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Nebenbei

  • Steinmeier und Yücel

    In der Türkei sitzen viele Dutzend Journalisten im Gefängnis. Unter ihnen befindet sich auch Deniz Yücel, Er ist türkischer und deutscher Staatsbürger. Bundespräsident Steinmeier hat seine erste Rede für einen Appell an den türkischen Präsidenten Erdogan genutzt. „Geben Sie Deniz Yücel frei!“ Eine selbstverständliche und dennoch bemerkenswerte Forderung. Die meisten Bundespräsidenten hielten sich aus der Tagespolitik heraus. Dass Steinmeier anders verfährt, hat ihn viel Lob eingebracht. Es hieß, er sei ein Präsident mit Biss, ein Mann, der klare Kante zeigt. Wem nutzt dieser Auftritt? Zunächst ihm selbst. Die positive Resonanz ermuntert ihn, dem eingeschlagenen Weg zu folgen. Risikolos ist er nicht. Er kann ihn über die Grenze hinausführen, von der an er zum Richter über die Politik der Regierung wird. Genützt hat Steinmeiers Auftritt auch jenen Bürgern, denen er aus dem Herzen sprach. Sie können sich verstanden fühlen. Nützt Steinmeiers Auftritt aber auch Yücel? Erdogan wird wohl den Teufel tun und ihn freilassen. Mit Steinmeiers Appell ist der Fall zur Prestigefrage geworden. Gäbe Erdogan nach, würde er in den Augen seiner Anhänger Schwäche zeigen. Er hätte sich deutschem Druck gebeugt und eingestanden, dass Yücel unrechtmäßig festgehalten wurde. Erdogan verlöre sein Gesicht. Je heftiger er öffentlich bedrängt wird, desto länger wird er Yücel festhalten. Der Journalist wird vermutlich erst freikommen, wenn gewährleistet ist, dass Erdogan sein Gesicht behält. Für Yücel aussichtsreicher wäre es wohl, statt mit öffentlichen Appellen auf diplomatischem Wege Druck auszuüben. Erdogan wird das Gefängnistor erst öffnen, wenn es für ihn teurer wird, Yücel gefangen zu halten als ihn freizulassen. – Ulrich Horn

Ein Überbleibsel verlässt das Revier

Donnerstag, 19. April 2012

Sport

(uh) Vor zwei Jahren kam der spanische Fußballspieler Raul ins Ruhrgebiet, von den Königlichen in Madrid zu den Knappen auf Schalke. Das hat dem Klub, der Region und dem Fußball gut getan. Im Rückblick scheint es, als habe nicht Schalke in Raul investiert, sondern Raul in den Verein und den deutschen Fußball.

In der kurzen Zeit auf Schalke demonstrierte er, dass man auf hohem Niveau Fußball spielen kann, ohne sich als Rüpel oder Kampfschwein aufzuführen. Er vermittelt Stil und Haltung, die man im Fußball längst nicht mehr erwartet, seit der DFB und seine Vereine die Mitglieder von Banden als Fans betrachten.

Raul wirkt in der zügellosen Fußballszene wie ein Überbleibsel aus einer anderen Zeit. Unvorstellbar, dass er jemanden mutwillig verletzt, wie dies sein Mannschaftskollege Jones mit Marco Reus vor aller Augen tat. Undenkbar auch, dass Raul sich zu Herabwürdigungen versteigt, wie sie der Dortmunder Großkreutz auszuscheiden pflegt, wenn es gegen Schalke geht.

Raul hat halt Charakter. Deshalb fällt sein Auftritt weit über Schalke hinaus auf. Er bildet einen starken Kontrast zu den Entgleisungen, die auf den Plätzen, den Rängen und zwischen den Vereinsspitzen an der Tagesordnung sind. Er führt vor, dass man mit vollem Einsatz um den Erfolg kämpfen und dennoch dem Gegner Respekt zollen kann. Die Bescheidenheit dieses Fußball-Weltstars hebt sich wohltuend von der Großkotzigkeit der Fußball-Zwerge ab, die sich im und um den Profi-Fußball breit gemacht haben.

Selbst bei seinem Abgang von Schalke wird sein Format sichtbar. Er begründet seinen Abschied mit den Interessen seiner Familie. Unwillkürlich denkt man an die jämmerlichen Auftritte, mit denen solche Figuren wie Matthäus und Effenberg von sich Reden machen.

 

 

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