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Nebenbei

  • Corona, Hass-Fans, Hopp

    In der Corona-Krise findet sich auch Gutes. Die Spiele der Fußballbundesliga fallen vorerst aus. So bleiben den Fußballfreunden die hässlichen Tiraden erspart, mit denen die Hass-Fans auf den Rängen das Spiel auf dem Rasen immer wieder missbrauchen. Jüngst nutzten sie die Aufmerksamkeit, die der Fußball findet, um Dietmar Hopp, den Mäzen des Klubs TSG 1899 Hoffenheim, wieder einmal zu beleidigen und zu bedrohen. Die Hass-Fans behaupten, sie kämpften gegen die Kommerzialisierung des Spiels. Wohl aber wollen sie Fußball auf höchsten Niveau sehen, das nur mit viel Geld zu erreichen ist. Dass die Hass-Fans diesen Widerspruch nicht bemerken, gibt zu denken. Ihre Aktionen fanden große Resonanz, die scharfe Ablehnung, auf die sie stießen, ebenfalls. Von Konsequenzen für die Hass-Fans aber ist so gut wie nichts zu hören. Was tun sie nun am Wochenende ohne Fußball? Sie sollten Zeitung lesen. Dann könnten sie erfahren: Der Milliardär Hopp, den sie so sehr hassen, fördert nicht nur den Klub Hoffenheim, sondern auch das Tübinger Biotech-Unternehmen CureVac. Es forscht nach einem Impfstoff gegen das Corona-Virus, das sogar den Fußballbetrieb und die Hass-Fans lahmgelegt hat. Die Forschung der Hopp-Firma gilt als vielversprechend. Es könnte durchaus passieren, dass Hopps Unternehmen den Impfstoff findet, der das Coronavirus unschädlich und den Besuch im Fußballstadion auch für die Hopp-Hasser wieder ungefährlich macht. Sie stünden dann noch belämmerter da als schon heute. Ob sie das begreifen? – Ulrich Horn

Röttgen steckt ein Licht an

Donnerstag, 12. April 2012

Politik

(uh) Im Wahlkampf dreschen Politiker jede Menge leeres Stroh. Die Bürger wissen das. Viele hören gar nicht mehr hin.

Doch hin und wieder lohnt es sich aufzuhorchen. Und zwar immer dann, wenn ein Politiker zu erkennen gibt, dass ihm ein Licht aufgegangen ist. Das scheint gerade dem CDU-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl in NRW, Norbert Röttgen, passiert zu sein. Er steckte jetzt ein Licht an.

Offenbar hat er entdeckt, dass die Lebensbedingungen in Deutschland weitgehend von Politikern gestaltet werden. Und dass manches, was sie beschlossen haben, die Lebensbedingungen erschwert. Dazu gehört auch der Skandal, dass sich die Lehrinhalte der Schulen von Bundesland zu Bundesländchen deutlich unterscheiden.

Mit gravierenden Konsequenzen für die Bürger. Wer mit Schulkindern umzieht, riskiert, dass sie den Anschluss verlieren und die Familie jahrelang darunter leidet. Die unterschiedlichen Schulinhalte sind kinder-, familien- und wirtschaftsfeindlich. Wirtschafts- und Sozialpolitiker fordern Mobilität. Gleichzeitig lassen sie zu, dass Schulpolitiker Mauern und Hürden errichten. Mit diesem Widersinn lebt Deutschland seit Jahrzehnten.

Nun will sich Röttgen dieses politisch erzeugten und tolerierten Missstandes annehmen. Er will ihn beseitigen und macht das im Wahlkampf zum Thema. In einer Presseerklärung schreibt er:

„Schule muss sich der wachsenden Mobilität in unserer Gesellschaft anpassen. Ein Schulwechsel in ein anderes Bundesland darf nicht zum familiären „Angstthema“ werden. Ich werde mich als Ministerpräsident dafür einsetzen, dass wir uns länderübergreifend auf gemeinsame Lerninhalte in den Kernfächern verständigen. Wir dürfen nicht zulassen, dass innerhalb Deutschlands zunehmend „Schulgrenzen“ errichtet werden, während Europa erfreulicherweise immer stärker zusammenwächst. Ein Schulwechsel zwischen zwei Bundesländern muss jederzeit unkompliziert möglich sein.“

Ein schönes Ziel. Und endlich einmal ein Wahlkampf-Vorstoß mit Sinn und Verstand. Röttgens Ankündigung kommt nicht als das übliche Wahlgeschenk daher, mit dem sich Politiker aus Steuermitteln Popularität erkaufen wollen. Es geht vielmehr um den eigentlichen Zweck der Politik, den sie viel zu oft verfehlt: Sie soll das Leben erleichtern.

Die Schule ist nicht der einzige Bereich, der das Leben erschwert. Im Gespräch mit den Bürgern könnten Politiker und ihre Berater leicht herausfinden, wo es sonst noch hakt und klemmt. So könnte der Wahlkampf für Politiker zum Wettstreit über die Frage werden, was sie sonst noch neu ordnen, vereinfachen und modernisieren könnten, um die Lebensumstände zu verbessern.

Selbst wenn es Röttgen nicht schafft, Ministerpräsident zu werden, wonach es derzeit ja aussieht: Sein Vorstoß ginge nicht ins Leere. Wer immer nach dem 13. Mai in NRW regiert und Schulpolitik betreibt, wird nicht umhin kommen, sich mit dem Angstthema „Umzug in ein anderes Bundesland“ zu befassen.

 

 

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