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Nebenbei

  • Trumps Theater

    Über die Geduld der US-Medien kann man nur staunen. Immer wieder schicken sie Journalisten zu Pressekonferenzen, bei denen Präsident Trump und seine Mitarbeiter lügen, was das Zeug hält, die Journalisten beschimpfen und deren Arbeitgeber verleumden. Es drängt sich schon die Frage auf: Müssen die Beschimpften die Lügen und Tiraden über sich ergehen lassen und sie dann auch noch verbreiten? Diese Frage provoziert die nächste: Wäre es nicht an der Zeit, den Transport der alternativen Fakten ihren Urhebern zu überlassen? Trump und seine Mitarbeiter müssten dann ihre Fakenews ohne Hilfe der meisten Medien an die Bürger bringen. Es stehen dazu Twitter, regierungsnahe Medien und auch Presseerklärungen zur Verfügung. Die Berichterstattung der geschmähten Medien über die Regierungsarbeit muss unter diesem Schritt nicht leiden. Er würde es Trump aber erschweren, sich als Opfer der Medien darzustellen und mit diesem Manöver Desinformation zu betreiben, während die Medien so arbeiten könnten wie bisher. Noch schwerer hätte er es, wenn die in Washington tätigen Medien einen Verein zur Veranstaltung von Pressekonferenzen gründeten und nahe beim Weißen Haus Büros anmieteten. Dorthin könnte der Verein dann Persönlichkeiten einladen, die zu aktuellen Themen etwas mitzuteilen haben, auch zu jenen, über die Trump gar nicht oder falsch informiert. Und schließlich, um ihm Einhalt zu gebieten: Können Journalisten und Medienunternehmen, die Trump wahrheitswidrig bezichtigt zu lügen, den Präsidenten und die US-Regierung nicht wegen übler Nachrede , Verleumdung und gegebenenfalls auch wegen Geschäftsschädigung verklagen? – Selbst wenn es ginge, würde es wohl nicht dazu kommen. Schade eigentlich. – Ulrich Horn

NRW-Wahl: TV-Duell ohne Zuschauer

Donnerstag, 19. April 2012

Politik

(uh) Oft sind es kleine Dinge, die zeigen, wie es um die großen steht. Das trifft auch für den CDU-Wahlkampf zu, der weithin auf Kritik stößt. Warum er so rätselhaft erscheint, zeigt sich beispielhaft an dem geplanten TV-Duell zwischen Röttgen und Kraft.

Er signalisierte zunächst, dass er an vielen Duellen interessiert sei. Seine Hoffnung: Es würde dann besonders deutlich, dass er der bessere Kandidat sei.

Kraft lehnte wie erwartet ab. Die SPD liegt in den Umfragen vor der CDU. Krafts Beliebtheitswerte übersteigen Röttgens’ Werte bei weitem. Sie kann bei solchen Duellen kaum noch hinzugewinnen. Dagegen wüchse mit jedem gemeinsamen Auftritt die Gefahr, ihn aufzuwerten und ihm Auftrieb zu verschaffen. Dennoch fand sich Kraft zum Duell bereit, aber nur zu einem einzigen. Sie will sich nicht nachsagen lassen, sie kneife.

Man muss diese Duelle nicht überbewerten. Sie gelten zwar als Höhepunkte jedes Wahlkampfes. Doch die wenigsten entscheiden Wahlen. Mit einem guten Auftritt kann Röttgen sicher seine Wahlkämpfer motivieren. Doch wenn er den Umfragetrend stoppen und umkehren will, müsste er Kraft schon stark ins Stolpern bringen. Damit ist kaum zu rechnen. Kraft hat an TV-Erfahrung gewonnen.

Dennoch bietet das Duell Röttgen die Gelegenheit, sich auf großer Bühne vor der breiten Öffentlichkeit ins rechte Licht zu setzen und die Kontrahentin schlecht aussehen zu lassen.

Deshalb waren viele in der CDU sehr erstaunt, als bekannt wurde, dass er sich mit Kraft am 30. April duellieren wird. Es handelt sich um einen Montag. Es ist der Brückentag zwischen Samstag, dem 28. April, und Dienstag, dem 1. Mai, dem Tag der Arbeit, einem Feiertag.

Viele Wähler werden den Brückentag für ein verlängertes Wochenende nutzen und in den Kurzurlaub fahren. Viele, die in NRW bleiben, werden an diesem Montagabend auch nicht vor dem Fernseher sitzen. Sie werden in den Mai tanzen. Will man mit dem TV-Duell möglichst viele Menschen erreichen, ist der 30. April 2012 ein ganz besonders schlechter Tag.

Dass sich Röttgen und CDU-Generalsekretär Wittke auf diesen Termin einließen, brachte viele CDU-Wahlkämpfer aus der Fassung. Mit der Zustimmung zum 30. April kamen die beiden Speerspitzen des CDU-Wahlkampfes den Interessen Krafts entgegen. Sie ließen zu, dass die Breitenwirkung des Duells nun wohl sehr stark eingeschränkt sein wird.

Röttgen und Wittke haben sich übertölpeln und von der NRW-SPD über den Tisch ziehen lassen. Darüber schimpfen CDU-Wahlkämpfer noch heute. Manchen scheint es, als wolle Röttgen gar nicht gewinnen. Sie irritiert, dass er gegen alle Regeln verstößt, die man beachten muss, um bei Wahlen erfolgreich zu sein.

 

 

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