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Nebenbei

  • Die Büttenredner der SPD

    Zum Wochenwechsel beschäftigte sich die Republik mit zwei lokalen Ereignissen – mit dem Karneval und der Hamburg-Wahl. Beide Veranstaltungen vermittelten sich wie üblich in großem Stil über die öffentlich-rechtlichen TV-Sender. Es war schwer zu unterscheiden, ob gerade der Karneval oder die Wahl übertragen wurde. Hamburgs SPD-Bürgermeister hörte gar nicht auf, das Wahlergebnis seiner Partei zu bejubeln, obwohl sie mit mehr als sechs Prozentpunkten den höchsten Verlust aller Parteien erlitt. Die SPD-Chefs Esken und Walter-Borjans übertrafen den Bürgermeister noch. Sie beschränkten sich nicht darauf, das magere Ergebnis als Erfolg zu feiern. Sie beanspruchten auch, ihn mitbewirkt zu haben. Dabei weiß die ganze Republik: Hamburgs SPD hatte sich verbeten, dass Esken und Walter-Borjans im Wahlkampf auftraten. Die beiden SPD-Chefs sind schließlich angetreten, gerade jene politische Richtung in der SPD zu bekämpfen, deren Hamburger Wahlergebnis sie nun in den Wahlsendungen feierten und sogar für sich reklamierten. Wie viele Zuschauer fühlten sich wohl von den beiden SPD-Chefs belogen? Wie vielen vermittelten Esken und Walter-Borjans wohl, dass man auf das Wort von Politikern und auf ihres im Besonderen nichts geben kann? Für alle anderen machten sich Esken und Walter-Borjans über die Hamburg-Wahl zu Narren. Viele Zuschauer werden ihre Stellungnahmen als Büttenreden verstanden haben. Kürzlich war zu lesen, Walter-Borjans erwäge, zur Bundestagswahl 2021 als Kanzlerkandidat anzutreten. Seine Wahlkampfbotschaft und sein Wahlslogan dürften schon feststehen: SPD alaaf, SPD helau. – Ulrich Horn

Laschets langer Aufgabenkatalog

Samstag, 26. Mai 2012

Politik

(uh) Die NRW-CDU will ihre Zukunft mit einer Doppelspitze gestalten. Das Modell ist in der Vergangenheit stets gescheitert. Dennoch sollen es die beiden Landtagsabgeordneten Laschet als Parteichef und Laumann als Fraktionschef noch einmal ausprobieren. Nach dem leichtfertigen und teuer bezahlten Experiment mit Röttgen an der Spitze geht die NRW-CDU nun erneut ein großes Risiko ein.

Nicht nur die Ämtertrennung kann fehlschlagen. Die Erneuerung steht auch unter Zeitdruck. Bis zur Bundestagswahl 2013 und zur Kommunalwahl 2014 muss die NRW-CDU in Hochform sein. Ob die Erneuerung gelingt, wird sich an den Wahlergebnissen zeigen. Schlechte Resultate hätten weit reichende Folgen. Sie würden das Ende der CDU-geführten Bundesregierung und das Aus für viele Bürgermeister und Ratsmitglieder bedeuten.

Die Erneuerung wäre schon schwer genug, wenn Laschet und Laumann befreundet wären. Sie mögen sich aber nicht. Sie belauern sich seit langem. Noch sitzen sie nicht im Sattel, da sticheln sie bereits gegeneinander. Aus Laschets Lager verlautet, Laumann werde 2013 nach Berlin wechseln. Laumann fordert, Laschet müsse Röttgen auch als Vize-Chef der Bundes-CDU ablösen.

Wenn beide Seiten so weiter machen, wird das böse enden. Das Doppel Laschet-Laumann wird sich umstellen müssen. Es kann nur funktionieren, wenn jeder vermeidet, dem anderen ins Gehege zu kommen.

Es ist Laschet, auf den die meiste Arbeit zukommt. Schon zu Rüttgers Zeiten hatte die NRW-CDU mit Problemen zu kämpfen. Unter Röttgen und Wittke haben sie sich vergrößert.

Die Partei hat mehr als vier Millionen Euro Schulden. Das schlechte Wahlergebnis und sinkende Beitragseinnahmen wegen rückläufiger Mitgliederzahlen verschärfen die Finanzlage. Laschet muss Stellen abbauen. Von einem Drittel ist die Rede. Der Umbau muss friedlich ablaufen. Andernfalls gefährdet er die Wahlkämpfe.

Auch in der Landeszentrale muss Laschet Kosten senken. Gleichzeitig muss er die Effizienz der Landesgeschäftsstelle steigern. Im NRW-Wahlkampf vermissten viele Wahlkämpfer Professionalität. Die Schaltzentrale der Landespartei erschien zu behäbig und nicht kampagnefähig. Zudem muss die Zentrale die Kontakte zu Meinungsforschung, Wissenschaft, Brain Trusts und Strategieinstituten wiederbeleben.

Laschet gilt als Modernisierer und Vertreter der Großstadt-Union. Sie erzielte bei der Wahl sehr schlechte Ergebnisse. Demnächst muss er auch die konservative Union der ländlichen Regionen repräsentieren, die bei Wahlen die meisten Stimmen bringt, bei der NRW-Wahl jedoch zu wenig mobilisiert wurde und nun ihr Gewicht in der Partei schwinden sieht. In welchen Umfang die NRW-CDU Schlagkraft zurückgewinnt oder weiter verliert, wird auch davon abhängen, ob Laschet das Kunststück gelingt, der Großstadtpartei auf die Beine zu helfen und einem zeitgemäßen Konservatismus Geltung zu verschaffen.

Er muss das Verhältnis zur Bundespartei verbessern und die NRW-Union zu den anderen Landesverbänden neu ausrichten. Unter Rüttgers hatten sich die einst engen Beziehungen zur CDU Niedersachsen gelockert. Röttgen wiederum wurden enge Kontakte zu Niedersachsens CDU-Chef McAllister nachgesagt. Unter Rüttgers waren die Beziehungen zur CDU Baden-Württemberg belastet. Laschet selbst hat Differenzen mit der konservativen Hessen-Union.

In der NRW-CDU hat er die Chance, auch personell Weichen zu stellen. Neben dem Amt des Generalsekretärs sind vier der fünf Stellvertreter-Posten neu zu besetzen. Mit einer klugen Auswahl könnte Laschet das Signal auf Erneuerung und Aufbruch stellen.

Das trägt nur, wenn der Personalwechsel mit neuen Inhalten verbunden wird. In der Schulpolitik, dem Kernbereich der Landespolitik, setzte Röttgen mit dem Schulfrieden zwar einen Meilenstein. Die Union verlor aber das Thema Schulorganisation, das ihr Identität verlieh und sie von anderen Parteien abgrenzte. Nun muss sie sich das Thema Schule unter den Bedingungen des Schulfriedens erschließen und sich neue Profilierungschancen eröffnen.

Unter Röttgen hat das Verhältnis zur Wirtschaft schwer gelitten. Laschet muss den Dialog mit den Unternehmern erneuern und die Kontakte zu Mittelstand, Energiewirtschaft und Gewerkschaften verbessern. Die Themen reichen vom Klimaschutz bis zur Energiewende.

Die NRW-CDU muss auch eine Politik für das Ruhrgebiet entwickeln. Dort liegt die Partei unter 20 Prozent. Setzt sich der Niedergang fort, wird die CDU in NRW auf keinen grünen Zweig mehr kommen. In Duisburg und Dortmund ist die Partei kaum noch vorhanden. Seit Norbert Lammert den Bezirksvorsitz abgab, hat es keine Impulse mehr gegeben.

Ob Bildung, Wirtschaft oder Finanzen: Das Wohlstandsgefälle zwischen dem armen Ruhrgebiet und der prosperierenden Rheinschiene ist gewaltig. In Revierstädten werden Sparpakete diskutiert, die zwar die Lebensqualität noch weiter einschränken, die Ursachen der Verschuldung jedoch nicht beheben. Die demographische Entwicklung, der Stand der Integration und der Fachkräftemangel erfordern eine viel rigorosere Kooperation, als sie die Städte praktizieren. In all diesen Diskussionen spielt die CDU bisher kaum eine Rolle.

Die Aufgaben dieses Katalogs haben eines gemeinsam: Sie sind konfliktträchtig. Mit ein paar falschen Bewegungen kann sich Laschet jede Menge Feinde machen. Käme es dazu, würde das Ziel, die NRW-CDU für die nächsten Wahlen fit zu machen, rasch in weite Ferne, das Ende seiner Amtzeit jedoch sehr nahe rücken. Bei ausbleibendem Erfolg wird Laschet zu einem Mann des Übergangs.

Bei den aktuellen Diskussionen im Landesvorstand fiel manchem auf, dass der Generalsekretär der Bundespartei, Hermann Gröhe, sehr aufmerksam zuhörte, doch beharrlich schwieg. Gröhe gehört zur NRW-CDU. Er kommt aus Neuss.

 

 

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3 Kommentare zu “Laschets langer Aufgabenkatalog”

  1. Gertrud Theisen sagt:

    Viele in der NRW-CDU warten darauf, dass Laschet an seinem eigenen Ehrgeiz scheitern wird. Ich halte es übrigens für unzutreffend, dass der Aachener Politiker für irgendetwas steht – etwa für Modernisierer, für Politik in den Großstädten o.ä.

    Ich glaube, er steht vor allem für sich selbst und seine eigen Eitelkeit. Er nutzt jetzt die willkommene Vorlage nach der verlorenen NRW-Wahl, sich als Retter anzubieten. Im Gegensatz zu Karl-Josef Laumann, einem ausgewiesenen Sozialpolitiker, hat er keine Grundsätze, die bislang erkennbar geworden sind. Laumann hat zwar auch Fehler, die er selber kennt. Doch er ist authentisch und wäre in der Lage, in kritischer Lage die NRW-Union zusammen zuhalten. Das zeigt leider aber auch, wie knapp die Personaldecke im größten Landesverband der CDU ist. Die Jungen ducken sich noch weg.

  2. Kritikus sagt:

    Zu Gertrud Theisen: Nein,die Jungen ducken sich nicht. Sie haben sicherlich keine politische Erfahrung, doch sind sie nicht mehr so blind und dumm,wie die Deutschen vor 79 Jahren. Denn mit Grosskotzerei und Polterei kann man heute den Otto-Normalverbraucher nicht mehr berauschen. Der Minister muss selbst in seinem Ministerium bzw.Ministerien schon etwas Sachkenntnisse besitzen und die hat nun mal auch ein tüchtiger Maschinenschlosser nicht. Mit Poltern geht das nicht

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