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Nebenbei

  • Vom Wähler abgewrackt

    Die einstigen Volksparteien bieten ein jämmerliches Bild. Die SPD zerfleischte sich über Jahrzehnte. Sie schrumpfte zur Kleinpartei. Rechtzeitig vor der Bundestagswahl stellte sie sich ruhig. Prompt erhielt sie Aufwind. Die Union zerfleischt sich seit 2015. Sie steigerte das Gemetzel im Wahlkampf sogar. Viele Wähler kehrten ihr erzürnt den Rücken. – Heute warten die dürftigen Reste der Volksparteien darauf, dass ihnen die kleine FDP und die kleinen Grünen zur Macht verhelfen. Union und SPD regierten in 12 der 16 Regierungsjahre Merkels gemeinsam. Beide Gruppierungen haben den Erfolg und den Misserfolg dieser Ära zu verantworten. Beide haben die Mängel verursacht, der in der Pandemie sichtbar wurden. Beide haben sich mehr mit ihren internen Problemen als mit denen des Staates und der Gesellschaft befasst. Dass beide nicht gewohnt sind, sachgerecht zu agieren, zeigte sich in der Pandemie. Dass sie der jeweils anderen Partei vorwerfen, die Modernisierung des Landes verschlafen zu haben, ist lächerlich. Die Wähler sind nicht dumm. Sie wissen: Beide Parteien haben sich durch eigenes Verschulden auf Grund gesetzt. Die Wähler haben begonnen, beide Volksparteien abzuwracken. Der SPD gaben sie bei der Bundestagswahl noch einmal Paddel, der Union nahmen sie die Segel. Doch ohne die Schlepper FDP und Grüne kämen die beiden schrottreifen Dickschiffe nicht mehr vom Fleck. – Ulrich Horn

Aus zwei Schwachen erwächst keine Stärke

Dienstag, 18. September 2012

Politik

(uh) Die NRW-CDU gerät immer mehr aus den Fugen. Der absurde Landtagswahlkampf ihres Spitzenkandidaten Röttgen und die schwere Wahlniederlage haben den größten CDU-Landesverband geschwächt. Nun droht auch seine Erneuerung zum Desaster zu werden.

Erwartung nicht erfüllt

Die Niederlage und ihre Umstände bescherten der NRW-CDU hohe Stimmverluste und beschädigten ihr Ansehen. In ihren ländlichen Hochburgen schmolz ihr Polster. Im Ruhrgebiet schrumpfte sie fast zur Randpartei. Nach der Wahl konnte sie sich nicht auf eine einheitliche Führung verständigen. Sie teilte die Führungsaufgaben, obwohl sie mit diesem Konzept schon einmal scheiterte.

Nun führt Laschet die Landespartei, Laumann die Landtagsfraktion. Die Doppelspitze galt als Übergangslösung. Man rechnete damit, dass Laumann 2013 in den Bundestag wechseln und Laschet dann auch den Landesvorsitz übernehmen würde. Diese Erwartung erfüllt sich nicht. Laumann verzichtet darauf, für den Bundestag zu kandidieren.

In NRW besser bezahlt

Er traut sich einen neuen Start in der Bundespolitik wohl nicht mehr zu. Er ist zwar noch Chef des CDU-Arbeitnehmerflügels. Seine Schwerpunkte in der Sozial-, Arbeits- und Gesundheitspolitik sind in Berlin jedoch längst an Parteifreunde vergeben. Es wäre für ihn schwer geworden, in Berlin Einfluss zurückzugewinnen. Diese Mühe will er sich offenbar nicht mehr machen.

Ein weiteres Motiv für den Verzicht könnte finanzielle Hintergründe haben. In der Partei wird darauf hingewiesen, dass der NRW-Fraktionschef wesentlich besser bezahlt wird als ein Bundestagsabgeordneter. Dies könnte Laumanns Entscheidung, in Düsseldorf zu bleiben, zusätzlich befördert haben, heißt es in der CDU.

Parallelen zu Röttgen

Laumann selbst begründet seine Entscheidung damit, dass er nicht „auf zwei Pferden gleichzeitig reiten“ wolle. Er sei für den Landtag gewählt worden und wolle die Landespartei nicht im Stich lassen, sagte er der Münsterschen Zeitung. Er wolle daran mitarbeiten, der NRW-CDU das Vertrauen der Wähler zurückzugewinnen.

In Teilen der NRW-CDU wird diese Begründung als Drohung verstanden. Laumann signalisiere damit, dass er Laschet das Leben schwer machen könne. Schon werden Parallelen zu Röttgen gezogen, der vor allem seine eigenen Interessen im Blick hatte. Laumann verhalte sich inzwischen ähnlich destruktiv.

In Teilen der Partei umstritten

Er gilt in der NRW-CDU als ungeeignet, bei der Landtagswahl 2017 als CDU-Spitzenkandidat gegen SPD-Ministerpräsidentin Kraft anzutreten. Auch als Fraktionschef wird er eigentlich nicht gebraucht. Er blockiert die Fraktionsspitze, über die sich Laschet als Spitzenkandidat für die nächste Wahl optimal profilieren könnte.

Laumanns Entscheidung, in Düsseldorf zu bleiben, leistet Spekulationen über einen Machtkampf mit Laschet Vorschub. Das macht beide angreifbar. Das Regierungslager nutzte die Teilung der Führungsverantwortung bereits, um Laumann und Laschet im Landtag gegeneinander auszuspielen. Die Gelegenheiten dazu werden sich häufen.

Laschets Chancen, Laumann aus der Fraktionsführung zu drängen, stehen schlecht. Der Fraktionschef hat Rückhalt in Partei und Fraktion, auch weil ihn Röttgens Anhänger unterstützen. Zudem ist Laschet selbst in Teilen der Partei umstritten. Vor allem in konservativen CDU-Hochburgen des Münster-, Sauer- und Siegerlandes, aber auch im Ruhrgebiet stößt er auf Vorbehalte.

Es fehlt das Zeug zum Machtpolitiker

Er zahlt nun die Zeche für seine Fehler. Es rächt sich, dass er nach der Wahlniederlage nicht den Mut aufbrachte, die Machtfrage aufzuwerfen und die Landespartei vor die Wahl „Laschet oder Laumann“ zu stellen. Mit diesem Versäumnis offenbarte er, dass ihm das Zeug zum Machtpolitiker fehlt. Ein Handicap, das er so schnell nicht los wird.

Die fortgesetzte Selbstschwächung der NRW-CDU könnte für die Bundes-CDU zum Problem werden. Es ist nicht garantiert, dass der Bundestagswahlkampf der NRW-CDU reibungslos verlaufen wird. Selbst wenn Laschet und Laumann bis zur Wahl still halten: Aus zwei schwachen Führungskräften wird keine Stärke erwachsen. Sollten sich beide gegenseitig blockieren, dürfte sich schon bald die Frage aufdrängen, wer sie denn beerben könnte.

 

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2 Kommentare zu “Aus zwei Schwachen erwächst keine Stärke”

  1. Pottblog sagt:

    Links anne Ruhr (18.09.2012)…

    Duisburg: Es knirscht im Ratsbündnis (NRZ.de) – Bochum: Stadtwerke verlängern Steag-Pakt (Westfalenpost.de) – Essen: Straßenname Hindenburg soll auch in Essen fallen (WAZ.de) – Oberhausen: 15. iOS-Talk, ein Double-Feat…

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