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Nebenbei

  • Vom Wähler abgewrackt

    Die einstigen Volksparteien bieten ein jämmerliches Bild. Die SPD zerfleischte sich über Jahrzehnte. Sie schrumpfte zur Kleinpartei. Rechtzeitig vor der Bundestagswahl stellte sie sich ruhig. Prompt erhielt sie Aufwind. Die Union zerfleischt sich seit 2015. Sie steigerte das Gemetzel im Wahlkampf sogar. Viele Wähler kehrten ihr erzürnt den Rücken. – Heute warten die dürftigen Reste der Volksparteien darauf, dass ihnen die kleine FDP und die kleinen Grünen zur Macht verhelfen. Union und SPD regierten in 12 der 16 Regierungsjahre Merkels gemeinsam. Beide Gruppierungen haben den Erfolg und den Misserfolg dieser Ära zu verantworten. Beide haben die Mängel verursacht, der in der Pandemie sichtbar wurden. Beide haben sich mehr mit ihren internen Problemen als mit denen des Staates und der Gesellschaft befasst. Dass beide nicht gewohnt sind, sachgerecht zu agieren, zeigte sich in der Pandemie. Dass sie der jeweils anderen Partei vorwerfen, die Modernisierung des Landes verschlafen zu haben, ist lächerlich. Die Wähler sind nicht dumm. Sie wissen: Beide Parteien haben sich durch eigenes Verschulden auf Grund gesetzt. Die Wähler haben begonnen, beide Volksparteien abzuwracken. Der SPD gaben sie bei der Bundestagswahl noch einmal Paddel, der Union nahmen sie die Segel. Doch ohne die Schlepper FDP und Grüne kämen die beiden schrottreifen Dickschiffe nicht mehr vom Fleck. – Ulrich Horn

Von der Technik und den Kunden überfordert

Donnerstag, 29. November 2012

Medien

(uh) Einige Tage lang bewegte das bedauerliche Los der FTD und der FR einen Teil des Publikums. Journalisten zeigten sich betroffen, aber auch Leser. Allzu viele waren es nicht. Die Auflage der Blätter ist begrenzt. Der Kreis der Trauernden ebenfalls. An der breiten Bevölkerung ging das Ereignis vorbei. Das Ende einer Autofabrik erzeugt stärkere Emotionen.

Die Diskussion über die beiden Zeitungen entwickelte sich rasch fort von ihrem Anlass, hin zum Zeitungssterben im Allgemeinen, zum Strukturwandel der Medienbranche, zu den Perspektiven von Print und Digital. Dabei werden zwangsläufig auch die Verleger zum Thema. Wer sich mit ihnen befasst, findet rasch Gründe für den Verdacht, der Niedergang der Zeitungen gehe zum großen Teil auf das Konto ihrer Eigentümer und Manager.

Sie schaffen es immer weniger, den Verkauf von Anzeigen mit der Veröffentlichung journalistischer Texte gewinnbringend zu verbinden. Vielen liegt der Verkauf von Anzeigen näher als die Entwicklung journalistischer Produkte. Die Versuche, sie den technischen Innovationen und den veränderten Kundenbedürfnissen anzupassen, wirken hilflos. Der Wandel überfordert die Verleger.

Es gelingt ihnen nicht, den Diskurs zwischen Print und Digital zu organisieren. Die meisten Verlage schaffen es nicht einmal, in den eigenen Blättern über den wirtschaftlichen und publizistischen Zustand ihrer Branche zu berichten. So wenig Digital bisher lebensfähig ist, so sicher scheint Print dem Untergang geweiht. Längst fordern die Verlage Schutzräume. Und demnächst wohl auch Subventionen in klingender Münze.

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6 Kommentare zu “Von der Technik und den Kunden überfordert”

  1. Roland Appel sagt:

    Das hohe Gut der Pressefreiheit ist ein konstitutiver Bestandteil einer freiheitlichen Demokratie. Ende der 60er Jahre gab es in der Bundesrepublik allerdings nur noch etwa einhundertzehn Vollredaktionen von Tageszeitungen. Nicht nur mancher Jurastudent wunderte sich damals, dass verlegernahe Juristen wie Axel Freiherr von Campenhausen den Standpunkt vertraten, dierses Grundrecht Pressefreiheit stünde allein den etwas hundert Verlegern in Deutschland zu. Die damals noch liberale F.D.P. entwickelte in ihren „Freiburger Thesen“ den Gedanken der „inneren Pressefreiheit“, um den Journalisten mehr Unabhängigkeit von der Verlegermeinung zu garantieren. Passiert ist das Gegenteil. Verlegerkonzentration bis hin zu örtlichen Monopolen, Desinteresse an gutem Journalismus, Goldgräberstimmung nach dem Fall der Mauer und Geldgier mit Renditeerwartungen, die in nichts den 25% von Herrn Ackermann nachstehen, haben die Presselandschaft ruiniert, lange bevor das Internet seine Auswirkungen auf den Anzeigenmarkt realisierte.
    Dazu Wildwestmethoden wie die Entlassung einer ganzen Redaktion in Münster, weil Verleger meint, man könne Zeitung auf Praktikantenniveau machen.
    Auch das Gejammer über wegrechende Werbeeinnahmen ist relativ: Gerade jetzt vor Weihnachten übersteigt das Gewicht der Reklamebeilagen oft das der Tageszeitungen um das eineinhalbfache. Und wenn ich nicht mehr weiter weiss, dann bettle ich um Subvention. Das könnte der Anfang vom Ende der Pressefreiheit sein. Dabei liegen drei einfache Dinge zur Gesundung des Pressemarketes auf der Hand: 1. Die Einsicht, dass gute Zeitung nicht zum Hungerlohn mit Praktikanten geht, sondern engegierten Journalismus braucht. 2. Die Einigung der Verleger auf ein einheitliches, einfaches Bezahlsystem im Internet, mit dem ich mir für pfennigbeiträge, die viele bereit wären zu zahlen, meine Zeitung auf den Schirm holen kann. 3. Die Einsicht, dass die fetten Jahre vorbei sind und an die Stelle von Geldgier nun mal wieder verlegerische Leidenschaft und das Bewußtsein zu treten haben, dass man als „vierte Gewalt“ eben eine höhere Verantwortung hat, als Kohle zu machen.

    • MicSch sagt:

      Wenn man Chomsky Propaganda-Modell glaubt gibt es Pressefreiheit nur bei Menschen, die finanziell unabhängig sind. Was auch leicht einzusehen ist. Wenn die eigene Existenz davon abhängt wird man Konservativ – das heißt, vorsichtig in dem was man von sich gibt.

      Was den nebulösen Begriff Demokratie angeht so glaube ich, dass Demokratie und Diktatur Polare Gegensätze sind und das jedes reale politische System eine Mischung aus Diktatur und Demokratie ist. Massenmedien dienen in jedem politischen System übrigens demselben Zweck.

      Daher ist eine Subvention von Presseorganen – wenn sie richtig gemacht wird – viel weniger gefährlich für das was gemeinhin als Demokratie bezeichnet wird als man vielleicht denken könnte.

  2. […] Münchau schreibt über den Tod der Verleger als eigentlicher Zeitungskrise. Ulrich Horn bringt das knackiger auf den Punkt: Der Wandel überfordert die Verleger. […] So wenig Digital bisher lebensfähig ist, so sicher […]

  3. […] Die Zeitungsverleger: Von der Technik und den Kunden überfordert … postvonhorn […]

  4. […] von Post von Horn Allzu viele waren es nicht. Die Auflage der Blätter ist begrenzt. Der Kreis der […]

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