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Nebenbei

  • Schröder: Vom Kanzler zum Würstchen

    Wie viele Menschen haben wohl bedauert, dass sie der SPD 1998 ihre Stimme gaben und mit ihr deren Spitzenkandidaten Schröder zum Kanzler machten? Beschweren können sie sich nicht. Er lebte seine Schwächen schon vor seiner Kanzlerschaft hemmungslos öffentlich aus. Bereits damals war das Bild, das er von sich prägte, weniger von seiner Politik als von seinem Verhalten im Umgang mit Parteifreunden und seiner Partei bestimmt. Es stieß ab. Man musste nur hinschauen. Heute kann man sagen: Er hat einen wesentlichen Beitrag zum Verfall der Sitten in der SPD und zum Niedergang der Partei geleistet. Bezeichnend auch, dass er als Kanzler jenen Job kreierte, der ihm nach dem Abschied aus dem Amt den lang ersehnten Wohlstand brachte. Um in dessen Genuss zu kommen, schreckt der Ex-Kanzler nicht davor zurück, dem russischen Diktator Putin zu dienen. Dass ihn die Bild-Zeitung, deren Gunst er als Kanzler suchte, heute als Putins Pudel abbürstet, kommt wohl der Ansicht nahe, die viele Bürger von Schröder haben. Zu den Missständen in Russland, Weißrussland und der Türkei, die in die EU ausstrahlen, hört man von ihm kein Wort. Wohl aber kämpft er darum, dass VW in seinen Betriebskantinen die Currywurst nicht abschafft. Schröder war ein Profiteur sozialdemokratischer Bildungspolitik: Er brachte es vom Kind armer Leute zum Kanzler. Dann machte sich der Kanzler zu Putins Rudel, und nun macht sich Putins Pudel zum Würstchen. Welch eine Laufbahn! – Ulrich Horn

Will Steinbrück nur den Kleinkunstpreis?

Montag, 1. Oktober 2012

Nebenbei

(uh) Der arme Peer Steinbrück. Kaum Kanzlerkandidat, bricht über ihn der Journalismus herein. Augstein (Spiegel) entdeckt, dass Steinbrück einmal Beamter war. Und Prantl (SZ), dass Peer von Peter kommt, Peter von Petrus, und dass Petrus Fels heißt. Die einen taxieren ihn wie einen Preisboxer. Andere geben den Propheten: Sie sagen den Wahlausgang voraus. Die nächsten betätigen sich als Berater: Sie wissen, wie Merkel zu schlagen ist. Originell ist Forsa-Chef Güllner. Er meint, Steinbrück sei gar kein richtiger Kanzlerkandidat. Das alles ist aus Steinbrücks Sicht gewiss schon schwer genug zu ertragen. Doch es kommt noch dicker. Weil er für ein Interview Honorar kassierte, ist er als geldgierig verschrien. Schlecht für einen SPD-Kanzler in spe. Und so legt er sein einträgliches Aufsichtsratsmandat bei ThyssenKrupp nieder und verzichtet auf die ansehnlichen Honorare für seine Auftritte. Er lässt sich die Kandidatur durchaus etwas kosten. Gestern kündigte er an, sein Wahlkampf werde auch „lustig“. Prompt werden Zweifel wach: Ist Steinbrück doch kein Kanzlerkandidat? Ist er Kabarettist? Geht es gar nicht um die Kanzlerschaft, sondern um den deutschen Kleinkunstpreis?

3 Kommentare zu “Will Steinbrück nur den Kleinkunstpreis?”

  1. Roland Appel sagt:

    Steinbrück kann eine Menge optimieren, aber gerade seine Schwächen unterscheiden ihn sympathisch von der aalglatten Kanzlerin. Peer Steinbrück hat keine 200.000 „Freunde“ auf der Datenkrake Facebook und lässt nicht durch abgezockte Mitarbeiterstäbe Schein-Bürgernähe herbeitwittern. Zu Recht verzichtet er auf oberflächliche, sowieso nicht von ihm stammende Dialoge, die sich die Kanzlerin von Internetprofis schreiben lässt – natürlich professionell stromlinienförmig. Im Gegensatz zu ihr sucht er stattdessen den direkten Kontakt mit den Menschen, auch wenn es manchmal noch holpert oder aneckt: Was soll daran falsch sein? Muss vielleicht das Land erst wieder lernen, statt auf nichtssagende Merkel’sche Allgemeinplätze mal wieder auf eine kantige Meinungsäußerung zu hören?
    Dass er auf „Abgeordnetenwatch“ bisher 98 Fragen, davon viele zu seiner Vortragstätigkeit bei Banken und Unternehmern, nicht beantwortet hat, ist dagegen ein echter strategischer Fehler. Denn er mag es für sein gutes Recht halten, für Vorträge Honorar zu kassieren, wenn die einladenden Kreise davon nicht profitieren können, weil er kein Amt innehat. Aber von dem Moment an, in dem er Kanzlerkandidat ist, entsteht der missliche Eindruck, die „Donatoren“ hätten einen Scheck auf die Zukunft erworben, den er irgendwann einlösen müsste. Dazu sollte er sich erklären.
    Auch auf Abgeordnetenwatch, denn dort sind wirklich interessierte, politisierte Bürger unterwegs, die man vielleicht nicht in jedem Fall überzeugen kann, denen aber angemessen zu antworten lohnt, weil dieses Portal tausende politisierte Menschen beobachten und besuchen. Und dort ist – im Unterschied zu Facebook – die kritische und politisierte Internetgemeinde aktiv, die links liegen zu lassen, sich ein SPD-Kandidat 2013 sicher nicht leisten kann.

  2. Arnold Voß sagt:

    Ein qualifizierter Vortrag ist Arbeit und gute Arbeit sollte gut bezahlt werden.Das ein Vortrag denen nützt, die ihn sich anhören, bzw. bezahlen, ist ebenfalls selbstverständlich.Wer will sich einen Vortrag anhören der ihm nichts bringt.Gerade deswegen muss der Vortragende seinen Zuhörern keineswegs zum Munde reden.Im Gegenteil.

    Es kommt also auf den Inhalt des Vortrags an und nicht auf die Tatsache, das er und von wem er bezahlt wird.

  3. […] Debatte II: Will Steinbrück nur den Kleinkunstpreis?…Post von Horn […]

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