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Nebenbei

  • Söder und die Umfragen

    In repräsentativen Demokratien sollen die Abgeordneten und ihr Gewissen die Gemeinschaft vor schwankenden Stimmungen schützen. Dieses Prinzip steht unter Druck. Mit vielen Abgeordneten ist es nicht mehr weit her. Zudem hat sich die Stimmung in der Bevölkerung zu einer mächtigen Kraft entfaltet. Viele Abgeordnete mögen ihr nicht widerstehen. Viele nutzen sie auch, um ihre Interessen durchzusetzen. Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Söder setzte darauf, dass sie ihn zum Kanzlerkandidaten der Union machen würde. Er mühte sich, in Umfragen zu reüssieren, und wurde zu einem Umfrageriesen. Er ging davon aus, dass er seinen CDU-Konkurrenten Laschet, einen Umfragezwerg, leicht aus dem Feld schlagen könne. Die Rechnung ging nicht auf. Laschet kandidierte. Er verlor. Hätten die Umfragen den Ausschlag gegeben, hätte Söder kandidieren müssen und ganz sicher gewonnen, behaupten er und seine Fans. Damals stand er in den Politiker-Rankings auf Platz 2 gleich hinter Merkel. Was es mit dem Gewicht der Umfragen auf sich hat, zeigt sich heute, drei Wochen nach der Wahl. Söder ist abgestürzt. Beim ZDF-Politbarometer rangiert er nur noch auf Platz 6, gerade noch knapp über der Nulllinie. Ginge es auch heute nach Umfragen, wie es Söder vor der Bundestagswahl wünschte, müsste er sich langsam darauf einrichten, sich vom Acker zu machen, damit bei der Bayernwahl 2023 ein beliebterer CSU-Politiker versuchen kann, die CSU vor dem Fall in die Opposition zu bewahren. Wetten, dass Söder auf Umfragewerte derzeit gar nichts mehr gibt? – Ulrich Horn

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Montag, 4. März 2013

Blog-Tipps

(uh) Ein Autor beschreibt die Kommunikation in sozialen Netzwerken und die Folgen für die Demokratie. Ein anderer befasst sich mit den Folgen, die einer von Steinbrücks Clowns aus seinem guten Wahlergebnis ableitet. Ein dritter wünscht sich, dass die Finanzkrise vor allen Rettungsversuchen zunächst Folgen für die großen Vermögen haben möge, die sich in Krisenländern finden. Noch immer befassen sich Autoren mit den Folgen des Leistungsschutzrechts für Presseverlage. Und zum guten Schluss: Einige Gedanken zu der Frage, welche Folgen die großen Netz-Monopole haben.


1. Politik

a. Facebook-Demokratie
Die Facebook-Welt ist eine nette, aseptische Welt, in der sich alle mögen. Alle haben dieselben Interessen, Vorlieben und Abneigungen. Niemand muss Kompromisse machen. Für demokratisches Denken und soziale Demokratiefähigkeiten ist das fatal. Denn wir werden – sozialisiert durch die Social Media – immer ich-bezogener, weniger tolerant und immer unfähiger zum Kompromiss.
Aus: Telepolis

b. Ein gerissener Clown

Nach dem Aufschlag von SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück keilte der Komiker Grillo nun zurück – der Deutsche sei ein “Flegel”. Hinter den Verbalinjurien verbirgt sich ein wichtiger Konflikt: Es geht um die Frage, ob Italien im Euro bleibt – bei einem Austritt könnte den Euro”rettern” das Lachen vergehen.
Aus: Lost in Europe

c. Wie Zypern zu retten ist

Die Lösung: Statt die Bankgläubiger und Bankkunden zu rasieren (denn die Schulden der Banken sind es, die die Tragfähigkeit gefährden, wenn sie auf den öffentlichen Sektor übergehen), wird eine Abgabe für diejenigen eingeführt, die ihr Geld auf der Bank deponiert haben – das spült dem Staat Geld in die Kassen und die Integrität des Finanzmarkts bleibt gewahrt. Man sollte sich das auch für andere Länder überlegen.
Aus: Herdentrieb

d. Wirtschaftsprofessoren gründen eine neue Partei

Wie es derzeit aussieht, ist die „Alternative für Deutschland“ eine Partei der Ökonomen, andere Berufsgruppen kommen nicht vor, wie eben auch nur wenige Frauen; thematisch scheint die Initiative zur Parteigründung auf einen Programmpunkt fixiert: „Gegen die Euroretter“. Laut FAS spricht man sich im Gegenzug „für die friedliche Einigung Europas“ aus. Wie das große Wort zur Realität werden soll, wird nicht verraten.
Aus: Telepolis

2. Medien

a. Im publizistischen Würgegriff
Wie kann es sein, dass wir über das Sterben von Verlagen jammern, die Zukunft des journalistischen Berufes bezweifeln und Leistungsschutzrechte für Presseverlage einführen, während wir letztes Jahr 7,5 Milliarden Euro in überflüssige analoge Sendestationen, Fußballlizenzen und das Musikantenstadl versenkten? Zum Vergleich: Man könnte mit diesem Geld jedem der 85.000 in Deutschland tätigen Journalisten 88.000 Euro in die Hand drücken.
Aus: Hier

Schlusspunkt – Der Wirtschaftstext des Tages

Wie gefährlich sind die Netz-Monopole?
Früher diskutierten alle über Microsoft, doch dessen Marktmacht macht heute kaum noch jemandem Angst. Das liegt aber nicht daran, dass wir viel Konkurrenz unter den PC-Betriebssystemen hätten. Sondern nur daran, dass dieses Monopol inzwischen viel unwichtiger ist. Stattdessen wurde Microsoft von einem neuen Monopolisten abgelöst: Google.
Aus: Fazit

Die Aussagen der Autoren geben nicht in jedem Fall meine Meinung wieder. (uh)

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