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Nebenbei

  • Jäger: Mühe gegeben

    In NRW ist manches anders. Einen Tag nach der Love-Parade-Katastrophe 2010 stellte sich NRW-Innenminister Jäger vor die Polizei. Er sprach sie von Fehlern frei – allerdings ohne jede Prüfung. Monate später musste er den Persilschein kassieren. Der Vorgang beschädigte Jägers Glaubwürdigkeit. Es schien, als führe in NRW nicht der Innenminister die Polizei, sondern die Polizei den Minister. Heute, fast sieben Jahre im Amt, steht Jäger wegen vieler Pannen und einer schlechten Sicherheitsbilanz unter starkem Druck. Wie schlimm es um ihn steht, wird daran deutlich: Kurz bevor sich im Landtag der Untersuchungsausschuss mit Jägers Rolle im Fall Amri befasst, stellen sich die Landeschefs der drei Polizeigewerkschaften GdP, DPolG und BDK schützend vor den Minister, in NRW ein Vorgang ohne Beispiel. Die drei Gewerkschafter Plickert, Rettinghaus und Fiedler kritisieren Jägers Kritiker. Deren Kritik sei maßlos überzogen und vom Wahlkampf bestimmt. Es habe zwar viele Pannen gegeben. Doch an den meisten sei Jäger nicht beteiligt gewesen. Deshalb trage er auch keine Verantwortung. Dass die Gewerkschaftschefs als Jägers Schutzengel mit ihrer Hilfsaktion selbst in den Wahlkampf eingreifen, bereitet ihnen offenbar kein Problem. Sie spielen nicht nur die Kritik an ihm herunter. Sie ziehen auch eine Art Arbeitsbilanz. Sie hat es in sich. Jäger habe getan, was von ihm zu erwarten gewesen sei, stellen sie fest. Er habe aus jedem Skandal gelernt. Mit anderen Worten: Zwar fielen in seine Amtszeit viele Kinder in die Brunnen des Landes. Doch danach stattete er die Wasserspender mit Deckeln aus. Jeder Lehrling weiß: Steht in einem Arbeitszeugnis: „Er hat unseren Erwartungen entsprochen“, meint das: „Seine Leistungen waren mangelhaft.“ – Ulrich Horn

Aufgelesen … Nr. 56 – 2012

Donnerstag, 29. November 2012

Blog-Tipps

An dieser Stelle finden Sie eine Auswahl interessanter Beiträge aus Blogs. Die Aussagen der Autoren geben nicht in jedem Fall meine Meinung wieder. (uh)

1. Medien

a. Botschaft der Print-Medien: Hört auf, uns zu lesen
Die eigentliche Überraschung findet sich aber auf Seite 119: Dort studiert ein Bundeswehrsoldat in Uniform in einer Bibliothek intensiv in einem Buch! Er ist der einzige Leser in der gesamten Werbung des Heftes. Und auch bei den Werbegeschenken für Spiegel-Produkte gibt es nichts Gedrucktes – nur Kaffeebecher, Taschen, Uhren, Fahrradschlösser oder Glaswaagen. Ich denke, die Printmedien sind schon weiter als sie es selber ahnen. Sie haben sich aufgegeben.
Aus: Carta

b. Wie Verlage im Internet Geld verdienen

Auch weiterhin hält sich das Gerücht, journalistische Inhalte ließen sich mit Werbung im Internet nicht refinanzieren. Das ist bemerkenswert – denn es ist falsch. Schon vor fünf Jahren verdienten die Online-Auftritte einer ganzen Reihe journalistischer Marken ganz wunderbar Geld.
Aus: Indiskretion Nebensache

c. Google und die Linke

Wenn Google als Google mit offenem Visier gegen die Position des guten, alten deutschen Qualitätsjournalismus (das Residuum des deutschen Bildungsbürgers!) antritt, dann kann es nur verlieren. Von links bis rechts schließen sich sofort die Reihen gegen den “amerikanischen Konzern“, der ja “nur seine eigenen Interessen verfolgt” (Im Gegensatz natürlich zu den integren deutschen Verlagen, die nur die Demokratie retten wollen!). Und tatsächlich war haargenau diese Argumentation in ihrer einfältigen Schlichtheit von Spiegel Online bis FAZ über Süddeutsche nachlesbar.
Aus: Hier

d. Wie einseitig die WAZ (…) informiert

Man hätte nicht glauben können, dass diese analoge Lebenslüge der Internetausdrucker im Jahr 2012 noch genutzt wird. Diese Aussage ist so unüberlegt, das man gar nicht weiß, wo man anfangen soll. Denn natürlich ist das Internet schon jetzt kein rechtsfreier Raum und im Internet läuft man sogar viel eher Gefahr Ärger mit dem Rechtsstaat zu bekommen als “offline”, denn eine ärgerliche Aussage über den Chef sorgt in der Stammkneipe vielleicht für Belustigung, bei Facebook kann das zum Rauswurf führen.
Aus: Pottblog

2. Gesellschaft

„Wer aufsteigen will, muss mit seiner Herkunft brechen“
Es sind die feinen Unterschiede, die sich beim Aufstieg bemerkbar machen. Unsichtbare Mauern, die das Fortkommen behindern. Wie und welche Musik wird gehört? Wie und was wird gegessen? Wie und worüber unterhält man sich? Der Habitus ist entscheidend, nicht nur das erlernte Wissen. Die Aufsteiger müssen mit dem Habitus der Schicht brechen aus der sie kommen, um aufzusteigen und in höheren Milieus akzeptiert zu werden. Und so stammen 70 Prozent der Vorstände der größten deutschen Unternehmen aus der drei Prozent großen Oberschicht der Bundesrepublik.
Aus: Ruhrbarone

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