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Nebenbei

  • Es geht noch schlechter

    Um die Deutsche Bank und die Commerzbank steht es schlecht. Bundesfinanzminister Scholz (SPD) möchte ihren Verfall stoppen. Sie sollen sich zusammenschließen. Er hofft, vereint könnten sie eine stärkere Rolle spielen. Die Verhandlungen haben gerade begonnen. Sie werden beide Banken zunächst weiter schwächen. Um größeres Gewicht zu gewinnen, müssen sie Kosten senken. Sie gilt, Stellen zu streichen und Zweigstellen zu schließen. Beide Geldhäuser beschäftigen insgesamt gut 130.000 Menschen. Soll der Zusammenschluss den gewünschten Gewinn bringen, könnten 20.000 bis 50.000 Stellen wegfallen. Was werden die Mitarbeiter bei diesen Aussichten tun? Sie werden sich fragen, ob sie es sind, die demnächst auf der Strecke bleiben. Viele werden alles daransetzen, einen anderen Arbeitgeber zu finden. Sie werden sich umhören, Bewerbungen schreiben, sich auf Bewerbungsgespräche vorbereiten. Sie werden ihre finanziellen Verhältnisse straffen, um drohende Durststrecken zu überstehen. Sie werden sich zum Abwehrkampf gegen den Zusammenschluss formieren und an Protestaktionen teilnehmen. Bis die Vereinigung in trockenen Tüchern ist, falls es zu ihr kommt, wird einige Zeit ins Land gehen. Derweil werden sich die Beschäftigten mehr mit sich selbst als mit den Geschäften ihrer Bank befassen. Ist es abwegig abzunehmen, dass sich die schlechte Ertragslage der beiden Banken in nächster Zeit noch verschlechtern wird? – Ulrich Horn

SPD-Kandidat kämpft mit Pannen

Peer Steinbrücks einzige Chance

Mittwoch, 9. Januar 2013

Politik

(uh) Die SPD-Konkurrenz hat im Bundestagswahlkampf reichlich Anlass, sich zu freuen. SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück beschenkt sie verschwenderisch mit einer Panne nach der anderen. Seine Genossen raufen sich die Haare. Doch er macht unverdrossen weiter. Freund und Feind halten ihn längst für einen unberechenbaren Tollpatsch, manche sogar für einen politischen Tölpel. Wenn sie sich da mal nicht irren.

Er beherrscht die Schlagzeilen

Steinbrück und der SPD-Führung war sicher lange vor seiner Kandidatenkür klar, dass er mit drei Handikaps in den Wahlkampf ziehen würde. Er ist wegen seines Verhaltens und seiner Positionen in Teilen der SPD unbeliebt. Die Grünen, der mögliche Koalitionspartner, haben mit Steinbrück schlechte Erfahrungen gemacht. Zudem ist er wegen seiner Vorträge und hohen Honorare angreifbar.

Die Honorar-Affäre prägte sein Image als ich-bezogenen, fabulierfreudigen Menschen mit starken finanziellen Interessen und großer Nähe zu Unternehmen und Branchen, mit denen er als Finanzminister zu tun hatte. In der Partei hat sich darüber viel Unmut angesammelt. Alte Fehler kamen ans Licht. Manche neue Panne hätten er und seine Berater leicht vermeiden können. Sie taten es nicht. Aus Leichtsinn und Dummheit? Oder eher mit voller Absicht?

Dank der Pannenserie hat er immerhin eines geschafft: Er beherrscht die Schlagzeilen. Mit politischen Erklärungen wäre ihm das nicht gelungen. Die Kanzlerin und die anderen Parteien nimmt man neben ihm kaum noch wahr. Wäre da nicht die FDP mit ihrem unglücklichen Chef Rösler, hätte Steinbrück die Bühne ganz für sich allein.

Gegen die Folgen der Pannen immun

Da er nicht umhin kam, mit dem Makel der Honorar-Affäre zu starten, versucht er nun wenigstens, ihn verblassen zu lassen. Das hätte gelingen können, wenn die Affäre ein Einzelfall geblieben wäre. Dich bei seiner politischen Vorbelastung und in einem monatelangen Wahlkampf ist das nicht zu gewährleisten. Und so bleibt ihm nur übrig, dafür zu sorgen, dass die Honorar-Affäre ihre Sonderstellung verliert.

Inzwischen hat er so viele Pannen angehäuft, dass selbst kundige Beobachter sie kaum noch aufzählen können. Je mehr bekannt werden, desto stärker verliert das einzelne Ereignis an Gewicht. Steinbrück und seine Pannen gehören inzwischen zusammen. Sie sind dabei, zu einer Marke zu verschmelzen.

Das geht zwar vielen in der SPD auf die Nerven, hat aber auch einen Vorteil: Der Kandidat wird gegen die negativen Folgen der Pannen allmählich immun. Bald können sie ihm kaum noch etwas anhaben. Das Publikum wird sich an die gewöhnen. In der Summe verliert die einzelne Panne an Bedeutung. Die Grenzen zwischen alten Fehlern und neuen, bewusst vollzogenen Provokationen verschwimmen. Am Ende ist sogar niemand mehr überrascht, sollte sich herausstellten, dass Steinbrück seine Einnahmen nicht ordentlich versteuerte.

Unbeeindruckt von der massiven Kritik

Bei seinen Marsch durch die Fettnäpfe ist vielen in der SPD mulmig geworden. Mancher ist verzagt und gibt den Wahlkampf schon verloren. Selbst an notorischen SPD-Apologeten nagt der Zweifel. Der eine oder andere versucht, die Mitglieder zu beschören und mit Durchhalteparolen bei der Stange zu halten, etwa mit dem Hinweis, bis zum Wahltag sei es doch noch lange hin.

Trotz aller Pannen zieht Steinbrück erhobenen Hauptes seine Bahn, unbeirrt und unbeeindruckt von der massiven Kritik. Tapfer trägt er sein Image, das sich aus der Kritik herausschält, und bestätigt es mit jeder Panne aufs Neue. Auf diese Weise profiliert er sich immer stärker als Gegenbild zu Merkel und ihrem zurückhaltenden, behutsamen, ausgleichenden, beschwichtigenden öffentlichen Auftreten.

Auf Fehler der Kanzlerin warten

Die Erfahrung lehrt: Es wird nicht mehr lange dauern, bis Steinbrück und seine Helfer versuchen werden, ihn vor dem Vorwurf zu retten, er sei ein Stümper und Dilettant. Bald werden die ersten Vertreter der ihm zugeneigten Hauptstadt-Journalisten behaupten, wie beeindruckend es doch sei, dass er sich trotz aller Kritik treu bleibe, dass er eben ein Mann mit Ecken und Kanten sei, der auch nicht davor zurückschrecke, unbequeme Wahrheiten offen und ehrlich anzusprechen, selbst wenn sie für ihn selbst und die eigene Partei unangenehm werden.

Sobald diese Legende gepflanzt ist, heißt es, darauf zu warten, dass Merkel einen Fehler macht. Bisher hat sie keine Panne produziert, ein Vorteil, der zum Nachteil werden kann. Sollte ihr jedoch ein Fehler unterlaufen, der ihr Image als ehrliche Sachwalterin entlarvt als Lug und Trug, werden die Medien über sie herfallen wie 2010 im NRW-Wahlkampf über Jürgen Rüttgers. Die Wähler werden ihr dann den Rücken kehren. Das dürfte nach Lage der Dinge Steinbrücks einzige Chance sein, Kanzler zu werden.

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4 Kommentare zu “Peer Steinbrücks einzige Chance”

  1. Werner Jurga sagt:

    Die Ausgangsüberlegung: „besser schlechte Presse als gar keine Presse“. Die kannte ich.
    Aber jetzt weiß ich ganz genau, warum dem so ist, und wie man diese Grundmelodie erfolgversprechend ausbauen kann.

  2. Beobachter sagt:

    Zitat „Freund und Feind halten ihn längst für einen unberechenbaren Tollpatsch, manche sogar für einen politischen Tölpel. Wenn sie sich da mal nicht irren.“
    Wenn sich der Autor wiederum da mal nicht irrt…

  3. […] Debatte II: Peer Steinbrücks einzige Chance…Post von Horn […]

  4. David Schraven sagt:

    Interessanter Aspekt. Könnte bei den involvierten Wahlkämpfern was dran sein.

    Bin gespannt auf den Wir in Deutschland Blog. 🙂

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