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Nebenbei

  • Rot-Rot: Streng vertraulich

    Es klingt wunderbar geheimnisvoll: SPD-Chef Gabriel trifft Linken-Fraktionschefin Wagenknecht zu einem vertraulichen Gespräch. Was könnten sie vertraulich zu bereden haben? Eine rot-rot-grüne Koalition? Will Gabriel Wagenknecht bewegen, ihre Vorbehalte gegen die NATO und die Schröderschen Agenda-Reformen aufzugeben? Will Wagenknecht Gabriel klar machen, Rot-Rot-Grün komme nur zustande, wenn die Linke das Verteidigungs- und das Arbeitsministerium bekäme? – Dass wir nicht wissen, was die beiden beredeten, ist bei vertraulichen Gesprächen durchaus üblich. Tröstlich ist: Solche Vertraulichkeit hält nicht lange. Irgendwann hält es einer von ihnen für angebracht zu plaudern. – Bis dahin lässt sich die Zeit gut mit Spekulationen vertreiben. Was, wenn Gabriel nur der SPD-Linken signalisieren wollte, dass er deren Lieblingsprojekt Rot-Rot-Grün nicht beiseiteschiebe und durchaus daran mitarbeite? Könnte es nicht sein, dass Gabriel Wagenknecht benutzt, um der SPD-Linken zu gefallen und seine Chancen zu verbessern, Ende Januar Kanzlerkandidat zu werden? Dieser Fall wäre eine Sensation. Dann nämlich würde Wagenknechts Ehemann Lafontaine, der einst aus der SPD austrat und die Linke gründete, indirekt mitentscheiden, wer SPD-Kanzlerkandidat werden soll. – Sage niemand, diese Spekulation sei weltfremd. Für sie spricht der vertrauliche Charakter des Gabriel-Wagenknecht-Gesprächs. Denn trotz allen Unwissens kann man eines mit Sicherheit sagen: Es war so vertraulich, dass dieser Umstand unbedingt mitgeteilt werden musste. Offenbar kam es genau darauf an. – Ulrich Horn

Die Zeitungsverleger

Von der Technik und den Kunden überfordert

Donnerstag, 29. November 2012

Medien

(uh) Einige Tage lang bewegte das bedauerliche Los der FTD und der FR einen Teil des Publikums. Journalisten zeigten sich betroffen, aber auch Leser. Allzu viele waren es nicht. Die Auflage der Blätter ist begrenzt. Der Kreis der Trauernden ebenfalls. An der breiten Bevölkerung ging das Ereignis vorbei. Das Ende einer Autofabrik erzeugt stärkere Emotionen.

Die Diskussion über die beiden Zeitungen entwickelte sich rasch fort von ihrem Anlass, hin zum Zeitungssterben im Allgemeinen, zum Strukturwandel der Medienbranche, zu den Perspektiven von Print und Digital. Dabei werden zwangsläufig auch die Verleger zum Thema. Wer sich mit ihnen befasst, findet rasch Gründe für den Verdacht, der Niedergang der Zeitungen gehe zum großen Teil auf das Konto ihrer Eigentümer und Manager.

Sie schaffen es immer weniger, den Verkauf von Anzeigen mit der Veröffentlichung journalistischer Texte gewinnbringend zu verbinden. Vielen liegt der Verkauf von Anzeigen näher als die Entwicklung journalistischer Produkte. Die Versuche, sie den technischen Innovationen und den veränderten Kundenbedürfnissen anzupassen, wirken hilflos. Der Wandel überfordert die Verleger.

Es gelingt ihnen nicht, den Diskurs zwischen Print und Digital zu organisieren. Die meisten Verlage schaffen es nicht einmal, in den eigenen Blättern über den wirtschaftlichen und publizistischen Zustand ihrer Branche zu berichten. So wenig Digital bisher lebensfähig ist, so sicher scheint Print dem Untergang geweiht. Längst fordern die Verlage Schutzräume. Und demnächst wohl auch Subventionen in klingender Münze.

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6 Kommentare zu “Von der Technik und den Kunden überfordert”

  1. Roland Appel sagt:

    Das hohe Gut der Pressefreiheit ist ein konstitutiver Bestandteil einer freiheitlichen Demokratie. Ende der 60er Jahre gab es in der Bundesrepublik allerdings nur noch etwa einhundertzehn Vollredaktionen von Tageszeitungen. Nicht nur mancher Jurastudent wunderte sich damals, dass verlegernahe Juristen wie Axel Freiherr von Campenhausen den Standpunkt vertraten, dierses Grundrecht Pressefreiheit stünde allein den etwas hundert Verlegern in Deutschland zu. Die damals noch liberale F.D.P. entwickelte in ihren „Freiburger Thesen“ den Gedanken der „inneren Pressefreiheit“, um den Journalisten mehr Unabhängigkeit von der Verlegermeinung zu garantieren. Passiert ist das Gegenteil. Verlegerkonzentration bis hin zu örtlichen Monopolen, Desinteresse an gutem Journalismus, Goldgräberstimmung nach dem Fall der Mauer und Geldgier mit Renditeerwartungen, die in nichts den 25% von Herrn Ackermann nachstehen, haben die Presselandschaft ruiniert, lange bevor das Internet seine Auswirkungen auf den Anzeigenmarkt realisierte.
    Dazu Wildwestmethoden wie die Entlassung einer ganzen Redaktion in Münster, weil Verleger meint, man könne Zeitung auf Praktikantenniveau machen.
    Auch das Gejammer über wegrechende Werbeeinnahmen ist relativ: Gerade jetzt vor Weihnachten übersteigt das Gewicht der Reklamebeilagen oft das der Tageszeitungen um das eineinhalbfache. Und wenn ich nicht mehr weiter weiss, dann bettle ich um Subvention. Das könnte der Anfang vom Ende der Pressefreiheit sein. Dabei liegen drei einfache Dinge zur Gesundung des Pressemarketes auf der Hand: 1. Die Einsicht, dass gute Zeitung nicht zum Hungerlohn mit Praktikanten geht, sondern engegierten Journalismus braucht. 2. Die Einigung der Verleger auf ein einheitliches, einfaches Bezahlsystem im Internet, mit dem ich mir für pfennigbeiträge, die viele bereit wären zu zahlen, meine Zeitung auf den Schirm holen kann. 3. Die Einsicht, dass die fetten Jahre vorbei sind und an die Stelle von Geldgier nun mal wieder verlegerische Leidenschaft und das Bewußtsein zu treten haben, dass man als „vierte Gewalt“ eben eine höhere Verantwortung hat, als Kohle zu machen.

    • MicSch sagt:

      Wenn man Chomsky Propaganda-Modell glaubt gibt es Pressefreiheit nur bei Menschen, die finanziell unabhängig sind. Was auch leicht einzusehen ist. Wenn die eigene Existenz davon abhängt wird man Konservativ – das heißt, vorsichtig in dem was man von sich gibt.

      Was den nebulösen Begriff Demokratie angeht so glaube ich, dass Demokratie und Diktatur Polare Gegensätze sind und das jedes reale politische System eine Mischung aus Diktatur und Demokratie ist. Massenmedien dienen in jedem politischen System übrigens demselben Zweck.

      Daher ist eine Subvention von Presseorganen – wenn sie richtig gemacht wird – viel weniger gefährlich für das was gemeinhin als Demokratie bezeichnet wird als man vielleicht denken könnte.

  2. […] Münchau schreibt über den Tod der Verleger als eigentlicher Zeitungskrise. Ulrich Horn bringt das knackiger auf den Punkt: Der Wandel überfordert die Verleger. […] So wenig Digital bisher lebensfähig ist, so sicher […]

  3. […] Die Zeitungsverleger: Von der Technik und den Kunden überfordert … postvonhorn […]

  4. […] von Post von Horn Allzu viele waren es nicht. Die Auflage der Blätter ist begrenzt. Der Kreis der […]

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