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Nebenbei

  • Untätig – bei vollen Bezügen

    Die Parteien und ihre Bundestagsabgeordneten tun sich schwer, ihren Daseinszweck zu erfüllen. Sie schaffen es bisher nicht, den Auftrag der Bundeswahl 2017 zu erledigen. Knapp vier Monate nach der Wahl hat Deutschland noch keine Regierung. Sie steht bestenfalls zu Ostern. Bis dahin wird ein Achtel der Legislaturperiode verstrichen sein, aus Sicht der Bürger völlig nutzlos. Bis Ostern werden die 709 Abgeordneten sechs Monate lang Diäten bezogen haben, obwohl sie weitgehend untätig waren. Die 233 Abgeordneten von SPD und FDP haben sogar auf diesen Zustand hingearbeitet, der einem bezahlten Urlaub gleicht. Können Parteimitglieder ernsthaft glauben, die Mehrheit der übrigen Bürger fände dieses Verhalten akzeptabel? Welcher berufstätige Wähler lebt schon in Verhältnissen, in denen sie volle Bezüge ohne entsprechende Gegenleistung empfangen? Diese Frage sollten sich auch die Bundestagsparteien stellen. Sie werden weitgehend aus öffentlichen Mitteln finanziert. Sie bekommen das Geld selbst für die Zeitspanne, in der sie sich weigern, eine Regierung zu bilden und ihre Arbeit zu tun. Müssen sich die Bürger, die den Politikbetrieb mit vielen Millionen Euro unterhalten, von den Abgeordneten und ihren Parteien nicht geprellt fühlen? – Der neue Bundestag sollte sie gesetzlich verpflichten, Regierungen schnell zu bilden. Für die Zeit zwischen der Wahl und der Vereidigung der Regierung sollten die Diäten der Abgeordneten halbiert und ihre Privilegien, die ebenfalls Millionen kosten, gestrichen werden. Die Finanzierung der Parteien sollte um den Betrag gekürzt werden, der ihnen für diesen Zeitraum zustünde, aktuell also um ein Achtel. – Zwei Bemerkungen zum Schluss: Erstens: Wetten, dass eine solche Regelung die Regierungsbildung beschleunigen würde? Zweitens: Wetten, dass eine solche Regelung nie zustande kommen wird? – Ulrich Horn

Aufgelesen … Nr. 70 – 2012

Freitag, 14. Dezember 2012

Blog-Tipps

An dieser Stelle finden Sie eine Auswahl interessanter Beiträge aus Blogs. Die Aussagen der Autoren geben nicht in jedem Fall meine Meinung wieder. (uh)

1. Medien

a. Der Schiedsrichter-Platz (…) ist zu bequem geworden
Der Unterschied zwischen Google und den deutschen Presseverlagen ist der: Erstere glaubten an ihre Idee. Sie wussten, dass die Zeit auf ihrer Seite ist. Und die Verleger? Sie schwammen in ihren Geldspeichern herum. Unter den reichsten Deutschen finden sich auch heute noch auffallend viele Verleger. Doch ins Risiko gehen – das hatten sie total verlernt. Weder ein soziales Netzwerk noch eine Suchmaschine haben sie entwickelt. Im Internet kleckerten sie ein wenig herum – anstatt zu klotzen. Enorm viel Zeit verloren sie mit kindischen Schaukämpfen gegen ARD und „Webkommunisten“. Heute sehen manche Verantwortliche ein, dass das falsch war.
Aus: Carta

b. Wo immer Du auch bist

Das Netz erleichtert es, trotz räumlicher Distanz, fremden Menschen bis zur Unerträglichkeit auf die Pelle zu rücken. Und während man den einen oder anderen Shitstorm aussitzen kann, bleibt der digitale Fan meist zäh wie Leder. Den frustrierten Foristen, der regelmäßig mit Hasstiraden protzt, kann man erstens klar einordnen und zweitens ignorieren. Aber was macht man, vor allem als Person des öffentlichen Lebens, als Nachwuchspolitiker oder C-Promi, mit sogenannten „Fans“, die es nur gut meinen und die man eigentlich nicht verprellen möchte?
Aus: The European


2. Politik

a. Neue Maßeinheit für Großprojekte
Sich sehr große Zahlen vorzustellen, fällt den meisten Menschen schwer. Eine Eins mit neun Nullen – wieviele Großeinkäufe beim Tengelmann sind das? Wieviele Sofagarnituren “Alabama fliederrot” von Möbel Höffner, wieviele Liter Super plus? Mathematiker verpassen sehr großen Zahlen deshalb Eigennamen, um die Sache anschaulicher zu machen. Ein Googol entspricht beispielsweise einer Eins mit hundert Nullen und klingt zudem viel viel beser als “zehn Sedezilliarden”. Ähnliches scheint sich nun auch bei der Kalkulation von Großprojekten durchzusetzen. Dort wird nämlich ebenfalls mit Zahlen hantiert, die für Normalbürger kaum fassbar sind. Statt die erwarteten Kosten in Milliarden oder Zilliarden anzugeben, etabliert sich hier zunehmend eine neuen Maßeinheit: die Elbphilharmonie (kurz €£฿).
Aus: Tom Hillenbrand

b. Bundesbank: Vorsicht, Blähungen

Auffallend ist, dass Deutsche Inländer von Januar bis Oktober 2012 überwiegend deutsche Aktien gekauft haben. Die Anleger kaufen immer das, was schon teuer ist und nicht das, was noch teuer wird. Ich hasse es, einen Text mit so vielen Zahlen zu schreiben, wollte aber mal anhand echter und konkreter Zahlen zeigen, wie sich die Märkte von den Volumina her entwickeln. Die Schulden von Bund und Ländern nehmen so langsam überhand und blähen das System auf; Wirtschaft und Industrie hingegen schrauben ihre Investitionen stark zurück. Diese Blähungen werden demnach immer konkreter, …. ich halte mir lieber schon mal das Näschen zu. PS: Ich kenne das noch aus dem Studium; VWL erträgt man nur mit Witz, Unterhaltung, Satire und Sexismus. *grins*
Aus: Jenny’s Blog

c. Apotheken: Staatsnähe nährt Lobbyismus

Das Einzige was hilft ist, diese Abhängigkeit möglichst stark zurückzunehmen. Und das würde im Fall der Apotheken nicht nur die Macht der Lobbyisten zurückdrängen, sondern könnte uns allen auch noch eine Menge Geld sparen. Auch wenn die Apotheker sich selbst als Heilberuf verstehen, kann man sie getrost dem Einzelhandel zuordnen. Sie kaufen und verkaufen Waren und immer mehr davon haben mit Medizin nichts mehr zu tun: Kosmetika und Süßigkeiten werden für ihren Umsatz immer wichtiger. Warum sollte man sie grundsätzlich anders behandeln als den übrigen Einzelhandel? Preise würden sinken, wenn es Apothekenketten gäbe, die mit den Pharmakonzernen auf Augenhöhe verhandeln würden.
Aus: Ruhrbarone

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