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Nebenbei

  • Ippens Geist

    Zeitungsverleger haben einen schönen Beruf. Sie wirken daran mit, die Menschheit zu informieren und aufzuklären. Die einen Verleger mehr, die anderen weniger. Manche manchmal gar nicht. In diese Gruppe reiht sich Ippen ein. Er verbot, einen Artikel zu veröffentlichen, den Journalisten seines Hauses geschrieben haben. Der Beitrag stellt den Chefredakteur der Bild-Zeitung aus dem Konkurrenzverlag Springer bloß. Ippen begründete sein Verbot, er habe den Eindruck vermeiden wollen, mit dem Artikel dem Konkurrenzverlag zu schaden. Spiegelt Ippens Vorgehen und Rechtfertigung den Geist wider, der im Kreis der deutschen Verleger weht, ist es um Pressefreiheit, Wettbewerb und Marktwirtschaft schlecht bestellt. Die Leser deutscher Printprodukte könnten dann ohne Sorge, etwas zu verpassen, ihre Abos kündigen. Wer seinem Blatt aber treu bleibt, muss sich von jetzt an fragen, ob der Verleger seiner Zeitung in der aktuellen Ausgabe etwas zu drucken verbot, was es denn wohl sein könnte und warum er das, was er in der Zeitung stehen ließ, zu drucken erlaubte. Österreichs Kanzler erkaufte sich Lobeshymnen in Zeitungen. Von Ippens Verhalten ist es nicht mehr weit bis zu dem Argwohn, so etwas wie in Österreich könnte es auch in Deutschland geben. – Ulrich Horn

Aufgelesen … Nr. 43 – 2012

Dienstag, 6. November 2012

Blog-Tipps

An dieser Stelle finden Sie eine Auswahl interessanter Beiträge aus Blogs. Die Aussagen der Autoren geben nicht in jedem Fall meine Meinung wieder. (uh)

1. Medien

a. Pressefreiheit damals und heute
Rudolf Augstein hat es nie gefallen, wenn ein Redakteur beim Vortrag der täglichen Nachrichtenlage zu leichtfertig Worte wie „Skandal“oder „Affäre“ benutzte, um ein Thema zu bewerten. Was bedeutete es schon, wenn ein windiger Investor ein paar Geldanleger aufs Kreuz legte; wenn ein Minister private Geschäfte mit Dienstlichem vermischte; oder ein Industriekonzern Politiker aller Parteien mit Bargeld schmierte? Alles kleine Gaunereien. Ein Skandal, pflegte Augstein zu sagen, war allenfalls, dass sich ein britischer Verteidigungsminister, zumal ein konservativer, mit einer Nutte erwischen ließ. Auch die Polizeiaktion gegen den „Spiegel“ im Oktober 1962, fügte er dann hinzu, reiche vielleicht an diese Kategorie heran.
Aus: Vocer

b. 18 Thesen zur schwindenden Pressevielfalt

Meine Kernthese* lautet: Zeitungen werden von Medienmanagern und Verlagen zu „Geschäftsmodellen“ ausgerichtet. In ausgereiften und abgeschotteten Märkten (Oligopolen) entscheiden die Werbeumsätze über die Qualität der „publizistischen Vielfalt“. Verlage vernachlässigen ihr klassisches Redaktions-Geschäft und investieren weniger in den Journalismus. Sie konzentrieren ihre Innovationen allein auf neue profitable Business-Modelle im Internet, die wenig bis nichts mit Journalismus zu tun haben. Die gesamte Geschäftspraxis der Verlage basiert auf der Trendannahme: „Print verliert – Digital gewinnt.“
Aus: Carta

2. Europa

Risiko Deutschland
Die Spannungen zwischen Berlin und Paris werden immer heftiger. Kurz nachdem Ex-Kanzler Schröder den französischen Präsidenten Hollande vor angeblichen Marktrisiken warnte, erklärte die “Bild”-Zeitung Frankreich zum Pleitekandidaten. “Wird Frankreich zum nächsten Griechenland?” hieß die infame Zeile, die der konservative “Figaro” willig aufgriff. Dabei liegen die wahren Risiken ganz woanders.
Aus: Lost in Eurpe

3. Gewerkschaften

Vaterländisch gespalten
Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB), ca. 6 Millionen Mitglieder haben die in ihm föderierten Verbände, hat den 14.11. zum „Europäischen Aktionstag“ ausgerufen. Der gewählte Begriff deutet Selbstbescheidung an – einen europaweiten Generalstreik wird es nicht geben, in der Bundesrepublik zum Beispiel werden die Gewerkschaften sich mit Solidaritätserklärungen begnügen, vielleicht kommen die üblichen Info-Stände hinzu, attac und ähnliche Gruppen werden sicherlich Helfer dafür stellen. Eine gesamteuropäische gewerkschaftliche Aktivität, die den Namen „Bewegung“ realisieren könnte, existiert nicht.
Aus: Telepolis

4. USA

Ein guter Tag fürs Nation-Building
Die US-Wahl dreht sich nicht nur um die Frage, wer ab Januar im Weißen Haus wohnen wird. Es geht um den Zusammenhalt der Gesellschaft – und ob das Interesse Einzelner über das Wohl der Nation dominieren sollte.
Aus: European

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