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Nebenbei

  • Die Büttenredner der SPD

    Zum Wochenwechsel beschäftigte sich die Republik mit zwei lokalen Ereignissen – mit dem Karneval und der Hamburg-Wahl. Beide Veranstaltungen vermittelten sich wie üblich in großem Stil über die öffentlich-rechtlichen TV-Sender. Es war schwer zu unterscheiden, ob gerade der Karneval oder die Wahl übertragen wurde. Hamburgs SPD-Bürgermeister hörte gar nicht auf, das Wahlergebnis seiner Partei zu bejubeln, obwohl sie mit mehr als sechs Prozentpunkten den höchsten Verlust aller Parteien erlitt. Die SPD-Chefs Esken und Walter-Borjans übertrafen den Bürgermeister noch. Sie beschränkten sich nicht darauf, das magere Ergebnis als Erfolg zu feiern. Sie beanspruchten auch, ihn mitbewirkt zu haben. Dabei weiß die ganze Republik: Hamburgs SPD hatte sich verbeten, dass Esken und Walter-Borjans im Wahlkampf auftraten. Die beiden SPD-Chefs sind schließlich angetreten, gerade jene politische Richtung in der SPD zu bekämpfen, deren Hamburger Wahlergebnis sie nun in den Wahlsendungen feierten und sogar für sich reklamierten. Wie viele Zuschauer fühlten sich wohl von den beiden SPD-Chefs belogen? Wie vielen vermittelten Esken und Walter-Borjans wohl, dass man auf das Wort von Politikern und auf ihres im Besonderen nichts geben kann? Für alle anderen machten sich Esken und Walter-Borjans über die Hamburg-Wahl zu Narren. Viele Zuschauer werden ihre Stellungnahmen als Büttenreden verstanden haben. Kürzlich war zu lesen, Walter-Borjans erwäge, zur Bundestagswahl 2021 als Kanzlerkandidat anzutreten. Seine Wahlkampfbotschaft und sein Wahlslogan dürften schon feststehen: SPD alaaf, SPD helau. – Ulrich Horn

Die NRW-Linke vor dem Absturz

Freitag, 30. März 2012

Politik

(uh) Mit dem Einzug ins NRW-Parlament 2010 verband die Linke große Hoffnungen. Erst 2007 gegründet, wollte sie sich in NRW als dauerhafte Kraft etablieren. Außerdem wollte sie als Zünglein an der Waage das Land aus der Opposition heraus mitgestalten. Beides ist ihr nur sehr unzureichend gelungen.

Dabei waren die Voraussetzungen besonders günstig. Nach der Wahl kam im Landtag keine klare Mehrheit zustande. Die rot-grüne Minderheitsregierung brauchte für ihre Projekte Unterstützung aus der Opposition. Da sich Rot-Grün vorwiegend darauf beschränkte, Entscheidungen der schwarz-gelben Vorgängerregierung rückgängig zu machen, konnte die Hilfe nur von den elf Abgeordneten der Linken kommen.

Die Fraktion unterstützte den Plan der Regierungsparteien, die Studiengebühren abzuschaffen und die Mitbestimmung im öffentlichen Dienst zu verbessern. Auch die Schuldenpolitik der rot-grünen Minderheitsregierung trug sie mit, ohne dass es ihr gelang, für ihre Zustimmung spektakuläre Gegenleistungen zu erreichen.

Mit der Zeit kollidierten die Pläne der Regierung mit den Vorstellungen der Linken. Den Schulfrieden in NRW trug sie nicht mit. Auch den Schwenk in der Finanzpolitik, den das Verfassungsgericht durchsetzte, vollzog die Linke nicht nach. Mitte 2011 schaltete sie auf Konfrontation zur Landesregierung um. Die Koalition zeigte sich zunehmend unwillig, die Duldung der Linken mit kleinen Zugeständnissen zu erkaufen.

Der Linken wurde ziemlich früh klar, dass die rot-grüne Koalition auf Neuwahlen zusteuerte. Obwohl die Linke seit dem Herbst 2011 immer wieder auf die Gefahr von Neuwahlen hinwies, tat sie am Ende nichts, um sie zu verhindern. Sie lehnte wie CDU und FDP den Haushalt 2012 ab, obwohl ihr klar sein musste, dass die Koalition die Gelegenheit für Neuwahlen nutzen würde.

Seit der Landtagswahl 2010 wurde die Politik der Linken fast ausschließlich über das Handeln der Landtagsfraktion wahrgenommen. Die Fraktion bildete das Zentrum der Linken. Die Landespartei trat kaum in Erscheinung. Als politischer Impulsgeber und Akteur war sie kaum wahrzunehmen. Dabei bieten ihr die politischen und gesellschaftlichen Umstände – etwa die zunehmende Verarmung breiter Bevölkerungskreise und die wachsende Zahl prekärer Arbeitsverhältnisse – genügend Möglichkeiten, sich zur Geltung zu bringen.

Die Partei schaffte es bisher jedoch nicht, sich in den Wählerschichten, denen sie sich besonders verpflichtet fühlt, stärker zu verankern und Fuß zu fassen. Die lokalen Parteiorganisationen, die diese Arbeit leisten müssten, treten kaum in Erscheinung. Außerhalb des Landtags führte die Linke in der Öffentlichkeit eher ein Schattendasein. Sie schaffte es auch nicht, Sympathisanten-Gruppen für ihre Anliegen zu organisieren und an sich zu binden, wie dies etwa die Grünen tun.

Die Linke versteht sich als „Garant für soziale Veränderungen“ in NRW. Einlösen konnte sie diesen Anspruch jedoch nur in dem Umfang, wie dies die rot-grüne Minderheit zuließ. Diesen unangenehmen Sachverhalt verdrängt die Linke. Statt sich ihm zu stellen, neigt sie dazu, ihre Leistungsbilanz schön zu reden. Die Studiengebühren wurden nicht etwa abgeschafft, weil die Linke dies durchsetzte, wie sie behauptet, sondern weil sich ihre Position mit den Vorstellungen von SPD und Grünen in diesem Punkt deckten.

Wie sich die FDP als Interessenwahrer von Hoteliers, Ärzten und Apothekern aufführt, dokumentiert die Linke immer wieder ihre Nähe zur Gewerkschaft Verdi, indem sie sich als Schutzpatron der Planstellen im öffentlichen Dienst ausgibt. Dabei ist es der Linken bisher nicht gelungen, der Öffentlichkeit deutlich zu machen, wie sie die akuten Finanzprobleme der Städte und des Landes lösen will.

Die kurze Zeit im Landtag hat viele Sympathisanten und Mitglieder der Linken desillusioniert. Viele kehrten der Partei enttäuscht den Rücken. Die Zahl der Mitglieder sank seit 2010 um neun Prozent auf gut 8000. Ein Teil soll zu den Piraten abgewandert sein. Dass die NRW-Linke ihre Defizite wahrnimmt und diskutiert, ist nicht zu erkennen. Nichts deutet darauf hin, dass der größte linke Landesverband in Westdeutschland und der drittgrößte in ganz Deutschland es für erforderlich hält, sich zu reformieren.

Die Mängel schlagen sich inzwischen gnadenlos in den Umfragen nieder. Bei der Landtagswahl 2010 erreichte die NRW-Linke 5,6 Prozent. Zum Jahreswechsel 2011/2012 lag sie bei 6 Prozent. Inzwischen mmuss sie fürchten, an der Fünf-Prozent-Hürde zu scheitern. Aktuelle Umfragen sehen sie nur noch zwischen drei und vier Prozent.

 

 

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2 Kommentare zu “Die NRW-Linke vor dem Absturz”

  1. Spider sagt:

    Die Ablehnung des Haushaltes und die Auflösung des Landtages sind zwei verschiedene Abstimmungen gewesen.

    Man hätte nach der Ablehnung ja auch einen neuen mehrheitsfähigen Haushalt verabschieden können.

    Von daher sehe ich es nicht für problematisch, dass die Abgeordneten der Linken gegen den Haushalt gestimmt haben.

    Was ich aber für problematischer halte ist, dass die Linken erstens der Auflösung des Landtags auch zugestimmt haben. Zweitens haben alle Abgeordneten vorher dafür gesorgt, dass die Fraktionsgelder weiter fließen (siehe Plenarprotokoll).

    Und drittens ging dies alles in ohne öffentliche Debatte über die Bühne und die 1. und 2. Lesung wurden zusammengefasst.

  2. […] Die NRW-Linke vor dem Absturz: Die kurze Zeit im Landtag hat viele Sympathisanten und Mitglieder der Linken desillusioniert, meint … postvonhorn […]

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