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Nebenbei

  • Das Geld nicht wert

    Deutschland hat mit 709 Bundestagsabgeordneten nach China (knapp 3000 Abgeordnete) das zweitgrößte Parlament der Welt. Indien, das mit 1,3169 Milliarden fast so viele Einwohner wie China zählt und zehnmal so viele Wahlberechtigte wie Deutschland Einwohner, bringt es nur auf 543 Parlamentssitze. Ist Indiens Parlament zu klein oder das deutsche zu groß? Läge dem indischen Parlament die gleiche Relation zwischen Abgeordneten und Einwohnern zugrunde wie dem Bundestag, müssten im indischen Parlament 11276 Abgeordnete sitzen. Der Bundestag ist seit 2002 immer größer geworden. Versuche, ihn zu verkleinern, scheiterten am Unwillen der Angeordneten. Das ist vor allem deshalb ärgerlich, weil die Mehrheit der Abgeordneten gar nicht danach strebt, das Land zu regieren. Die AfD und Die Linke haben sich so aufgestellt, dass keine andere Partei mit ihnen koalieren will, FDP und SPD lehnen das Regieren sogar rundweg ab, insgesamt eine Mehrheit von 55,6 Prozent. Man könnte meinen, der Bundestag sei zu einer kostspieligen Versorgungseinrichtung degeneriert. Fast drei Monate sind vergangen, ohne dass die Bundestagsparteien eine Regierung auf die Beine gestellt haben. Wer will es Bürgern verübeln, wenn sie glauben, die vier Parteien seien das Geld nicht wert, mit dem Wähler und Steuerzahler sie finanzieren? In einem Punkt sind sich die Abgeordneten von CDU, CSU, SPD und FDP einig. Sie wollen ihre Diäten erhöhen. Statt den Bundestag zu verkleinern und eine Regierung zustande zu bringen, spielen sie den Gegnern der Demokratie in die Hände. – Ulrich Horn

NRW: Kämmerer geben den Anshu Jain

Mittwoch, 16. November 2011

Politik

(uh) Nun wissen wir, warum in NRW so viele Städte hoffnungslos überschuldet sind. Sie werden hundsmiserabel verwaltet und regiert. Rund 25 Prozent aller Kämmerer des Landes entpuppen sich als ordinäre Zocker.

Auf Kosten der Steuerzahler, deren schwer verdientes Geld ihnen anvertraut ist, schlossen sie riskante Zinswetten ab, die fehlschlugen. Wie der WDR berichtet, soll sich der Schaden, den diese Bruderschaft von Hasardeuren anrichtete, auf bis zu einer Milliarde Euro belaufen.

Zu tragen haben ihn die Bürger, deren Steuermittel verbrannt wurden. Und weiter verbrannt werden, weil die Wett-Verträge langfristig abgeschlossen wurden. Das unverntwortliche Hantieren der Kämmerer dürfte viele Bürger ärgern, die fassungslos beobachten, wie die Schulden ihrer Städte ständig steigen und die Lebensqualität ständig sinkt.

Statt diesem Trend entgegen zu arbeiten, verstärken ihn die Kämmerer leichtfertig. Die biederen Verwaltungsspitzen wollten ein großes Rad drehen, Global Player und Investmentbanker spielen, den Anshu Jain geben. Eigentlich eine Lachnummer, diese Nummer, wenn sie nicht so ernst wäre.

Sie ist sogar noch ernster. Die Kämmerer haben die Zinswetten bei der Landesbank WestLB abgeschlossen, wohl oft auf Vermittlung der Sparkassen. Nun wollen die Städte die Bank vors Gericht bringen. Die erste Kommune, die schon bald klagen will, weil sie auf den globalen Finanzmärkten Schiffbruch erlitt, trägt den klangvollen Namen Hückeswagen.

Die Städte begründen ihren Marsch vors Gericht mit der Behauptung, sie seien nicht umfassend beraten und über die Risiken nicht hinreichend aufgeklärt worden. Mit anderen Worten: Die Kämmerer hätten nicht begriffen, worauf sie sich bei den Zinswetten einließen.

Mag sein, dass die Bank den Kämmerern die Risiken nicht vollständig erläuterte. Das müssen die Richter beurteilen. Erstaunlich ist, dass die Kämmerer praktisch zugeben, dass sie sich auf ein Millionen-Geschäft einließen, ohne dessen Tragweite bis ins Letzte ausgelotet und bewertet zu haben.

Kämmerer, die so etwas unterlassen, sind das Geld nicht wert, das ihnen gezahlt wird. Man sollte sie entlassen. Das gleiche gilt für Kämmerer, die behaupten, sie hätten in gutem Glauben gehandelt. Oder sie hätten nicht die Möglichkeiten, sich über die komplizierten Zinswetten schlau zu machen.

Es wäre ihre Pflicht gewesen, das Risiko abzuschätzen. Das tut jeder anständige Hasardeur, ehe er ins Risiko geht. Notfalls hätten die Kämmerer Rat suchen müssen. Wenn die WestLB ihn nicht lieferte, hätten sie sich die Wetten von der Deutschen Bank oder der Commerzbank erklären lassen müssen. Die kennen sich da bestens aus.

Das alles wissen die Kämmerer natürlich. Sie sind nicht naiv und unbedarft. Sie stellen sich nur so dar, und das aus einem triftigen Grund. Sie haben mit den Zinswetten spekuliert. Genau das ist ihnen jedoch untersagt. Mit den Klagen gegen die WestLB wollen sie davon ablenken, dass sie etwas Verbotenes getan haben, mit Beihilfe aus den Vorständen der Sparkassen und ihren Verwaltungsräten, in denen wichtige Lokalpolitiker und Landtagsabgeordnete sitzen. Das ist auch Grund, weshalb keiner dieser Kämmerer fliegt. Sie haben einflussreiche Kumpane, die diese Wetten mitgetragen haben.

Es fragt sich, wann der erste wütende Bürger den ersten leichtfertigen Kämmerer verklagt. Und ob der Bund der Steuerzahler tätig wird. Danach siehr es bisher leider nicht aus. Dabei könnte er mit einer solcher Klage ein starkes Zeichen setzen – für den seriösen Umgang mit Steuermitteln.

 

 

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Ein Kommentar zu “NRW: Kämmerer geben den Anshu Jain”

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