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Nebenbei

  • Geisels Denkmal

    Düsseldorfs Oberbürgermeister Geisel (SPD) hat sich ein Denkmal gesetzt. Sollte er 2020 abgewählt werden, bleibt von ihm: Er holte den Auftakt der Tour de France 2017 in die Stadt. Das weltweit registrierte Ereignis zog eine Million Besucher an. Hoteliers und Händler profitierten. Der Haken an der Geschichte: Geisel hat zwar die Musik bestellt, doch fehlt ihm das Geld, sie zu bezahlen. Er will einen Zuschuss vom Land. Es winkte bereits ab. Muss sich die Stadt nun weiter verschulden? Müssen Stellen gestrichen werden, um Geld freizuschaufeln? Ursprünglich waren für den Tourstart 11 Millionen anvisiert. Fünf bis sechs Millionen bewilligte der Stadtrat. Den Rest sollten Sponsoren und Einnahmen bei der Veranstaltung erbringen. Aus den Ausgaben wurden bald 13 Millionen. Heute ist sogar von 17 Millionen die Rede. Ob sie das Ende der Fahnenstange sind, ist ungewiss. Es stehen noch Rechnungen aus. Auch bei den Einnahmen hat sich Geisel verkalkuliert. Sponsoren hielten sich zurück, der Souvenirverkauf war zu hoch veranschlagt. Der VIP-Bereich war nur zur Hälfte ausgelastet. Auch er hat ein Loch gerissen. Geisel agiert wie jene Sorte Mensch, die in die Kneipe geht, tafelt, trinkt und Lokalrunden schmeißt. Und wenn dann am Ende die Rechnung kommt, treuherzig offenbart, dass sein Geldbeutel leer ist, aber tröstend beteuert, immerhin hätten doch viele profitiert und mächtig Spaß gehabt. Der Werbeeffekt des Tourstarts für Düsseldorf wird durch Geisels Finanzgebaren aufgezehrt. Längst hat sich über Düsseldorf hinaus herumgesprochen, dass er und der Rat sich etwas gönnten, das sie sich nicht leisten konnten. Mit Geisel an der Spitze macht sich Düsseldorf daran, wie Duisburg zu werden. – Ulrich Horn

Die Medien-Affäre der CSU

Palaver mit dem Zeug zur Posse

Montag, 29. Oktober 2012

Politik

(uh) Betrachtet man die Affäre um das ZDF und die CSU mit jener Distanz, die in der politischen Diskussion plötzlich en vogue ist, kommt man nicht umhin, zwei Sachverhalte festzustellen. So riesig, wie der Skandal derzeit aufgeblasen wird, ist er nicht. Und: Manches, was nun aufs Tapet kommt, erinnert an die Binsenweisheit: Die größten Feinde der Elche waren früher selber welche.

Ein ideales Demontage-Thema

Die Bedeutung, die der Vorgang erhält, hängt zum Teil mit dem bayrischen Landtagswahlkampf zusammen. Unter dem Vorwand der Pressefreiheit wird Wahlkampf gemacht. Bayerns SPD hat kein Zukunfts- und Gestaltungsthema. Die CSU-Affäre kommt ihr gerade recht. Es ist ein ideales Demontage-Thema. Es ist leicht zu handhaben, beschädigt die Regierungspartei, eignet sich, um Wechselstimmung zu erzeugen, und sorgt für bundesweite Aufmerksamkeit. Es hilft der SPD auch im Bundestagswahlkampf.

Die wahlkämpfenden Kritiker knüpfen an die Wulff-Affäre an. Damals versuchte der Bundespräsident, Einfluss auf die Berichterstattung der Bild-Zeitung zu nehmen und kippte damit fürchterlich auf. Die helle Empörung begrub den ersten Mann im Staat unter sich. Er musste gehen. Diese Erfahrung beflügelt die CSU-Gegner. Mancher erhofft sich eine Wiederholung.

Das Lamento über die gefährdete Pressefreiheit lässt außer acht, dass Eingriffe in die Arbeit der öffentlich-rechtlichen Sender zum Kerngeschäft der Parteien gehören. Politiker aller Parteien sind in den Gremien der Sendeanstalten vertreten und üben dort beinahe unbeobachtet Einfluss auf das Programm und die Personalpolitik aus, nachhaltig und im eigenen Interesse.

Der Spiegel dackelt hinterher

Die naheliegende Frage, wie man den Einfluss der Politiker beschneiden könne, wird in der aktuellen Debatte kaum diskutiert. Der parteipolitische Konflikt zwischen SPD und CSU versperrt den Blick auf den Zugriff, den die Parteien auf die Sender haben. Die Diskussion weicht auf Nebenfelder aus, ähnlich wie bei den Nebenverdiensten der Abgeordneten. Da wird über zusätzliche Honorarstufen geredet. Und von der Frage abgelenkt, ob Nebenverdienste mit öffentlichen Mandaten vereinbar sind.

Das Palaver über den Einfluss von Pressesprechern auf Journalisten und Redaktionen droht zur Posse zu werden. Fast jeder Journalist, der mit Politik und Wirtschaft zu tun hat und Einfluss auf Darstellung und Veröffentlichung nehmen kann, bekam schon einmal solche Anrufe. Warum berichtet der Spiegel erst heute, wie ihn im vergangenen Jahr die Pressesprecherin von Herrn Söder auf die Rolle schob?

Schon damals hätte er die Aktion öffentlich machen müssen. Warum geschah das nicht? Verschlief der Spiegel die CSU-Affäre wie den Wulff-Skandal, den ihm die Bild-Zeitung vorsetzte? Die CSU-Affäre deckte die Süddeutsche auf. Der Spiegel dackelt erneut hinterher und gibt das auch noch selbst zu Protokoll. 50 Jahre nach der Spiegel-Affäre dreht sich Rudolf Augstein im Grab um. Sein Magazin zehrt nur noch von vergangenen Taten.

Einflüsterer und Spindoktoren

Die Absicht der Bayern-SPD, einen Untersuchungsausschuss einzusetzen, um den Hintergrund der Affäre auszuleuchten, ist riskant. Einflussnahme ist keine Spezialität der CSU. Es sind Politiker und Pressesprecher aller Parteien, die versuchen, auf Journalisten einzuwirken. Es gibt sogar die Auffassung, dass gehöre zu ihrem Geschäft. Es liegt daher nahe zu vermuten, dass nach der CSU auch andere Parteien in die Kritik geraten könnten.

Parallel zum breit beklagten Verfall journalistischer Erfahrung ist seit einigen Jahren bei allen Parteien die Gilde der Einflüsterer und Spindoktoren angewachsen. Der Erklärungs- und Einwirkungsbedarf scheint gestiegen zu sein. Die große Schar der Einflussnehmer findet für ihre Botschaften offenbar genügend Ansprechpartner und Abnehmer, um ihren Mann (ihre Frau) zu ernähren.

Mancher, der sich über die Einflussnahme der CSU empört, bezieht seine Informationen und Erklärungsmuster von anderen Parteien. Das gilt dann nicht als Eingriff in die Pressefreiheit, sondern als Interpretationshilfe. Politiker und ihre Helfer wissen in aller Regel, wer wen instruiert, und machen sich das zu nutze. Diese Art von Beeinflussung findet ständig statt. Sie geschieht abseits der Öffentlichkeit. Nur selten wird sie – so wie jetzt – als Skandal thematisiert. Auch deshalb wirkt die Empörung ein wenig heuchlerisch.

Ein Kommentar zu “Palaver mit dem Zeug zur Posse”

  1. Katharina sagt:

    Mal was ganz anderes.
    Habe heute etliche WERBEPLAKATE vom ZDF gesehen.
    Thema: LANZ und Wetten daß.

    Haben die es schon nötig mit dem Geld der Gebührenzahler solch` teure Werbung zu machen?

    Dafür sollen die Gebühren sein?
    Das ist für mich ein Aufreger.
    Wenn die Sendung ein Selbstläufer ist, ok.
    Aber wenn man schon so teure Werbung machen muß, absetzen.

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