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Nebenbei

  • Noch zu retten?

    Tsipras kommt Griechenland und Europa teuer zu stehen. Er brauchte ein halbes Jahr, um zu begreifen, dass die meisten Griechen im Euro bleiben wollen und er das Land reformieren muss, um diesen Wunsch zu erfüllen. Dieser Einsicht hätte er früher nachkommen können. Griechenland und Europa wäre dann vieles erspart geblieben. Seine Lehrzeit kostete Europa 100 Milliarden an Nothilfen. Weil er Griechenlands Wirtschaft vollends einknicken ließ, schädigte er sie um einen hohen Milliardenbetrag. Die Reformen, zu denen er sich nun verpflichten musste, fallen viel härter aus als früher vorgesehen. Das alles stört viele Griechen nicht. Auch nicht, dass er das Gegenteil von dem tut, was er ihnen versprach. Sein Zulauf scheint ungebrochen. Sind die Griechen noch zu retten? Statt endlich den Reformprozess in Gang zu setzen, veranstaltet er Wahlkampf und Neuwahl, weniger zum Wohl Griechenlands als zu seinem und dem Wohl von Syriza: Er will seine zerbröselnde Machtbasis festigen. Auch das sehen ihm viele Griechen nach. Die Investoren sicher nicht. Sie werden weiterhin um Griechenland einen großen Bogen machen. Um die wirtschaftlichen Folgen seiner Winkelzüge macht sich Tsipras offenbar keine Gedanken. Man könnte meinen, er wolle den Nachweis führen, auch das dritte Rettungspaket sei herausgeworfenes Geld. Dass ein Regierungschef Neuwahlen zum Wohl seiner Partei durchsetzte, hat auch Deutschland erlebt. Schröder wollte 2005 die SPD stärken und die Linke verhindern. Vergeblich. Er bekam das Gegenteil von dem, was er anstrebte. Nach seiner Wahlniederlage heuerte er bei Putin an. Dass Tsipras es ihm demnächst gleich tun wird, scheint unwahrscheinlich. Seine Wahlchancen stehen offenbar gut. – Ulrich Horn

Die FDP in der Krise

Im Sturzflug kopf- und planlos

Samstag, 5. Januar 2013

Politik

(uh) Begreift die FDP, warum sie sich im Sturzflug befindet? Bei der Bundestagswahl 2009 erreichte sie das Rekordergebnis von 14,6 Prozent. Heute, drei Jahre später, kämpft sie ums Überleben. Sie verliert Mitglieder und Spenden. Bei der Niedersachsen- und der Bundestagswahl droht sie an der Fünf-Prozent-Hürde zu scheitern. Hilflos schauen Mitglieder und Funktionäre dem Niedergang zu.

Verantwortung von sich schieben

Gegen den Schwund haben die FDP-Führungskräfte nur ein Medikament: Sie wollen den Vorsitzenden Rösler austauschen. Es wäre in dieser Legislaturperiode bereits der zweite Wechsel an der Parteispitze. Die FDP macht sich daran, ihre Chefs ähnlich schnell zu demontieren wie die SPD.

Derartige Zuckungen sind Symptome schwerer Zerrüttung. Die FDP war schon desolat, ehe Rösler den Vorsitz übernahm. Das Debakel, das lange vor seinem Amtsantritt begann, haben die gleichen Führungsleute zu verantworten, die ihn nun demontieren wollen.

Sie ließen nicht nur den Verfall der Partei zu. Sie waren es auch, die Rösler als Hoffnungsträger propagierten und zum Vorsitzenden machten. Nun versucht die Führungsmannschaft, ihre Verantwortung für diese Fehlentscheidung von sich zu schieben und sich von ihrer Mitschuld am Niedergang der Partei zu entlasten, indem sie die Verantwortung allein auf Rösler abwälzt und ihn opfern will.

Akt der Verzweiflung

Dieses Agieren wirkt hilflos. Schon der Wechsel von Westerwelle zu Rösler verbesserte die Lage nicht. Den jungen Rösler als Fehlbesetzung zu betrachten, mag noch angehen. Seinen möglichen Nachfolger, den alternden Brüderle, als Hoffnungsträger zu proklamieren, wirkt wie ein Akt der Verzweiflung.

Jeder in der Partei weiß, dass auch er nur ein Mann des Übergangs ist. Er mag der FDP helfen, sich von Rösler zu befreien. Die Zukunft kann er nicht verkörpern. Wird Brüderle gewählt, verliert er an Gewicht. Er wird als Platzhalter für seinen Nachfolger betrachtet. Es wird wahrscheinlich Lindner sein.

Hinter der Personaldebatte steht die Erwartung, die Krise ließe sich mit einem Befreiungsschlag beenden. Diese Hoffnung ist eine Illusion. Die FDP leidet wie die SPD am Unvermögen, sich den Ursachen ihres Elends zu stellen. Die Partei wagt es nicht, ihre Fehler und Versäumnisse aufzuarbeiten. Weil sie sich die Diagnose versagt, steht sie ohne Therapie da. Es fehlt ihr die Zeit, sich zu regenerieren. Die bevorstehenden Wahlen erschweren es ihr, sich in Ruhe neu zu sortieren.

In jeder Hinsicht verengt

Die FDP war über viele Jahre daran beteiligt war, die Geschicke des Landes zu prägen. Sie trug dazu bei, Deutschland und Europa zu verändern. Vor diesem Hintergrund wirkt der Mangel an Verantwortungsbewusstsein und Gestaltungsbereitschaft in der FDP-Führung besonders abträglich.

Die Partei, die Geschichte schrieb, hat sich in jeder Hinsicht verengt. Sie beschränkte sich darauf, Klientelgruppen zu bedienen. Sie fixierte sich auf ein einziges Thema, die Steuersenkung, ohne Erfolg. Und sie begrenzte ihre Koalitionsfähigkeit auf die Union.

Daseinszweck scheint abhanden gekommen

Die FDP wirkt aus der Zeit gefallen. Ihre Grundlagen sind kaum noch zu erkennen. Die ganze Spannbreite des Liberalismus ist auf die Diskussion über ihren überforderten Vorsitzenden und seine ungewisse Zukunft zusammengeschrumpft.

Die Banken- und die Eurokrise haben den Liberalismus erschüttert und diskreditiert. In den Krisen, die durch schrankenlose Freiheit ausgelöst wurden, bot ausgerechnet der Staat Schutz, der durch den Missbrauch wirtschaftlicher Freiheit in Bedrängnis gebracht und von der FDP unter der Parole „Privat vor Staat“ gern schwach gehalten wurde.

Die FDP-Elite nahm die Krise mit ihren Folgen kaum auf. Sie versäumte es, die Partei inhaltlich neu zu justieren. Ihr Daseinszweck scheint abhanden gekommen. Nun schwebt sie auch noch in der Gefahr, bei den Wahlen ihre Rolle als Koalitionspartner und Zünglein an der Waage einzubüßen.

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3 Kommentare zu “Im Sturzflug kopf- und planlos”

  1. dw-seneca sagt:

    Die Banken- und die Eurokrise haben den Liberalismus erschüttert und diskreditiert…

    Diese Krise ist mitnichten eine Krise des Liberalismus sondern Folge einer Politik, die gerade den Liberalismus mit Füßen tritt. Banken und Politik sind eine Allianz eingegangen, die sie in eine wechselseitige Abhängigkeit gebracht haben, was dazu geführt hat, daß heute Gewinne großer Banken bzw. der Finanzelite privat sind, die Verluste aber auf die Steuerzahler abgewälzt werden. Und das ist das genaue Gegenteil von Marktwirtschaft, wo unternehmerisches Risiko und Verantwortung für entstehende Verluste untrennbar miteinander verbunden sind.
    Das es auch anders geht, beweist Island.

  2. Demokratiefrustriert sagt:

    Richtig!!
    Klientelpolitik ist überholt und Klientelpolitik für die ganz Reichen (Hoteliers, Grßindustrie, Atom- + Bankenlobby u.s.w.) um so mehr. Das hat die FDP immer noch nicht verstanden und noch viel weniger verstanden als die anderen Parteien.
    Wir brauchen wieder Politik mit Rücksicht auf Alle ohne Klassenkampf-Parolen (ala SPD + Linke + Grüne), ohne divide und impera. Wir brauchen Politiker, die das Richtige tun wollen und nicht zur Profilierung immer nur das Gegenteil der Gegner-Parteien, ganz egal ob Vorschläge sinnvoll oder schädlich sind.
    Wen also wählen ???
    Die FDP nie mehr das ist wohl den meisten klar, aber wo ist die Alternative?
    Ich kenne zur Zeit keine für mich wählbare Partei.

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