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Nebenbei

  • Steinmeier und Yücel

    In der Türkei sitzen viele Dutzend Journalisten im Gefängnis. Unter ihnen befindet sich auch Deniz Yücel, Er ist türkischer und deutscher Staatsbürger. Bundespräsident Steinmeier hat seine erste Rede für einen Appell an den türkischen Präsidenten Erdogan genutzt. „Geben Sie Deniz Yücel frei!“ Eine selbstverständliche und dennoch bemerkenswerte Forderung. Die meisten Bundespräsidenten hielten sich aus der Tagespolitik heraus. Dass Steinmeier anders verfährt, hat ihn viel Lob eingebracht. Es hieß, er sei ein Präsident mit Biss, ein Mann, der klare Kante zeigt. Wem nutzt dieser Auftritt? Zunächst ihm selbst. Die positive Resonanz ermuntert ihn, dem eingeschlagenen Weg zu folgen. Risikolos ist er nicht. Er kann ihn über die Grenze hinausführen, von der an er zum Richter über die Politik der Regierung wird. Genützt hat Steinmeiers Auftritt auch jenen Bürgern, denen er aus dem Herzen sprach. Sie können sich verstanden fühlen. Nützt Steinmeiers Auftritt aber auch Yücel? Erdogan wird wohl den Teufel tun und ihn freilassen. Mit Steinmeiers Appell ist der Fall zur Prestigefrage geworden. Gäbe Erdogan nach, würde er in den Augen seiner Anhänger Schwäche zeigen. Er hätte sich deutschem Druck gebeugt und eingestanden, dass Yücel unrechtmäßig festgehalten wurde. Erdogan verlöre sein Gesicht. Je heftiger er öffentlich bedrängt wird, desto länger wird er Yücel festhalten. Der Journalist wird vermutlich erst freikommen, wenn gewährleistet ist, dass Erdogan sein Gesicht behält. Für Yücel aussichtsreicher wäre es wohl, statt mit öffentlichen Appellen auf diplomatischem Wege Druck auszuüben. Erdogan wird das Gefängnistor erst öffnen, wenn es für ihn teurer wird, Yücel gefangen zu halten als ihn freizulassen. – Ulrich Horn

Fußball: Nicht jugendfrei

Mittwoch, 7. März 2012

Nebenbei

(uh) Auf dem Platz Brutalität unter Spielern, auf den Rängen Hassgesänge und Gewalttaten unter Zuschauern, vor den Stadien Schlägereien und randalierende Betrunkene, bei der An- und Abreise Vandalismus in Bussen und Bahnen, und nun noch Angriffe auf der Autobahn: Um die Fußballvereine haben sich kriminelle Banden gebildet, die sich bekämpfen und auch Jagd auf friedliche Fans machen. Hilflos schauen die DFB-Funktionäre und die Innenminister zu, wie das Spiel den Regeln und dem Gesetz entgleitet und verroht. Es ist zu einem riesigen miesen Geschäft verkommen, das sich ebenfalls nicht mehr an Regeln hält. Man mag kaum glauben, dass es zum großen Teil aus Steuermitteln und Fernsehgebühren finanziert wird. Fußball, das war einmal ein familientauglicher Sport. Viele Eltern und Großeltern verzichten darauf, ihre Kindern und Enkel zu den gewalttätigen Bundesliga-Spielen mitzunehmen. Sie sind einfach nicht mehr jugendfrei.

 

 

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