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Nebenbei

  • Schröders Schützenhilfe

    (uh) Zur Kanzlerkandidatur der SPD ist kürzlich eine Vorentscheidung gefallen. Ex-SPD-Kanzler Schröder sprach sich für Steinbrück aus. Für zwei Drittel der SPD dürfte nun klar sein: Kanzlerkandidat wird Steinbrück auf keinen Fall. Seit Jahren sucht die Mehrheit der SPD Distanz zu Schröder. Sie will mit seiner Agenda-Politik nichts zu schaffen haben. Dass sie Agenda-Fan Steinbrück zum Spitzenkandidaten machen könnte, schien bisher schon zweifelhaft. Nach Schröders Lob sind wohl letzte Zweifel beseitigt. Schon Helmut Schmidts Schützenhilfe hat Steinbrück geschadet. Schmidt hielt bereits Anfang der 80er Jahre soziale Reformen für nötig. Die SPD ließ ihn jedoch im Regen stehen und trug so zu seinem Sturz bei. 20 Jahre später setzte Schröder mit der Agenda durch, wozu Schmidt die Kraft fehlte. Mit seinem Lob tat Schröder Steinbrück nun keinen Gefallen. Schröder weiß das. Steinbrück wohl auch. Seit im Fernsehen zu sehen war, wie Schröder bei Putins Inthronisierung im Kreml in der ersten Reihe der Vasallen stand, müsste Steinbrück klar sein, dass Schröders Schützenhilfe ein Bärendienst war.

     

     

  • Einstweilige Verfügung gegen den Stern

    (uh) Das Familienministerium NRW hat beim Landgericht Köln eine Einstweilige Verfügung gegen die aktuelle Berichterstattung des Magazins STERN zu angeblichen Zusammenhängen zwischen dem Blog „Wir in NRW“ und Auftragsvergaben des Ministeriums erwirkt (Landgericht Köln 28 O 201/12). Damit darf der STERN nicht mehr den Verdacht erwecken, die Erteilung von fünf Aufträgen des Ministeriums an Karl-Heinz Steinkühler und das Unternehmen steinkuehler-com stehe im Zusammenhang mit der Berichterstattung, die im Blog „Wir in NRW“ unter den Pseudonymen „Theobald Tiger“ und „Leo Loewe“ veröffentlicht wurde. „In der Konsequenz bedeutet das, dass die Berichterstattung rechtswidrig war. Der Artikel hätte so nicht geschrieben werden dürfen“, erklärte die Pressesprecherin des Ministeriums, Paeleke-Kuhlmann.

     

     

  • Siegeszug der Gewalt

    (uh) Das Schlimmste am letzten Spiel des 1. FC Köln in dieser Saison war nicht der Abstieg des Vereins, sondern der Auftritt der Kölner Fans. Sie ließen wieder einmal die Sau raus. Die Spieler sorgten sich um ihre Sicherheit. Sie nahmen vor den Fans Reißaus und verdrückten sich nach dem Schlusspfiff schleunigst in die Kabinen. Was tut der Verein? Was tut der DFB? So gut wie nichts. Gewalt im und um das Fußballstadion gehört längst zum Alltag. Gewohnheit stumpft ab. Gewalt im Fußball wird bagatellisiert. Sie entfaltete sich bisher weitgehend unbeeinträchtigt. Unter diesen Bedingungen wird sie ihren Siegeszug fortsetzen.

     

     

  • Gegenreformation

    (uh) Die Piraten haben die Altparteien schwer erschreckt. Es schein so, als fürchteten sie, auch ihre Mitglieder könnten auf den Gedanken kommen, mitreden zu wollen. Um solche Tendenzen im Keim zu ersticken, hat sich im Bundestag eine Reformbewegung gebildet. Sie will die Plenardebatten modernisieren. Das Rederecht für Abweichler soll eingeschränkt werden. So, wie wir den Bundestag kennen, kann das nur der Anfang sein. Hat sich der Schritt bewährt, dürfte rasch der nächste folgen: Abweichler werden gar nicht mehr reden dürfen. Ihre Ansichten tragen dann die Fraktionschefs vor. Und damit die Reform nicht auf halber Strecke stecken bleibt, wird das Rederecht im nächsten Schritt nur noch auf Fraktionschefs und Minister beschränkt. Ist jemandem noch unklar, warum die Piraten so großen Zulauf haben?

     

     

  • NRW: Blendende Ergebnisse

    (uh) Zum Auftakt des NRW-Wahlkampfes haben SPD, CDU, FDP und Grüne ihre Spitzenkandidaten mit mehr als 95 Prozent nominiert. Wer von den hohen Resultaten auf ein entsprechendes Einvernehmen zwischen Kandidat und Partei schließt, liegt falsch. Die hohe Zustimmung kommt zustande, weil die Delegierten wissen, dass es der Partei im Wahlkampf hilft, wenn der Kandidat ein gutes Ergebnis erreicht. Die Wähler werten dies als Beleg für die Geschlossenheit der Partei. Das macht sie und den Kandidaten attraktiv. Viele Delegierte haben großes Interesse, den Eindruck von Harmonie zu erwecken. Sie sind ebenfalls Kandidaten. Von einer geschlossenen Partei versprechen sie sich Vorteile für ihren eigenen Wahlkampf. Wie es um die Stellung des Spitzenkandidaten in seiner Partei tatsächlich bestellt ist, zeigt sich nicht vor den Wahlen, sondern danach, wenn das Wahlergebnis nicht den Erwartungen entsprach.

     

     

Westerwelles Sturzflug

Donnerstag, 11. März 2010

Politik

(uh) Seit die FDP bei der Bundestagswahl im vergangen Herbst ein hervorragendes Wahlergebnis erzielte, geht es mit der Partei bergab. Immer deutlicher stellt sich heraus, dass ihr Vorsitzender Guido Westerwelle zum Problem für die Partei und die schwarz-gelben Koalitionen in Berlin und Düsseldorf wird.

Den ersten Schlag handelten sich Westerwelle und die FDP ein, als die schwarz-gelbe Koalition kurz nach der Bundestagswahl die Mehrwertsteuer für die Übernachtungen in Hotels senkte und so den Hoteliers ein Milliarden-Geschenk machte. Damit gerieten er und die FDP in den Verdacht, käuflich zu sein. Vor der Wahl hatte die Partei eine Millionen-Spende vom Hotel-Unternehmer Finck kassiert. Außerdem wurde bekannt, dass Westerwelle als Oppositionschef gut bezahlte Vorträge vor Hoteliers gehalten hatte. Argwohn breitete sich aus.

Brandzeichen Mövenpick-Partei

Der böse Anschein lässt sich nicht mehr wegreden. Seit die Hotelier-Spende bekannt ist, muss die FDP mit dem Brandzeichen „Mövenpick-Partei“ leben. Das ist mehr als nur Spott über eine Klientelpartei, die zur Tarnung ihrer Bedienungspolitik das Gemeinwohl bemüht. Es ist ein Stigma, vergleichbar mit dem früheren Etikett „Umfaller-Partei“.

Dabei fühlen sich die Liberalen zu Unrecht geprügelt. Sie verweisen darauf, dass die Partei vor der Wahl vor allem Erleichterungen für die Gaststätten angestrebt habe. Es sei die CSU gewesen, die bei den Koalitionsverhandlungen unbedingt Vergünstigungen für Hoteliers habe durchsetzen wollen. Dass die Hotelier-Spende an der FDP kleben blieb, obwohl auch die CSU von Finck bedacht wurde, empfinden viele Liberale als „schlimmen Kommunikationsgau“, den ihr Vorsitzender hätte verhindern müssen.

Seither laufen Westerwelle die miesen Schlagzeilen nach. Die Vermutung, dass sein Wahlversprechen, die Steuern zu senken, nicht zu halten sei, löste unter FDP-Sympathisanten eine Fluchtbewegung aus. Gleichzeitig wurde deutlich, dass er die FDP auf die Herausforderungen als Regierungspartei personell und inhaltlich kaum vorbereitet hatte.

Rechtspopulismus

Zwar gelang es ihm, die FDP-Umfragewerte mit seiner Hartz IV-Kampagne auf niedrigem Niveau zu stabilisieren. Dafür mussten er und die FDP jedoch einen hohen Preis zahlen. Mit seinen Attacken gegen Hartz IV-Empfänger rückte die Partei  nach rechts, in eine Ecke, in der sie sich plötzlich mit den niederländischen Rechtspopulisten wiederfand. Das schlug sich in seinen persönlichen Umfragedaten nieder. Sein Ansehen schrumpfte dramatisch. So unbeliebt wie er war vor ihm kein anderer Außenminister.

Ein Ende des Sturzfluges ist nicht in Sicht. Das Tempo des Niedergangs beschleunigt sich noch. Er tritt bei Veranstaltungen auf, die sein Lebensgefährte, der Veranstaltungsmanager  Michael Mronz, organisierte. Zu seinen Dienstreisen lädt Westerwelle Unternehmer ein, die ihm und der FDP als Spender verbunden sind. Mronz ist immer dabei. Schon hat sich bei der Opposition und den Medien der Eindruck festgesetzt, der Vermarktungsexperte könnte aus den Kontakten mit den Managern und Unternehmern während der Reisen des Außenministers geschäftliche Vorteile ziehen. Längst muss sich Westerwelle gegen den Vorwurf des Amtsmissbrauchs wehren.

Der böse Schein

Er und Mronz haben alle Hände voll zu tun, um gegen den bösen Schein anzukämpfen. Immer wieder müssen sie darauf hinweisen, dass ihre Reisen und deren Umstände der bisher gängigen Praxis des Außenministeriums entsprächen.

Von den politischen Gesprächen, die er während seiner Asien- und seiner Südamerika-Reise führte, wurde kaum berichtet, dafür umso umfangreicher über die Kritik an der Auswahl seiner Reisebegleiter. Und über den Verdacht, der Außenminister und Vizekanzler halte dienstliche und private Interessen nicht sauber auseinander. Schon stellt sich die Frage, wie lange die Unternehmer und Manager, die ihn begleiten, es wohl aushalten werden, immer wieder im Zusammenhang mit solchen Verdächtigungen genannt zu werden.

Der Druck auf Westerwelle ist inzwischen so groß, dass er kaum noch in der Lage scheint, die Reiseumstände zu ändern. Ließe er seinen Lebensgefährten und die ihm verbundenen Unternehmer demnächst zu Hause, sähe es so aus, als bestätige er den Verdacht, private und dienstliche Interessen seien verquickt worden. Trotzig bekräftigt er, Mronz werde ihn auch künftig begleiten. Das wiederum bietet die Gewähr dafür, dass er die Vorwürfe nicht mehr los wird.

Schlichtweg überfordert

Schon vor Wochen hat ihn sein Stellvertreter, NRW-Landeschef Andreas Pinkwart, öffentlich aufgefordert, einen Teil seiner Macht abzugeben. Hinter solchen Vorstößen wird deutlich, dass in der FDP die Einsicht wächst, Westerwelle sei mit seinen beiden Ämtern, dem des Außenministers und des Parteichefs, schlichtweg überfordert.

Auch inhaltlich läuft die Diskussion in der FDP gegen den Takt, den der Parteichef in den vergangenen Wochen vorgegeben hat. Das Konzept zur Reform von Hartz IV, das der neue FDP-Generalsekretär Christian Lindner gerade erst vorstellte, hat mit den rechtspopulistischen Akzenten, die Westerwelle setzte, auffällig wenig gemein.

Derweil stürzen die Umfragewerte der schwarz-gelben Koalition in Berlin weiter ab. Das wird vor allem Westerwelle angelastet. Auch die Verhältnisse in der schwarz-gelben NRW-Koalition verschlimmern seine Lage. Der Ansehensverlust, den Jürgen Rüttgers und die NRW-CDU über die Sponsoren-Affäre erlitten, hat auch auf Westerwelle gravierende Auswirkungen. Sollte es nach der NRW-Wahl im Mai in Düsseldorf nicht mehr zu einer schwarz-gelben Koalition reichen, weil die FDP zu schwach ist, um die Verluste der CDU auszugleichen, muss er um das Amt des Parteichefs bangen.

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7 Kommentare zu “Westerwelles Sturzflug”

  1. bernd sagt:

    Man sollte doch meinen, der Außenminister hätte aus dem Streit um Jürgen Möllemann 2002/2003 gelernt. Der neue Generalsekretär Lindner kann einem doch leid tun: Er strampelt sich mit beachtenswerten Inhalten ab, während Westerwelle instinktlos agiert, Leutheusser-Schnarrenberger scheinbar nur poltert und Brüderle und Niebel dilettieren. Da ist die bisher gehaltene Ruhe des Gesundheitsmiisters Rösler doch sehr wohltuend. Ich bin gespannt, wie lange die Koalition diese Situation aushält.

  2. filser sagt:

    Steuerhinterziehung ist die Schwarzarbeit der Reichen, schrieb eben Westerwelles Parteifreund, der Vorsitzende des Bundestagsfinanzausschusses, Volker Wissing, im Magazin Focus. Interessant, dass Wissing das zu einer Zeit tut, wo Westerwelles Connection mit dieser Sorte Schwarzarbeiter sichtbar wird, die ihr Geld in die Schweiz bringen – vor und nach Weltreisen mit dem deutschen Außenminister.

  3. vera sagt:

    ich hab hier http://opalkatze.wordpress.com/2010/01/21/hurra-wir-leben-noch/ schon kommentiert, was diese selbstbedienungspolitik mit uns macht.

    wirklich schlimm ist, daß in der konsequenz die wahlbeteiligung bei 18% liegen wird – jedoch nicht in westerwelles sinn. traurig, beschämend, wut auslösend.

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