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Nebenbei

  • Trumps Theater

    Über die Geduld der US-Medien kann man nur staunen. Immer wieder schicken sie Journalisten zu Pressekonferenzen, bei denen Präsident Trump und seine Mitarbeiter lügen, was das Zeug hält, die Journalisten beschimpfen und deren Arbeitgeber verleumden. Es drängt sich schon die Frage auf: Müssen die Beschimpften die Lügen und Tiraden über sich ergehen lassen und sie dann auch noch verbreiten? Diese Frage provoziert die nächste: Wäre es nicht an der Zeit, den Transport der alternativen Fakten ihren Urhebern zu überlassen? Trump und seine Mitarbeiter müssten dann ihre Fakenews ohne Hilfe der meisten Medien an die Bürger bringen. Es stehen dazu Twitter, regierungsnahe Medien und auch Presseerklärungen zur Verfügung. Die Berichterstattung der geschmähten Medien über die Regierungsarbeit muss unter diesem Schritt nicht leiden. Er würde es Trump aber erschweren, sich als Opfer der Medien darzustellen und mit diesem Manöver Desinformation zu betreiben, während die Medien so arbeiten könnten wie bisher. Noch schwerer hätte er es, wenn die in Washington tätigen Medien einen Verein zur Veranstaltung von Pressekonferenzen gründeten und nahe beim Weißen Haus Büros anmieteten. Dorthin könnte der Verein dann Persönlichkeiten einladen, die zu aktuellen Themen etwas mitzuteilen haben, auch zu jenen, über die Trump gar nicht oder falsch informiert. Und schließlich, um ihm Einhalt zu gebieten: Können Journalisten und Medienunternehmen, die Trump wahrheitswidrig bezichtigt zu lügen, den Präsidenten und die US-Regierung nicht wegen übler Nachrede , Verleumdung und gegebenenfalls auch wegen Geschäftsschädigung verklagen? – Selbst wenn es ginge, würde es wohl nicht dazu kommen. Schade eigentlich. – Ulrich Horn

Den muss er rein machen

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Nebenbei

(uh) Es macht keine Freude, den Spielen der Fußball-Nationalmannschaft im Fernsehen zuzuschauen. Die Sendungen erinnern an den früheren Ostblock. Reporter, Moderatoren und Fachleute trauen sich nicht, die Sache beim Namen zu nennen: Das Spiel, das die Mannschaft am Dienstag ablieferte, war Murks. Deutschland führte nach 60 Minuten 4:0, weil Schweden 60 Minuten lang wie ein Kreisklasse-Verein spielte. Zu behaupten, Deutschland habe bis dahin eine Weltklasse-Leistung geboten, ist albern. Die Mannschaft leidet wie früher das Politbüro unter Mangel an Kritik. Sobald ein TV-Reporter wagt, sich kritisch zu äußern, tritt Herr Bierhoff auf den Plan und macht Druck. Die Sportjournalisten fügen sich. Sie sind zu Animateuren geschrumpft. Ihre Anpassungsbereitschaft scheint grenzenlos. Sie reden sogar schon wie Fußballspieler. Sie kommen mit einem Tempus aus, dem Präsens. Der Konjunktiv ist ihnen fremd. Vierjährige würden an der Sprachstandsprüfung scheitern. Denn was sagt der Sportreporter, nachdem der Ball neben das Tor geflogen ist? „Den muss er rein machen.“

3 Kommentare zu “Den muss er rein machen”

  1. Martin Böttger sagt:

    Das Problem der Sportreporter ist, dass sie ein Produkt präsentieren müssen. Journalismus ist dabei nicht vorgesehen. So ist der Deal der TV-Anstalten mit der FIFA-„Familie“.
    Einzige mir bekannte Ausnahme: „Sport inside“, montags 22.45 h im WDR-Fernsehen, außer in Ferien und wenn besonders große Produkte präsentiert werden müssen, wie WMs, EMs und Ol.Spiele.

  2. Michael Michalski sagt:

    Wie Recht Sie haben! Aus dem früheren Ostblock ist auch der Begriff der Gleichschaltung in Erinnerung. Die „National-Elf“ um Trainer Jogi Löw ist keine Mannschaft von Persönlichkeiten. Vielmehr werden die Spieler der deutschen Fußball-Nationalmannschaft wie eine 16jährige Schülermannschaft bevormundet. Kritische Einzelmeinungen werden medial „zur Emanzipation der Mannschaft gegenüber dem Trainer“ hochstilisiert. Kritisch Köpfe, Spieler mit Ecken und Kanten werden systematisch als nicht teamfähig „ausgemustert“. Übrig geblieben ist ein Spiegelbild der deutschen Gesellschaft. Eine Gemeinschaft, in der immer weniger Verantwortung übernehmen, in der die Angst Fehler zu machen die (Zivil-) Courage überlagert. Mit großem Staunen beklagt dann die deutsche Öffentlichkeit – wie im Spiel gegen Schweden die Nationalspieler den Ballverlust – das Fehlen von Führungspersönlichkeiten, die Spiele an sich reißen, ein Spiel drehen und das Verlieren von Entscheidungsspielen verhindern können. „Ciao Michael Ballack!“
    Es wäre aber unfair, nur Kritik an der Nationalmannschaft und deren Umfeld zu äußern. Es ist der DFB, der in all` seinen Strukturen auf den Prüfstand gehört. Dieser Verband führt innerhalb unserer Gesellschaft ein Eigenleben außerhalb des politischen Fassbaren und ist zu einem überbürokratisierten Verwaltungsmoster entartet – mit zu vielen politische Funktionären, die man im Ostblock Apparatschiks nannte.

  3. Katharina sagt:

    Gebt dem Volk „BROT und SPIELE“

    In der Zeit machen wir dann Politik, denn die Menschen sind abgelenkt.
    Fußball kann schön sein, aber es hat nicht die Wichtigkeit, die in Deutschland speziell von den Medien vorgegaukelt wird.

    Fußball macht Spaß, wenn es schöne, faire Spiele sind. Mehr nicht.
    Dieser Geldrausch ist widerlich.
    Schweißer, Bergarbeiter, Maurer, Dachdecker, Altenpfleger, Krankenschwestern usw. leisten ein Höchstmaß an Arbeit und werden miserabel bezahlt.
    Wenn ein Pfleger oder eine Krankenschwester sich den Rücken versaut oder anderes, gehen sie auch ein hohes Risiko ein.
    Dieses Theater um die Fußballer ist ätzend.
    Sollen ihren Job machen! Das reicht.

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