird vom Staat subventioniert, warum also die Kirche?

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