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Nebenbei

  • Ippens Geist

    Zeitungsverleger haben einen schönen Beruf. Sie wirken daran mit, die Menschheit zu informieren und aufzuklären. Die einen Verleger mehr, die anderen weniger. Manche manchmal gar nicht. In diese Gruppe reiht sich Ippen ein. Er verbot, einen Artikel zu veröffentlichen, den Journalisten seines Hauses geschrieben haben. Der Beitrag stellt den Chefredakteur der Bild-Zeitung aus dem Konkurrenzverlag Springer bloß. Ippen begründete sein Verbot, er habe den Eindruck vermeiden wollen, mit dem Artikel dem Konkurrenzverlag zu schaden. Spiegelt Ippens Vorgehen und Rechtfertigung den Geist wider, der im Kreis der deutschen Verleger weht, ist es um Pressefreiheit, Wettbewerb und Marktwirtschaft schlecht bestellt. Die Leser deutscher Printprodukte könnten dann ohne Sorge, etwas zu verpassen, ihre Abos kündigen. Wer seinem Blatt aber treu bleibt, muss sich von jetzt an fragen, ob der Verleger seiner Zeitung in der aktuellen Ausgabe etwas zu drucken verbot, was es denn wohl sein könnte und warum er das, was er in der Zeitung stehen ließ, zu drucken erlaubte. Österreichs Kanzler erkaufte sich Lobeshymnen in Zeitungen. Von Ippens Verhalten ist es nicht mehr weit bis zu dem Argwohn, so etwas wie in Österreich könnte es auch in Deutschland geben. – Ulrich Horn

Hoeneß und das ZDF

Sonntag, 25. September 2011

Medien

(uh) Manchmal traut man seinen Augen und Ohren nicht. Der Verteidiger des Fußball-Vereins Bayern München, Breno, steht im Verdacht, sein Haus abgebrannt zu haben. Die Staatsanwaltschaft nahm ihn in Untersuchungshaft. Das veranlasste den Bayern-Präsidenten Hoeneß, die Justiz zu beschimpfen. Das ZDF-Sportstudio übertrug den Ausfall des Präsidenten unkommentiert.

Beide Vorgänge sind bemerkenswert. Das ZDF macht sich zum Verlautbarungsorgan des FC Bayern. Und dann Hoeneß. Seine Attacke gegen die Justiz ist derart maßlos, dass sich der Verdacht aufdrängt, sie diene dazu, die Aufmerksamkeit des Publikums vom FC Bayern ab- und auf die Staatsanwaltschaft umzulenken.

Der Fall Breno könnte eine unangenehme Wendung nehmen. Der Spieler hat offensichtlich seit längerer Zeit Probleme. Das soll sogar seinen Nachbarn aufgefallen sein. Es fragt sich: Fiel das auch dem FC Bayern auf? Der Verein hält sich viel auf seine Fürsorglichkeit zugute. Was hat er in den vergangenen Wochen getan, um dem Spieler zu helfen?

Als Hannovers Torhüter Robert Enke Selbstmord beging, war alle Welt bestürzt. Kaum jemand in seinem Verein und in der Nationalmannschaft hatte bemerkt, dass er unter Depressionen litt. Damals wurde vermutet, es fehle im Profi-Fußball an Zuwendung und Fürsorge. Der DFB bemühte sich sehr, diesen Verdacht zu entkräften.

Spieler, die über ihr Fußball-Dasein verzweifeln, sind schlechte Werber für einen Sport, der sich der Spielfreude verschrieben hat. Der Verband lebt von der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Und davon, dass sie den Profi-Spielern nacheifern. Daher kommen die Vereine nicht umhin, sich um die Befindlichkeit ihres Personals zu kümmern. Sie sind eben mehr als nur dem Erfolg verpflichtete Wirtschaftsunternehmen.

 

 

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