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Nebenbei

  • Ippens Geist

    Zeitungsverleger haben einen schönen Beruf. Sie wirken daran mit, die Menschheit zu informieren und aufzuklären. Die einen Verleger mehr, die anderen weniger. Manche manchmal gar nicht. In diese Gruppe reiht sich Ippen ein. Er verbot, einen Artikel zu veröffentlichen, den Journalisten seines Hauses geschrieben haben. Der Beitrag stellt den Chefredakteur der Bild-Zeitung aus dem Konkurrenzverlag Springer bloß. Ippen begründete sein Verbot, er habe den Eindruck vermeiden wollen, mit dem Artikel dem Konkurrenzverlag zu schaden. Spiegelt Ippens Vorgehen und Rechtfertigung den Geist wider, der im Kreis der deutschen Verleger weht, ist es um Pressefreiheit, Wettbewerb und Marktwirtschaft schlecht bestellt. Die Leser deutscher Printprodukte könnten dann ohne Sorge, etwas zu verpassen, ihre Abos kündigen. Wer seinem Blatt aber treu bleibt, muss sich von jetzt an fragen, ob der Verleger seiner Zeitung in der aktuellen Ausgabe etwas zu drucken verbot, was es denn wohl sein könnte und warum er das, was er in der Zeitung stehen ließ, zu drucken erlaubte. Österreichs Kanzler erkaufte sich Lobeshymnen in Zeitungen. Von Ippens Verhalten ist es nicht mehr weit bis zu dem Argwohn, so etwas wie in Österreich könnte es auch in Deutschland geben. – Ulrich Horn

Eis essen mit Rau

Dienstag, 2. März 2010

Rückschau

(uh) Im Sommer 1996 lud der damalige NRW-Ministerpräsident Johannes Rau zu einer Pressekonferenz in das Hotel Holiday Inn am Düsseldorfer Graf-Adolf-Platz.

Die rot-grüne Koalition war seit einem Jahr im Amt. Sie arbeitete mehr schlecht als recht. Bei der Pressekonferenz ging es um Bilanz und Ausblick. Rau bemühte sich, die Krisen der Koalition klein zu reden. Damals gab es schon jede Menge Gerüchte um sein Ausscheiden aus dem Amt.

Und so war es nicht erstaunlich, dass er auch gefragt wurde, wann er denn zurücktreten werde. Begeistert war er über diese Frage nicht. Doch er hatte offenbar mit ihr gerechnet. Er hatte eine Antwort parat, die er sich wohl überlegt zu haben schien: „Ich weiß es, meine Frau ahnt es, aber ich sage nicht einmal den Wochentag.“

Sollte er gehofft haben, mit diesem Ausspruch die immer wieder aufflackernden Spekulationen um seinen Rücktritt auszutreten, so ging dieser Plan gründlich schief. Das Zitat bekam rasch Flügel und sorgte dafür, dass die Spekulationen in den nächsten Wochen richtig Auftrieb erhielten.

Nach der Pressekonferenz fing mich Rau am Hotelausgang ab. Er fragte mich, ob ich Zeit hätte, und lud mich auf ein Eis in die Eisdiele neben dem Hotel ein. Seine Begleiter schickte er voraus in die Staatskanzlei. Viel Zeit, mich zu wundern, blieb mir nicht. Der Kellner fiel aus allen Wolken, als er Rau vor der Theke stehen sah. Rasch waren wir mit Eis versorgt. Dann fragte mich Rau unvermittelt, was ich davon hielte, dass Wolfgang Clement sein Nachfolger würde.

Ich war damals seit sieben Jahren Landeskorrespondent. In dieser Zeit hatte ich Rau einige Male getroffen, allerdings nie unter vier Augen. Mehr als zwei, drei Dutzend Sätze hatten wir bis dahin nicht gewechselt. Dass er mich in diesem Punkt nach meiner Meinung fragte, verblüffte mich. Es gebe zwei Möglichkeiten, ihm zu antworten, sagte ich, eine diplomatische und eine offene. Er bat um völlige Offenheit. Wir versicherten uns, dass alles, was wir sagen würden, unter uns bleiben sollte.

Ob er sein Wort gehalten, weiß ich nicht. Ich habe keinen Grund, daran zu zweifeln. Ich selbst will hier über Inhalt und Verlauf unseres Gesprächs nichts mitteilen.

So viel sei jedoch gesagt: Wir saßen weit über eine Stunde lang in dem Lokal. Rau nahm sich Zeit. Er drängte kein einziges Mal zur Eile. Wir sprachen nur über das eine Thema. Wir verließen das Lokal erst, als es darüber für uns beide nichts mehr zu bereden gab.

Als wir uns vor dem Lokal verabschiedeten, hatte ich nicht den Eindruck, dass unsere Ansichten weit auseinander lagen.

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