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Nebenbei

  • Drei Frauen, ein Mann

    Das TV-Duell zwischen Ministerpräsidentin Kraft und CDU-Herausforderer Laschet entscheidet nicht die NRW-Wahl. Dennoch bot es interessante Aufschlüsse – weniger über die Pläne der beiden Spitzenkandidaten als über die Persönlichkeiten selbst. 1. Kraft beschädigte ihr Image als nette Landesmutter. Gleich von Anfang an zeigte sie sich, wie man sie im Düsseldorfer Regierungsviertel kennt: unwirsch, ungeduldig, auch zickig. Sie fährt schnell aus der Haut und andere an, wenn sie meint, die kämen ihr quer. Im TV-Duell bestätigte sie die Hombach-Maxime: Gegen die Wirklichkeit kann auf Dauer kein Image bestehen. 2. Krafts Versuch, das Duell zu dominieren, misslang. Schon zu Beginn erregte sie sich heftig, als wollte sie die Fassung verlieren. Später lächelte sie auch abschätzig über Laschet. Wäre er gegenüber ihr so aufgetreten wie sie gegenüber ihm, hätten sich alle Daumen über ihm gesenkt. 3. Kraft war taktisch schlecht vorbereitet. Über weite Strecken hing sie in der Defensive. Mittel, ihr zu entkommen, fand sie kaum. Selbst wenn sie lautstark angriff, lief sie in Laschets Konter. Präsidentinnenhaft wirkte sie nicht. 4. Inhaltlich hat sie wenig anzubieten. Sie will mehr Polizisten, kostenlose Betreuung in Kindergärten und das Projekt, kein Kind zurückzulassen, weiter ausdehnen. Wie sie das Ruhrgebiet auf die Beine bringen will, das ganz NRW herunterzieht, bleibt ihr Geheimnis. 5. Laschet war taktisch klug eingestellt. Er hatte es mit drei Frauen zu tun, mit Kraft und den beiden Moderatorinnen. Er bewältigte die Aufgabe, ohne unangenehm anzuecken. Er formulierte seine Kritik höflich und verbindlich. Dennoch zwang er Kraft, sich als die Persönlichkeit zu zeigen, die sich sonst hinter der Rolle der Landesmutter verbirgt. Er hob sogar Konsenspunkte hervor. Sein Auftritt war dazu angetan, für die CDU auch Frauen zu gewinnen, denen man nachsagt, sie tendierten zu Kraft. 6. Sie allzu heftig anzugehen, konnte sich Laschet ersparen. Der Eindruck, sie habe NRW herunterwirtschaftet, hat sich derart breit festgesetzt, dass er sich wie ein roter Faden durch alle Fragen der Moderatorinnen zog. – Ulrich Horn

Ein kurzer Blick auf das Schalke-Gen

Mittwoch, 28. September 2011

Politik

(uh) Schalkes neuer Trainer Stevens habe das Schalke-Gen, meint der frühere Schalker Spieler Olaf Thon. Wir wollen im Interesse des Vereins hoffen, dass er sich irrt.

Erfolg zweitrangig

Der Spieler sollte aus eigener Erfahrung wissen, dass Schalke für jene Art von Selbstgenügsamkeit steht, die Erfolg für zweitrangig hält. Der Verein wünscht ihn sich zwar, ist aber nicht bereit, die Mühen auf sich zu nehmen, ohne die er nicht zu haben ist. Fehlt es Mannschaft und Vereinsführung an Professionalität und Qualität, stellt er sich nicht ein. Diese Erkenntnis dürfte der Grund gewesen sein, weshalb Thon seinerzeit zu Bayern München wechselte, wie jüngst auch Schalkes Torwart Neuer. Sie wollten sich nicht damit begnügen, auf Schalke unter ihrem Niveau zu spielen.

Die harten Schalke-Fans, die von der Kurve aus den Club regieren, nehmen solchen Ehrgeiz übel, weil er ihnen selbst abgeht. Das Vakuum füllt sich schnell mit Aggressionen, wie beim jüngsten Gastspiel Neuers auf Schalke zu beobachten war. Mit dieser Art von Fan-Kultur demolieren die Ultras den Verein.

Bedürfnis nach Geborgenheit

Schalke beschäftigt sich am liebsten mit sich selbst. Schlimmer noch: Die Radikalen unter den Fans, die auch in diesem Verein den Ton angeben und weitgehend die Sitten verderben, glauben offenbar, der Verein sei umso erfolgreicher, je mehr er ihnen die Möglichkeit bietet, sich in ihm einzumulchen. Der Verein hat für sie, seine wahren Repräsentanten, da zu sein.

Ihr Bedürfnis nach Geborgenheit unter Gleichgesinnten und die Beharrlichkeit, sie sich zu erhalten, sind Restbestand des Bergbaus, der früher dieses Bedürfnis weckte und befriedigte. Er bot nicht nur den Knappen Betreuung rund um die Uhr, Leitplanken und Regeln unter und über Tage, im Betrieb und in der Freizeit, von  der Wiege bis zur Bahre, am liebsten in den überschaubaren Grenzen der Kolonie im Stadtteil. Man kam mit seinem Leben eben am besten klar, wenn man die Kolonie, in der alles schön geregelt war, gar nicht erst verließ, es sei denn, man musste es, etwa zu Auswärtsspielen und im Urlaub.

Niemals Meister

Diese Mentalität, die in und um den Gelsenkirchener Stadtteil Schalke immer noch tief verwurzelt und weit verbreitet ist, hat Folgen. Der Schalke-Fan lebt in seinem ganz eigenen Biotop. Im Grunde seines Herzens weiß er: So wie Bayer Leverkusen der ewige Zweite bleibt, ist Schalke derjenige Verein, der niemals Meister wird. Um das auszuhalten, muss man seine Ansprüche anpassen, um nicht zu sagen: senken. Darin haben Schalke und seine Anhänger seit Jahrzehnten Übung.

Es ist doch auch ganz schön, dass der Verein es einmal beinahe geschafft hätte. Meister der Herzen: Ist das nicht auch ein Titel? Der Herzschlag, der den Verein von der Meisterschaft trennte, ist im Gefühlsleben der Fans vielleicht noch mehr wert, als es die Meisterschaft gewesen wäre.

Vereinskultur als Popanz

Tatsache ist: Schalke würde 50 Jahre davon zehren, könnte es demnächst einmal Meister werden. Für Bayern München ist schon ein Jahr ohne Titel die reinste Katastrophe. Der Erfolg und die Mühen, ihn zu erringen, sind in München fester Bestandteil des Selbstverständnisses. Ein derartiges Erfolgsstreben mit all seinen Konsequenzen ist Schalke-Fans eher unheimlich. Sollte es irgendwo aufflackern im Verein, wird es schnell ausgetreten mit dem Hinweis: Das widerspricht doch unserer Vereinskultur. Ein Popanz.

Weil Schalke aber nicht nur Fans, sondern auch Freunde hat, kann man dem Trainer Stevens nur wünschen: Möge es ihm gelingen, das Schalke-Gen wenigstens zeitweise ein wenig zu betäuben.

 

 

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Ein Kommentar zu “Ein kurzer Blick auf das Schalke-Gen”

  1. mathias sagt:

    Ich verstehe diesen Text als ein Plädoyer für einen modernen Fußball, in dem es nur um Leistung geht, in dem der erfolgreiche FC Bayern mit seiner aggressiven Transferpolitik das Maß aller Dinge ist. Wer sich diesen Fußball wünscht ist selber schuld – er wird vieles von dem, was für die meisten Schalker Fußball ausmacht, niemals miterleben.

    Zwei weitere Anmerkungen: Die Reaktionen auf Manuel Neuers Wechsel waren anfangs gemäßigt, teilweise sogar resignativ. Erst als Neuer anfing seine früher doch ach so identitätsstiftende Vergangenheit zu leugnen, wurde den Schalke-Fans deutlich, dass sie jahrelang von ihrem größten Helden verarscht wurden. Völlig nachvollziehbar aus meiner Sicht, dass sich als Reaktion darauf Frustration breit macht, die bei Neuers Rückkehr größtenteils kreativ ausgelebt wurde. Das sind Emotionen die gibt es nun mal im Stadion – und ich finde das auch gut so. Dass sich nun die Öffentlichkeit (allen voran die BILD) als Moralapostel aufspielt ist doch erwartbar gewesen.

    Zum fehlenden Erfolgsstreben im Verein Schalke: Vor nicht allzu langer Zeit hatte Schalke einen Trainer, der alles dem Erfolg unterordnen wollte – er hätte den Laden fast vor die Wand gefahren und alles, was den S04 ausmacht zerstört. Schalke tut m.E. gut daran seine Ansprüche zurückzuschrauben – ein paar Kilometer südlich konnte man vor einigen Jahren sehen, wohin bedingungsloser Erfolgswille führen kann.

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